Forschungsbericht 2017 - Max-Planck-Innovation

Max-Planck-Innovation – die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft

Autoren
Berninger, Markus
Abteilungen
Max-Planck-Innovation, München
Zusammenfassung
Unter dem Motto „Connecting Science and Business“ versteht sich die Max-Planck-Innovation GmbH als Partner für Wissenschaftler ebenso wie für Unternehmen. Mit unserem interdisziplinären Team beraten und unterstützen wir die Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) bei der Bewertung von Erfindungen, der Anmeldung von Patenten sowie bei der Gründung von Unternehmen. Damit erfüllen wir eine wichtige Aufgabe: Den Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung in wirtschaftlich und gesellschaftlich nützliche Produkte.

FLASH-Technologie  Jens Frahm in die Hall of Fame der deutschen Forschung aufgenommen

FLASH ist das bislang erfolgreichste Patent, das Max-Planck-Innovation vermarktet hat. Das Patent hat rund 155 Millionen Euro an Lizenzeinnahmen für die Max-Planck-Gesellschaft, das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie die Erfinder generiert. Im Jahr 2016 wurde der Physiker Jens Frahm, Leiter der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Göttinger Max-Planck-Institut und Miterfinder von FLASH, in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen. Mit der Aufnahme würdigt das manager magazin den Forscher für seine bahnbrechenden Weiterentwicklungen der Magnetresonanz-Tomografie (MRT). Dank der von ihm erfundenen FLASH-Technologie ist die MRT heute das bedeutendste bildgebende Verfahren in der klinischen Diagnostik und weltweit im Einsatz. Eine erst vor Kurzem von Frahm entwickelte Erweiterung (FLASH 2) beschleunigt die MRT-Aufnahmen noch einmal deutlich und ermöglicht sogar Echtzeit-Filme aus dem Inneren des Körpers. Sie wird gegenwärtig für die Nutzung in der Klinik erprobt.

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Abb. 1: Dank der von Jens Frahm erfundenen FLASH-Technologie ist die Magnetresonanz-Tomografie (MRT) heute das bedeutendste bildgebende Verfahren in der klinischen Diagnostik und weltweit im Einsatz. Mit FLASH 2 sind sogar Echtzeit-MRT-Filme vom schlagenden Herzen, vom Blutfluss oder von Sprech- und Schluckvorgängen mit 30 bis 100 Bildern pro Sekunde möglich.

„Der Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis zur Innovation, vom Geistesblitz zur nützlichen Anwendung ist lang und erfordert viele unterschiedliche Kompetenzen. Ich bedanke mich daher für diese außergewöhnliche Auszeichnung auch im Namen der vielen Mitarbeiter und Kooperationspartner, mit denen ich das Glück hatte zusammenzuarbeiten“, sagte Frahm anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame am 16. November 2016 bei einer feierlichen Veranstaltung im Kurhaus in Wiesbaden mit zahlreichen geladenen Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Gibt es bei einem Patienten Auffälligkeiten im Hirngewebe? Wurden bei einem Unfallopfer innere Organe verletzt? Liegt ein Bandscheibenvorfall vor? Wie schlägt das Herz? Um derartige Fragen zu beantworten, nutzen Radiologen heutzutage selbstverständlich die MRT. Mit ihr lassen sich in kurzer Zeit präzise Schnittbilder unseres Körpers erzeugen, die insbesondere Weichteile und Organe besonders gut darstellen. Zudem ist das Verfahren – im Gegensatz zu Röntgentechniken wie der Computer-Tomografie – für den Patienten gesundheitlich völlig unbedenklich.

Dass die MRT heute nicht mehr aus dem klinischen Alltag wegzudenken ist, ist ganz wesentlich das Verdienst von Jens Frahm: Nach ihrer Erfindung 1973 war die MRT bis Mitte der 1980er-Jahre für den Einsatz in der Medizin schlicht zu langsam – eine einfache Schichtaufnahme dauerte mehrere Minuten. 1985 entwickelte Frahm mit seinen Mitarbeitern die FLASH (Fast Low Angle Shot)-Technik. Mit ihr verkürzte sich die Aufnahmezeit um mindestens den Faktor 100 und verhalf so der MRT zum Durchbruch in der medizinischen Diagnostik. Heute finden weltweit etwa 100 Millionen Untersuchungen im Jahr statt. FLASH ist damit das erfolgreichste Patent der Max-Planck-Gesellschaft.

