Michelle Monje und Harald Sontheimer erhalten  Internationalen Preis für Translationale Neurowissenschaften 2025

Die beiden Forschenden gelten als Pioniere des neuen Forschungsfeldes Krebs-Neurowissenschaften

30. Juni 2025

Auf den Punkt gebracht

  • Forschungsergebnisse: Monje und Sontheimer haben entdeckt, dass Gliome in die Nervenzellnetzwerke des Gehirns integriert sind und dass die Aktivität der Nervenzellen das Wachstum der Tumore fördert. Sie haben darüber hinaus Mechanismen identifiziert, durch die Hirntumore die neuronale Erregbarkeit erhöhen und sich so vor Therapien schützen können.
  • Neue Behandlungsansätze: Ihre Arbeiten eröffnen neue Möglichkeiten für Behandlungen, die gezielt auf die neuronale Umgebung von Tumoren abzielen.
  • Preisdetails: Der mit 60.000 Euro dotierte Preis wird am 3. Juli 2025 in Hamburg verliehen.

Michelle Monje zeigte als Erste dass neuronale Aktivität einen entscheidenden Einfluss auf das Wachstum von Gliomen hat. Gliomzellen sind in neuronale Netzwerke eingebunden und reagieren auf deren elektrische Aktivität. Sie hat herausgefunden, dass Gliomzellen selbst Synapsen mit Nervenzellen bilden und in neuronale Netzwerke integriert sind. Die Zellen nutzen die elektrische Aktivität, um sich auszubreiten, ihre Empfindlichkeit gegenüber Therapien zu verändern und sich vor chemotherapeutischen Angriffen zu schützen. Monjes Arbeit belegt, dass Tumorzellen sowohl auf synaptische als auch auf parakrine Signale reagieren, die Hirntumore zur Vermehrung und zum Wachstum anregen. Ihre Erkenntnisse eröffnen neue Wege für Behandlungsstrategien bei Hirntumoren.

Harald Sontheimer hat als Erster nervenähnliche Ionenkanäle in Gehirntumoren nachgewiesen und diesen eine entscheidende Rolle in der Krebsbiologie zugewiesen. Gliomzellen verwenden diese Kanäle, um sich im Hirn auszubreiten. Darüber hinaus zeigte er, dass Gliomzellen Neurotransmitter freisetzen. Diese können zu epileptischen Anfällen führen und gleichzeitig das Wachstum des Tumors anregen. Seine Pionierarbeit hat mehrere Mechanismen aufgedeckt, durch die Gliome die neuronale Erregbarkeit erhöhen. Diese waren Grundlage mehrerer klinischen Studien. Die von Sontheimer entdeckte Erhöhung der neuronalen Aktivität verstärkt die von Monje identifizierten wachstumsfördernden Effekte von Nervenzellen auf Gliome.

Die Arbeiten von Monje und Sontheimer haben unser Verständnis von Hirntumoren grundlegend verändert. Sie zeigen, dass Gliome keine isolierte Zellwucherungen sind, sondern aktive Komponenten neuronaler Netzwerke, mit denen sie wechselwirken.

Über die Preisträger

Michelle Monje erwarb ihren M.D. und Ph.D. in Neurowissenschaften an der Stanford University und absolvierte ihre Facharztausbildung in Neurologie im Rahmen des Partners-Programms des Massachusetts General Hospital/Brigham and Women's Hospital/Harvard Medical School. Anschließend kehrte sie nach Stanford zurück, um eine klinische Facharztausbildung in pädiatrischer Neuroonkologie zu absolvieren. Heute ist sie Professorin für Neurologie und Forscherin am Howard Hughes Medical Institute in Stanford. Michelle Monje hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den NIH Director's Pioneer Award, ein MacArthur-Stipendium, den Richard Lounsbery Award der National Academy of Sciences und den Brain Prize. Sie ist außerdem Mitglied der U.S. National Academy of Medicine und der National Academy of Sciences.

Harald Sontheimer promovierte an der Universität Heidelberg und absolvierte seine Postdoc-Ausbildung an der Yale University. Er hatte anschließend Lehrstühle an der University of Alabama in Birmingham und der Virginia Polytechnic University inne. Im Jahre 2015 gründete er die erste „Schule für Neuroscience“ die nun über 1000 Studenten jährlich ausbildet. Seit 2021 ist er Abteilungsleiter der Neurowissenschaftlichen Abteilung an der Medizinischen University von Virginia. Sontheimer ist Mitbegründer mehrerer Biotech-Unternehmen, die Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft in die klinische Praxis übertragen.

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