Zwei Leibniz-Preise für die Max-Planck-Gesellschaft

Nicole Dubilier und Armin von Bogdandy werden mit dem wichtigsten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet

6. Dezember 2013

Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 5. Dezember in Bonn vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2014 zuerkannt. Sie waren zuvor aus 129 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den elf Ausgezeichneten kommen zwei aus Max-Planck-Instituten: Nicole Dubilier vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen und Armin von Bogdandy vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.

Nicole Dubilier und Armin von Bogdandy erhalten je ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können sie bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden – eine außergewöhnliche Flexibilität.

Angesehene Meeresforscherin

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Nicole Dubilier: ausgezeichnete Meeresforscherin

Nicole Dubilier (56) ist eine international hoch angesehene, marine Mikrobiologin. Ihr besonderes Interesse gilt Symbiosen im Meer, vor allem den ökologischen und evolutionären Anpassungen zwischen Bakterien und wirbellosen, marinen Lebewesen. Ihre Forschungsobjekte findet sie auf Schiffsexpeditionen in den Hydrothermalquellen der Tiefsee, aber auch in leichter zugänglichen Seegraswiesen und in sulfidreichen Küstensedimenten. Allen diesen Habitaten gemeinsam ist die geringe Verfügbarkeit von Energie- und Nährstoffen, weshalb die Wirtsorganismen auf organische Kohlenstoffverbindungen angewiesen sind, die von ihren bakteriellen Symbionten durch Chemosynthese produziert werden. "Mein Ziel ist es, mit Hilfe des Preisgeldes zu zeigen, wie wichtig Symbiosen für die Weltmeere sind", so die Wissenschaftlerin. "Sie spielen eine Schlüsselrolle für die Biodiversität und Ökologie unserer Ozeane, besonders dort, wo es knappe Ressourcen gibt, wie zum Beispiel in der Tiefsee.“

Im darmlosen Wurm Olavius algarvensis konnte Nicole Dubilier hier eine besonders komplexe Vergesellschaftung mit gleich zwei Klassen bakterieller Partner aufklären. Dabei nutzen die primären Symbionten das von den sekundären Symbionten durch die Reduktion von Sulfat hergestellte Sulfid als Energiequelle, um den lebensnotwendigen Kohlenstoff zu fixieren. Mit diesen und anderen Arbeiten – etwa zu Muscheln, denen die Symbiose mit schwefel- und methanoxidierenden Bakterien eine hohe Produktivität ermöglicht – hat Dubilier neue Einblicke eröffnet in die Abhängigkeiten symbiotischer Lebewesen und in die Energiegewinnung von Lebewesen im Meerwasser.

Nach dem Studium und der Promotion in Biologie forschte Nicole Dubilier ab 1992 zunächst als Postdoc in Harvard, danach am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen und als Gastprofessorin in Paris. Seit Oktober 2013 ist sie Direktorin am Bremer Max-Planck-Institut, bereits seit 2012 auch Professorin im Fachbereich Biologie/Chemie der Universität Bremen. 2013 erhielt sie einen ERC Advanced Grant. Über ihre Forschungstätigkeit hinaus bringt sie durch begeisternde Vorträge der Öffentlichkeit die globale Bedeutung mariner Symbiosen näher.

Polyglotter Staats-, Europa- und Völkerrechtler

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Armin von Bogdandy beeinflusst häufig aktuelle, politische und rechtliche Diskussionen zum Thema Europa

Armin von Bogdandy ist einer der renommiertesten deutschen Staats-, Europa- und Völkerrechtler, dessen wissenschaftliches Werk vor allem durch die Breite, Tiefe und Vielfalt der Forschungsinteressen und Arbeitsgebiete herausragt. In seinen zahlreichen Schriften befasste sich der juristisch wie philosophisch umfassend gebildete und polyglott begabte Wissenschaftler unter anderem mit der Rolle der Exekutive im europäischen Rechtsetzungsprozess, der Rechtsnatur der Europäischen Union und der Supranationalisierung der nationalstaatlichen Rechtsordnung.

Das von Bogdandy herausgegebene Werk über das „Europäische Verfassungsrecht" und die von ihm gemeinsam mit Spitzenforschern aus ganz Europa verfassten rechtsvergleichenden Studien zum „Ius Publicum Europaeum" sind Standardwerke. Bogdandys Forscherblick gilt jedoch nicht nur dem positiven Recht; er fragt ebenso nach dessen philosophischen und historischen Grundlagen und nicht weniger nach politischen und sozialen Implikationen. Seine Auseinandersetzung mit zentralen Begriffen wie Verfassung, Demokratie, Legitimität oder Öffentlichkeit beeinflussen so immer wieder aktuelle, politische und rechtliche Diskussionen zum Thema Europa.

Armin von Bogdandy (53) absolvierte eine volle juristische Ausbildung sowie ein Philosophie-Studium in Freiburg und Berlin. Nach der juristischen Promotion 1988 und Forschungsaufenthalten in Paris, Rom, Florenz und Warwick habilitierte er sich 1996 an der Freien Universität Berlin. Seine erste Professur hatte der Rechtswissenschaftler an der Universität Frankfurt/Main inne. Seit 2002 ist Armin von Bogdandy Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Daneben ist er seit 2001 Richter und seit 2006 Präsident am Kernenergiegericht der OECD in Paris.

Schwere Auswahl

„Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft wird für im besten Sinne erstklassige Forschung vergeben. Und so wie diejenigen der zurückliegenden Jahre stehen auch die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2014 für herausragende Leistungen auf höchst verschiedenen Gebieten der erkenntnisgeleiteten Forschung", sagte DFG-Präsident Peter Strohschneider. Die Auswahl der ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sei wegen zahlreicher außerordentlich überzeugender Nominierungsvorschläge nicht leicht gefallen. „Wir hätten auch in diesem Jahr bei höchsten Maßstäben unschwer mehr als die Höchstzahl von zehn Preisen vergeben können."

DFG/BA

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