Die MRT macht sich eine besondere Eigenschaft der im Körper allgegenwärtigen Wasserstoff-Atomkerne zunutze: ihren Drehimpuls, auch Kernspin genannt. Dieser Kernspin macht die Atomkerne zu winzigen Magneten. Befinden sich diese in einem Magnetfeld, richten sie sich entlang der Magnetfeldlinien aus. Ein Magnetresonanz-Tomograf erzeugt ein solches Magnetfeld und zusätzlich kurze Radiofrequenzpulse im UKW-Bereich, die die Kernmomente kurzzeitig aus ihrem Gleichgewicht auslenken. Wenn sie wieder in ihre ursprüngliche Ausrichtung zurückkehren, senden sie Radiowellen aus, die von hochempfindlichen Spulen aufgezeichnet werden. Vielfach wiederholt, lässt sich aus diesen Signalen am Computer ein Bild berechnen.

Ein grundlegendes Hemmnis der MRT waren jedoch die langen Messzeiten, die durch die vielen Einzelmessungen mit unterschiedlicher Ortskodierung und die dazwischen notwendigen Wartezeiten entstanden. Frahms FLASH-Technik nutzt für jede Einzelmessung nur einen Teil des verfügbaren MRT-Signals, um mit diesem physikalischen Trick die Pausen vollständig zu eliminieren und die Messzeit radikal zu verkürzen.

Im Jahr 2010 gelang Frahm und seinem Team ein weiterer Durchbruch, indem sie auch das Problem der hohen Zahl an erforderlichen Einzelmessungen lösten: Mit FLASH 2 stellten sie eine weitere Innovation vor, die ein neues mathematisches Verfahren für die Bildrekonstruktion nutzt und dadurch mit nur noch ganz wenigen Einzelmessungen pro Bild auskommt. Das Verfahren beschleunigt die MRT-Aufnahmen noch einmal deutlich. Die Messzeit für ein Bild lässt sich so auf eine Hundertstelsekunde reduzieren. Damit ist es nun erstmals möglich, Echtzeit-Filme aus dem Inneren des Körpers aufzunehmen und Gelenkbewegungen, Sprechbewegungen, Schluckvorgänge oder das schlagende Herz „live“ zu beobachten. So lassen sich auch Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen den Atem nicht lange anhalten können, im MRT untersuchen. Außerdem könnte die neue Technik in Zukunft genutzt werden, um minimal-invasive Eingriffe und Behandlungen zu begleiten, die bisher unter Röntgenkontrolle durchgeführt werden.

Das Echtzeit-MRT wird bereits an der Universitätsmedizin Göttingen und mehreren anderen Universitäten, darunter die Oxford University sowie die Johns Hopkins University, für den klinischen Einsatz erprobt. „Klinische Bildgebung als wichtiges diagnostisches Werkzeug ist ohne MRT heute nicht denkbar. Weltweit finden jeden Tag unzählige Aufnahmen statt. Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit der schnellen Auswertung. Die Erfindung der FLASH-Technologie durch Jens Frahm und die konsequente Implementierung durch seine Arbeitsgruppe hat somit die Basis für ein diagnostisches Werkzeug geschaffen, ohne das die moderne Medizin nicht denkbar wäre. Die Weiterentwicklung dieser Überlegungen hin zu Echtzeitaufnahmen von bewegten Organen (etwa das schlagende Herz) im Rahmen von FLASH 2 stellt einen ähnlichen Innovationsschub wie die FLASH-Technologie dar. Wenn diese Real Time MRT flächendeckend implementiert ist, ergeben sich daraus wiederum ganz neue diagnostische Möglichkeiten. Zusammenfassend hat Jens Frahm durch die konsequente Beschäftigung mit der MRT Fortschritte ermöglicht, die täglich einer großen Zahl von Patienten zugute kommen,“ so Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstands Forschung und Lehre und Dekan der Universitätsmedizin Göttingen.

Lizenzverträge

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 79 Verwertungsverträge mit Industriepartnern geschlossen. Darunter ist ein Vertrag mit der Firma Abberior Instruments GmbH, die die STED-Technologie der nächsten Generation lizenziert hat. Die STED-Mikroskopie ist eine mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Technologie, mit der sich hochaufgelöste Fluoreszenzbilder weit unterhalb der Beugungsgrenze erzeugen lassen. Forscher des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen haben Anfang des Jahres ihr innovatives Protected STED-Konzept vorgestellt, das nicht nur den Bildkontrast verbessert, sondern auch das Ausbleichen der Bilder in der STED-Mikroskopie um bis zu einer Größenordnung reduziert. Diese Erfindung, so die Erwartungen, wird insbesondere Anwendungen im Life Cell Imaging und in der Medizintechnik Auftrieb verleihen.

Die Max-Planck-Innovation GmbH und die Abberior Instruments GmbH haben ihre Verhandlungen über eine Exklusivlizenz für die gewerblichen Schutzrechte an der Protected STED-Technologie erfolgreich abgeschlossen. „Abberior Instruments freut sich darüber, die Protected STED-Technologie in ihre STED-Mikroskope der nächsten Generation integrieren zu können”, sagte Gerald Donnert, Geschäftsführer von Abberior Instruments. „Das passt hervorragend zu unserer Strategie, unseren Kunden die fortschrittlichsten STED-Mikroskope für Life Cell Imaging anzubieten.”

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Abb. 2 oben: Protected STED-Mikroskopie ermöglicht Bilder mit bisher unerreichtem Kontrast und Dynamikumfang. Unten: Mit Protected STED-Technologie lässt sich auch die Photobleichung drastisch reduzieren.

Protected STED ist eine in der STED-Mikroskopie unlängst eingeführte Innovation, die sich photoaktivierbare Fluoreszenzmarker zunutze macht. Während der Bilderfassung werden die zunächst nichtfluoreszenten Marker in jeder Scan-Position photoaktiviert und dann mit STED abgebildet. Da die Markierungen außerhalb des aktuellen Scan-Punkts nichtfluoreszent bleiben und deshalb nicht zum Fluoreszenzuntergrund beitragen können, verbessert sich der Bildkontrast enorm. Darüber hinaus unterliegen die Marker keiner Photobleichung, da sie im nichtfluoreszenten Zustand weder Erregung noch STED-Licht absorbieren. Die Photobleichung konnte nachweislich um bis zu einer Größenordnung verringert werden, während sich der Bildkontrast gleichzeitig drastisch verbessert.

„Diese Innovation hebt die Qualität der STED-Mikroskopie auf eine neue Stufe. Die verbesserten Werte in den Bereichen Auflösung und Bildkontrast erweitern die Forschungsmöglichkeiten der Wissenschaftler und tragen zu neuen Entwicklungen in der medizinischen Forschung bei. Mit Abberior Instruments haben wir einen erfahrenen Partner in der Industrie gefunden, um dieser Innovation zum Erfolg im Markt zu verhelfen”, erläutert Bernd Ctortecka, Patent- und Lizenzmanager bei Max-Planck-Innovation.

Eine Lizenzvereinbarung im Bereich der Optogenetik mit der amerikanischen Firma Photoswitch Biosciences stellt die Basis für eine neue Plattform zur Suche und Testung neuer Kandidaten für Medikamente dar.

Mit lichtempfindlichen Channelrhodopsin-Proteinen können Wissenschaftler auf völlig neue Weise erforschen, wie die Kandidaten für ein neues Medikament auf kritische Funktionen von Herz- und Nervenzellen wirken. Die von Max-Planck-Wissenschaftlern entdeckten Proteine werden dabei in Versuchszellen eingebracht und mit einem Gerät der Firma Photoswitch Biosciences dazu genutzt, die Funktion anderer Ionenkanäle zu steuern. Die Überwachung winziger Spannungsänderungen in der Zelle erlaubt es den Wissenschaftlern, chemische Substanzdatenbanken nach neuen Wirkstoffen zu durchsuchen oder abzuschätzen, wie sicher neue Medikamente für den Einsatz am Menschen sind.

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Abb. 3: Das durch Licht angeregte Schlagen von Herzmuskelzellen im Laborversuch. Die Lichtblitze (blaue Linie) regen das Schlagen der Herzzellen und die elektrische Aktivität an, die mittels eines für elektrische Spannung empfindlichen Farbstoffs beobachtet werden kann.

Im Jahr 2002 haben Max-Planck-Wissenschaftler Channelrhodopsine erstmals aus Grünalgen des Typs Chlamydomonas reiinhardii isoliert und sowohl im Reagenzglas als auch im lebenden Organismus erfolgreich eingesetzt. Damit lässt sich eine Vielzahl kritischer bioelektrischer Systeme erfolgreich steuern und studieren. Nun entwickelt das Unternehmen Photoswitch Biosciences ein komplettes Testsystem für die Wirkstoffsuche und pharmakologische Sicherheitsstudien. Damit können sich die Forscher die Vorteile der auf Channelrhodopsin basierenden optischen Steuerung zunutze machen. Das System analysiert die Funktion von Nerven- und Herzzellen deutlich schneller und kostengünstiger als bisherige Methoden. Die neue Geräteplattform wurde zum Teil auf der Grundlage einer nicht-exklusiven Lizenzvereinbarung mit Max-Planck-Innovation entwickelt, um biologische Photorezeptoren zu nutzen, mit denen sich durch Licht aktivierbare Ionenkanäle direkt steuern lassen.

Ausgründungen

Im Jahr 2016 konnte Max-Planck-Innovation wieder zahlreiche Ausgründungsprojekte aus der Max-Planck-Gesellschaft in unterschiedlichen Phasen ihrer Unternehmensgründung von der Idee bis zur Sicherstellung einer ersten Finanzierung begleiten.

Die Firma Ambiverse GmbH ist eine von insgesamt 11 Neugründungen 2016. Sie wurde nach erfolgreicher Förderung im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers gegründet. Ambiverse, ein Ausgründungsprojekt des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken, hat eine neue Software zum maschinellen Verstehen von Texten entwickelt, das Unternehmen den Zugang zu mehr relevanten Informationen im Internet und besseren Zugriff auf Informationen in eigenen Datenbeständen eröffnet.

Eine weitere Neugründung ist die Cardior Pharmaceuticals GmbH, eine gemeinsame Ausgründung der Medizinischen Hochschule Hannover und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen. Die Firma arbeitet an der Entwicklung eines Medikaments zur Behandlung von Gewebeschädigungen nach einem Herzinfarkt. Die Technologie wurde bereits durch verschiedene präklinische Experimente validiert.

Die Vaxxilon AG wurde zum „Science Start-up des Jahres 2016” gekürt. Unter dem Motto „Brücken bauen, Grenzen überwinden” stellten sich am 8. November auf dem Start-up Wettbewerb Falling Walls Venture in Berlin 23 Start-Up Unternehmen vor. Das von Max-Planck-Innovation nominierte Unternehmen Vaxxilon ging als Gewinner hervor und wurde für die Entwicklung Kohlenhydrat-basierter Impstoffe als „Science Start-up of the year 2016” ausgezeichnet. Die neuartigen Wirkstoffe sollen Impfungen gegen bakterielle Infektionen in Zukunft kostengünstiger und hitzestabiler machen und so auch in ärmeren Ländern den Zugang zu Impfstoffen verbessern.

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Abb. 4: Tom Monroe (rechts), Geschäftsführer von Vaxxilon, mit Stefan von Holtzbrink, Vorsitzender der Jury, bei der Preisverleihung „Science Start-up of the year 2016”.

Falling Walls ist die internationale Konferenz zu bahnbrechenden Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft. Ein Highlight des Programms ist der Start-up Wettbewerb Falling Walls Venture. Mit dem Preis würdigt die Jury die technologische Innovation sowie die positiven sozialen Auswirkungen der Technologie von Vaxxilon. Die Basis dafür stellt eine neue Klasse vollsynthetischer Wirkstoffe dar, welche die Gruppe von Peter Seeberger am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm mit ihrer Forschung geschaffen hat.

Das Unternehmen Vaxxilon wurde 2015 von der Max-Planck-Gesellschaft gemeinsam mit der Schweizer Biotechfirma Actelion Ltd gegründet, um die Forschungen voranzutreiben, in Produkte zu überführen und zu vermarkten. Für ihre Kommerzialisierung hat Vaxxilon die exklusiven Rechte für verschiedene präklinische Impfstoffkandidaten und Methoden von der Max-Planck-Innovation GmbH erworben. Die ersten Studien am Menschen mit den neuen Impfstoffen plant Vaxxilon innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Förderung von Ausgründungen und Innovationsfähigkeit

Mit dem Programm „Enabling Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt Max-Planck-Innovation Institute dabei, ihre Innovationsfähigkeit kreativ zu analysieren und zu optimieren. So erfahren Institute und ihre Mitarbeiter im Rahmen eines Workshops, über welche Innovationskraft sie jetzt schon verfügen, identifizieren versteckte Innovationshindernisse und entwickeln effektivere Innovationstrategien, die es dem Institut erlauben, Innovationen effizient voranzutreiben. Mit dem Programm bietet sich dem Institut die Chance, seine Innovationsfähigkeit zuverlässig zu analysieren, einzuschätzen und zu optimieren. Die Teilnahme am Workshop wurde von den Wissenschaftlern der Institute im Jahr 2016 durchweg als positiv bezeichnet.

Zur Förderung von Ausgründungsvorhaben wurde am 01. März 2016 das neue Projekt „Expertise Meets Innovation“ (EMI) erfolgreich gestartet. Dieses Projekt basiert auf einer Fortführung der bereits im Juli 2015 ausgelaufenen BMBF-Förderinitiative „Good Practice zur Erleichterung von Ausgründungsvorhaben“. Die darin verankerte Methode „Industrie-Experte“, welche sich nach Auswertung der Good Practice Initiative als sehr effektive und wirkungsvolle Fördermaßnahme herausgestellt hat, findet nun innerhalb des Projekts EMI weiter Anwendung.

Der Einsatz von Industrie-Experten vermittelt dabei Wissenschaftlern in Gründungs- aber auch Lizenz- beziehungsweise Patentprojekten primär industriespezifisches Know-how und Expertise (z.B. Marktkenntnis, industriespezifische Qualitäts- und Entwicklungsstandards, etc.).

Während der Projektlaufzeit 2016 kamen bereits acht externe Expertinnen und Experten zum Einsatz, die damit bisher fünf Projekte erfolgreich unterstützen konnten.

Inkubatoren

Um Erfindungen, die unter anderem aus der Grundlagenforschung der Max-Planck-Institute stammen, industriekompatibel beziehungsweise gemäß den Anforderungen von Eigenkapitalinvestoren zu validieren und damit näher an die Industrie und den Markt heranzubringen, hat Max-Planck-Innovation verschiedene Inkubatoren ins Leben gerufen. Auch 2016 gab es bei diesen zahlreiche positive Entwicklungen.

Die von Max-Planck-Innovation im Jahr 2008 in Dortmund eingerichtete Lead Discovery Center GmbH (LDC) beschäftigt sich mit der pharmazeutischen Wirkstoffforschung und treibt Projekte, die aus der Forschung der Max-Planck-Gesellschaft und aus anderen Forschungseinrichtungen stammen, bis zur sogenannten Leitstruktur („Lead“) voran.

Seit 2016 kooperieren das LDC und Boehringer Ingelheim, um gemeinsam neue Ansätze zur Behandlung von Schizophrenie zu entwickeln. So haben die Lead Discovery Center GmbH, Max-Planck-Innovation und Boehringer Ingelheim International GmbH einen Vertrag unterzeichnet, mit dem Boehringer Ingelheim die Option erhält, eine neue Wirksubstanz zur Behandlung von Schizophrenie exklusiv zu lizenzieren, die derzeit am LDC entwickelt wird. Der neue Ansatz basiert auf wegweisenden Forschungsergebnissen von Moritz Rossner und seinem Team am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Er wird eng mit dem Team des LDC zusammenarbeiten, um neue, therapeutisch wirksame Substanzen zu identifizieren, zu optimieren und bis zum Stadium einer validierten Leitstruktur zu entwickeln, die in in-vivo Modellsystemen wirksam ist.

Darüber hinaus hat das LDC gemeinsam mit der UGISense AG eine Zusammenarbeit auf einer neuen Wirkstoffklasse gestartet. Die beiden Firmen werden zukünftig kooperieren, um innovative Wirkstoffe unter Einsatz der proprietären UgimerTM Antisense-Plattform zu entwickeln. Zusätzlich erwirbt das LDC im Rahmen einer ersten Finanzierungsrunde durch mehrere Privatinvestoren über insgesamt 1.2 Millionen Euro eine Minderheitsbeteiligung an der UGISense AG. Ziel der Partnerschaft ist es, das Potenzial der innovativen Ugimer Antisense-Plattform mit der Drug Discovery Expertise sowie dem Target-Know-how des LDCs zu kombinieren, um so die Synergie-Effekte voll auszuschöpfen und erfolgreiche Projekte gemeinsam zu kommerzialisieren.

Im Rahmen des ersten Förderprojekts des Kanada/Deutschland-Förderprogramms (basierend auf einer Kooperation des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und dem CQDM Konsortium in Kanada) erhält das LDC und die kanadische McGill University in Montréal eine Million Dollar Förderung für die gemeinsame Wirkstoffforschung. Gemeinsam wollen die Teams der beiden Einrichtungen eine neue Technologieplattform entwickeln, um Wirkstoffe gegen Krankheiten zu identifizieren, die mit einem fehlerhaften Transport und einer Fehlfaltung von Proteinen in Verbindung stehen. Die Zusammenarbeit wird über drei Jahre gefördert.

Ferner hat das LDC eine Industriepartnerschaft zur Erforschung innovativer Medikamente mit Roche abgeschlossen. Der Fokus liegt dabei auf Krankheitsgebieten mit einem dringenden medizinischen Bedarf. Die Projektideen können sowohl von akademischen Partnern des LDC stammen, zu denen führende Universitäten und Institute der Max-Planck- und Helmholtz-Gemeinschaft gehören, als auch aus dem Innovationsnetzwerk von Roche. Die Partner werden eng zusammenarbeiten, um die Wirkstoffprojekte vom Ideenstadium – etwa einer neuen Zielstruktur – bis hin zur Identifikation eines präklinischen Kandidaten voranzubringen. Das LDC wird dabei für Roche eine Inkubatorfunktion einnehmen und frühe Ansätze im Bereich niedermolekulare Substanzen in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen akademischen Erfindern und ihren Instituten vorantreiben. Die Kooperation ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt.

Die Life Science Inkubator GmbH (LSI), die seit 2009 in Bonn und seit 2013 in Dresden operativ tätig ist, nimmt vielversprechende Ausgründungsprojekte aus den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik in die Inkubation auf, um diese in ein finanzierungsfähiges Stadium zu bringen.

Im Jahr 2016 befanden sich folgende Projekte in der Inkubation:

Die Projektgruppe EPN entwickelt Protein-Nanopartikel, die einen zielgerichteten und nebenwirkungsarmen Transport von Wirkstoffen erlauben. EPN befindet sich derzeit im LSI-Transfer.

Zielstellung des Projekts InfanDx ist die Markteinführung eines Testsystems zur rechtzeitigen Diagnose eines Sauerstoffmangels bei Neugeborenen. Damit kann der behandelnde Arzt erstmals eindeutig die Kinder identifizieren, die mithilfe der Hypothermie behandelt werden können.

Mithilfe einer bei VesselSens in Entwicklung befindlichen Sensortechnologie soll ohne invasiven Eingriff die Detektion erneuter Gefäßverengungen in einem Stent (Restenose) durchführbar werden. Damit wird nicht nur das Risiko für den Patienten minimiert, sondern auch die Zahl notwendiger operativer Eingriffe reduziert.

Die Projektgruppe NanoscopiX entwickelt spezielle Kühlkammern für die fluoreszenzmikroskopische und spektroskopische Analytik bei Tiefsttemperaturen bis minus 263 Grad Celsius.

Das Team von ProDetekt entwickelt moderne Biomarker-Assays für die biomedizinische Forschung und medizinische In-Vitro-Diagnostik, insbesondere die hochsensitive und ultraschnelle Detektion von Targetproteinen sowie die frühzeitige und sichere Diagnose ausgewählter Erkrankungen.

Folgende Unternehmen konnten nach erfolgreicher Inkubation bereits ausgegründet werden:

Das von der Gruppe VLP − jetzt Neuway Pharma GmbH − entwickelte Drug Delivery-System basiert auf künstlich hergestellten Proteinhüllen, die sich gezielt mit Wirkstoffen beladen lassen. Die Proteine der Kapsel haben die Funktion eines GPS-Systems: Sie finden die Zielzellen und liefern dort ihre Wirkstoffe ab. Mit Wellington Partners konnte ein namhafter Investor nicht nur für die Start- und Folgefinanzierung, sondern auch für die aktive Unternehmensentwicklung gewonnen werden. 

Die Bomedus GmbH setzt die in der Inkubation am LSI entwickelte Small SFMS®-Technologie inzwischen erfolgreich in einer Reihe von Produkten ein. Small Fiber Matrix Stimulation® verändert das Schmerzgedächtnis und reduziert akute und chronische Schmerzen dauerhaft. So werden etwa Knieschmerzen bei Gonarthrose und Meniskusverletzungen deutlich gelindert.

Die EpiVios GmbH entwickelte am LSI einen Biomarker zur zuverlässigen Früherkennung eines Prostatakarzinoms.

In Göttingen wurde im Jahr 2014 die Photonik Inkubator GmbH gegründet. Der Photonik Inkubator bietet Unternehmensgründern mit zukunftsträchtigen Ideen das bestmögliche Umfeld für deren Umsetzung. Innovative Forschungsvorhaben aus den Bereichen Photonik/Optische Technologien und Plasma reifen hier zu einem marktfähigen Produkt.

Im Jahr 2016 waren drei Projekte in der Inkubation:

FiberLab: Das Team entwickelt eine Glasfaser, mit der gleichzeitig die Temperatur und Dehnung, aber auch die Formmessung im dreidimensionalen Raum sowie der Brechungsindex von umgebenden Flüssigkeiten erfasst werden kann. Mit einem Durchmesser von weniger als einem Viertel Millimeter hat die Faser insbesondere im Mikrobereich − etwa in Gehirnkathetern − entscheidende Vorteile. Zudem sind die Sensoren unabhängig von elektrischen und magnetischen Einflüssen und durch die hohe Temperaturbeständigkeit auch sterilisierbar. Das Projekt wurde im Dezember 2016 erfolgreich zum Abschluss gebracht, die Ausgründung wird vorbereitet.

SUPERLIGHT Photonics überführt mikro- und nano-LED-Technologien auf der Basis von Galliumnitrid in Produkte für die Sensorik, Analytik sowie Prozesstechnologie. Das Hauptprodukt für den geplanten Startup stellt eine nur wenige Millimeter große, Fluoreszenz-anregende MikroLED-Plattform dar. Diese wird durch eine hohe örtliche, aber auch zeitliche Auflösung vollkommen neue Möglichkeiten eröffnen, vor allem für die Medizin- und Biotechnik beziehungsweise die Biophotonik. Die intelligent gesteuerte, strukturierte Beleuchtung wird aber auch weitere Bereiche, zum Beispiel in der Gasanalytik, Point-of-Care-Diagnostik und Materialanalyse, erschließen können.

Patientensicherheit 4.0: In der Intensivmedizin kommt es immer wieder zu Zwischenfällen durch die fehlerhafte Vergabe von Medikationen. Die Vermeidung solcher Fehler auf der Basis der instrumentellen Analytik ist ein besonderes Anliegen. Innerhalb des Projekts soll ein Analyseautomat für die Überwachung von Langzeitinfusionen, verabreicht durch Perfusor-Spritzenpumpen auf Intensivstationen, entwickelt werden, der das medizinische Personal bei seiner Arbeit unterstützt. Der Analyseautomat soll als ein intensivmedizinischer Baustein dienen, um die  Richtigkeit der Medikation zu überprüfen und bereits bestehende Systeme zur Verbesserung des Qualitätsmanagements zu unterstützen.

Im März 2015 wurde die IT Inkubator GmbH in Saarbrücken offiziell eröffnet. Ideen und Erfindungen, die aus Forschungsprojekten der Saarbrücker Informatik und der Max-Planck-Gesellschaft heraus entstehen, sollen künftig auf dem Universitätscampus weiterentwickelt und dann für die Anwendung vermarktet werden.

Im Jahr 2016 waren folgende Projekte am IT Inkubator angesiedelt:

Uvibo ist ein neuer Ansatz aus dem Bereich des maschinellen Lernens zur Darstellung dynamischer Inhalte im Web, die intuitive User-Interaktionen ermöglicht. Uvibo erkennt und lernt die Vorlieben von Nutzern und passt sich an deren individuelle Interessen an. So werden dem Nutzer Inhalte vorgeschlagen, die ihn/sie interessieren. Ziel ist es, das Verlassen von Webseiten zu verhindern.

HDR Everywhere ist eine neue Technologie, die ihren Kunden eine einfach zu handhabende Möglichkeit zur Verfügung stellt, hochwertige HDR (High Dynamic Range)-Bilder mit bewegten Objekten zu erstellen. Hochkontrastreiche Bilder, die große Helligkeitsunterschiede wiedergeben, erfordern bislang die Anwendung spezieller Software und nehmen viel Zeit Anspruch. Gerade bei der Aufnahme von Bildern mit Personen, die sich bewegen, entstehen oft unerwünschte Artefakte. Die neue Technologie schafft hier Abhilfe.

Innerhalb des Projekts K|Lens wurde durch die Entwicklung eines ersten Prototypen für den photographischen Markt die Grundlage für den Aufbau eines neuen Hightechunternehmens gelegt. Die Entwicklung besteht aus einer optomechanischen Komponente und der dazugehörigen Software und basiert auf einer am Max-Planck-Institut für Informatik und an der Universität des Saarlands erforschten und patentierten optischen Technologie. Das fertige Produkt wertet die Funktionalitäten von heutigen photografischen Kameras mit Wechselobjektiven durch die Einführung von 3-Dimensionalität erheblich auf.

Die neue Reiseplattform TripAround ist Shareconomy für Rundreiseerfahrungen. Die Plattform verkürzt die Vorbereitungszeit von Rundreisen, indem sie nutzergenerierte multimediabelegte Tourberichte und Paketrundreisen nach persönlichen Präferenzen durchsuch- und buchbar macht. Durch die automatische Anordnung von Multimediadaten auf einer Landkarte wird die Visualisierung von Reiseerfahrungen konkret, zeiteffizient und zur Inspiration für andere.

Veranstaltungen

Max-Planck-Innovation organisiert jedes Jahr mit verschiedenen Partnern eine Reihe von Veranstaltungen. Diese sollen dazu beitragen, die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und den Transfer von Forschungsergebnissen in Produkte zu fördern.

Im Jahr 2016 fanden die vierten Start-up Days statt. Die Seminarreihe wurde unter der Federführung von Max-Planck-Innovation GmbH gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Leibniz-Gemeinschaft veranstaltet und war mit rund 100 Teilnehmern gut besucht. Die Veranstaltung, die sich gezielt an gründungsinteressierte Wissenschaftler/innen aus den vier außeruniversitären Forschungseinrichtungen richtet, vermittelt mit Vorträgen, interaktiven Workshops sowie Erfahrungsberichten erfolgreicher Unternehmer praxisrelevante Informationen und branchenübergreifende Erfahrungen zu gründungs- und finanzierungsrelevanten Themen. Darüber hinaus eröffneten die Start-up Days den gründungsinteressierten Wissenschaftler/innen die Möglichkeit eines intensiven Austauschs, auch über die Forschungseinrichtungen hinweg.

Der zehnte Biotech NetWorkshop, zu dem Max-Planck-Innovation GmbH gemeinsam mit der Ascenion GmbH eingeladen hat, fand 2016 unter der Federführung von Max-Planck-Innovation auf Schloss Ringberg am Tegernsee statt. Der Workshop richtet sich an gründungsinteressierte Wissenschaftler/innen sowie bereits ausgegründete Unternehmen im Life Science-Bereich aus der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz- oder Leibniz-Gemeinschaft und der medizinischen Hochschule Hannover.

In den letzten zehn Jahren haben mehr als 130 herausragende und erfahrene Top-Referenten aus der Life Science-Branche zu unterschiedlichen Fachthemen Vorträge gehalten. Wesentlicher Erfolgsfaktor sind darüber hinaus Quer-Impulse von Rednern wie zum Beispiel Pater Anselm Bilgri, dem Weltschiedsrichter Markus Merk, dem Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel bis hin zum früheren Bundesminister Heiner Geißler. Das Programm wird umrahmt von ganz gezielten Networking-Elementen, so dass sich die Veranstaltung in den letzten zehn Jahren ausgesprochen gut etabliert hat und regelmäßig ausgebucht ist.      

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2016 wurden der Max-Planck-Innovation 121 Erfindungen gemeldet (2015: 139) und 79 Verwertungsverträge (inkl. Vereinbarungen zu Gemeinschaftserfindungen/TT- Vereinbarungen) abgeschlossen (2015: 71). Die Verwertungserlöse betragen voraussichtlich 21,6 Millionen Euro (2015: 23,8). Zu diesem Erlös trugen Resterlöszahlungen von rund 1,8 Millionen Euro bei (2015: 1,3 Millionen Euro), die aus einem Unternehmensverkauf von 2015 resultieren. Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 liegen aufgrund der nachgelagerten Abrechnung verschiedener Lizenznehmer erst ab Mitte 2017 vor.

Im Jahr 2016 gingen im Gründungsbereich elf Ausgründungen aus unterschiedlichen Max-Planck-Instituten hervor, die von Max-Planck-Innovation betreut wurden. Es konnten zwei Neubeteiligungen sowie eine wirtschaftliche MI-Erlösbeteiligung noch im Jahr 2016 abgeschlossen werden. Mehrere Neubeteiligungen oder wirtschaftliche Erlösbeteiligungen befinden sich in unterschiedlich weit fortgeschrittenen Verhandlungsstadien. Drei Ausgründungsprojekte konnten für ihre Vorgründungsphase Fördermittel von insgesamt mehreren Millionen Euro aus Go-Bio, dem M4 Award sowie einem EU-Programm zur Technologievalidierung und Gründungsvorbereitung einwerben. Zudem konnte eine Ausgründung mit einer Auftragsfinanzierung starten. Eine weitere Ausgründung mit MPG-Beteiligung konnte eine Serie B-Finanzierung abschließen. Leider musste eine Firma mit MPG-Beteiligung 2016 Insolvenz anmelden. Das Gesamt-Portfolio der MPG besteht somit zum 31.12.2016 aus 16 aktiven MPG-Beteiligungen, davon eine wirtschaftliche Erlösbeteiligung.

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