So faszinierend kann Forschung sein

Mit einer elektronenmikroskopischen Aufnahme von zwei Tage alten Zebrafischlarven haben Mitarbeiter des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie den Fotowettbewerb "Bilder der Forschung 2009" gewonnen

Für ihren ersten Platz in der Kategorie "Faszination Forschung" erhielten Jürgen Berger und Mahendra Sonawane nach Angaben der Veranstalter 5.000 Euro. Zebrafische und ihre Larven können zum Beispiel bei der Erforschung von Sinneszellen helfen.

Der Zebrafisch ist ein beliebter Modellorganismus in der Entwicklungsbiologie. Innerhalb von drei Monaten wächst er von einer befruchteten Eizelle zu einem geschlechtsreifen Tier heran. Die dargestellten Larven sind zwei Tage alt. Man kann bereits gut die Mundöffnung erkennen. Bei den großen seitlichen Auswölbungen handelt es sich um die Augen. Zwischen ihnen befinden sich mit Wimpern umrandete Einstülpungen: Die zukünftigen Nasenlöcher.

Seit vielen Jahren arbeitet Jürgen Berger als physikalisch- technischer Assistent im elektronenmikroskopischen Labor des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Mithilfe des Rasterelektronenmikroskops versucht er, kleine und kleinste Objekte wie Organismen und Einzelzellen möglichst lebensnah darzustellen. Seine Bilder wurden auf mehr als fünfzig Titelseiten von Zeitschriften und in vielen Büchern gezeigt. Im Jahr 1999 gewann er bereits den Fotowettbewerb der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft", 2005 den 1. Platz bei "Bilder der Forschung" in der Kategorie "Faszination Forschung".

Mahendra Sonawane, 1971 in Indien geboren, arbeitet als Entwicklungsbiologe am Max-Planck Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen und am Tata Institut für Grundlagenforschung in Mumbai, Indien. Seit 2001 erforscht er anhand von Zebrafischen, wie die Haut ihre Struktur erhält, ein wichtiger Prozess für die Schutzfunktion der Haut.

Larven aus der Mikrowelt

Der Zebrafisch (Danio rerio) ist ein beliebter Modellorganismus in der Entwicklungsbiologie. Innerhalb von drei Monaten wächst er von einer befruchteten Eizelle zu einem geschlechtsreifen Tier heran. Das Foto zeigt zwei Tage alte Larven. Die Mundöffnung ist bereits gut zu erkennen. Doch was auf den ersten Blick wie Augen aussieht, sind mit Wimpern umrandete Einstülpungen: die zukünftigen Riechorgane. Die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie untersuchen an Zebrafisch-Embryonen die Entwicklung von Geweben und Organen. Beim linken der hier gezeigten Embryonen führt ein genetischer Defekt zu Problemen bei der Entwicklung der Haut.

Die Gottesanbeterin tarnt sich als Blatt oder Zweig. Sie ist jederzeit bereit, dem Opfer blitzschnell die hakenbewehrten Fangarme entgegen zu schleudern. Sobald die Räuberin aber selbst in Gefahr gerät, nimmt Rhombodera basalis eine Drohposition ein: Frontal präsentiert sie ihre prächtigen Farben, spreizt die Glieder und verwirrt ihre Feinde. Rhombodera basalis wird bis zu 10 cm groß. Sie ist in Malaysia heimisch.

Auch den zweiten Preis teilen sich zwei Max-Planck-Wissenschaftler

Igor Siwanowicz, der am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried arbeitet, überzeugte die Jury mit einem technisch und perfekt in Szene gesetzten Bild einer Gottesanbeterin: Sobald die Räuberin in Gefahr gerät, nimmt Rhombera basalis eine Drohposition ein. Frontal präsentiert sie ihre prächtigen Farben, spreizt die Glieder und verwirrt ihre Feinde. Sie ist jederzeit bereit, dem Opfer blitzschnell die hakenbewehrten Fangarme entgegenzuschleudern. Für die Aufnahme erhielt Siwanowicz, der 1976 in Krakau geboren wurde, den zweiten Preis in der Kategorie "Faszination Forschung" und den "Publikumspreis", der jedes Jahr von FOCUS-Online-Usern ermittelt wird.

Was aussieht wie eine mikroskopisch kleine Blüte ist tatsächlich das menschlichen Immunsystem in Aktion: Die kolorierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme zeigt ein (durch das Verfahren hier rot gefärbtes) weißes Blutkörperchen. Die gelben Tuberkulosebakterien werden von der Zellmembran der Fresszelle umschlossen, ins Innere gezogen und dort unschädlich gemacht.

Den zweiten Preis teilt sich der Wissenschaftler mit Volker Brinkmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Sein prämiertes Bild zeigt eine kolorierte, rasterelektronische Aufnahme eines weißen Blutkörperchens (rot gefärbt), das gerade Tuberkulosebakterien (grün gefärbt) "frisst". Die Bakterien werden dabei von der Zellmembran der Fresszelle umschlossen, ins Innere gezogen und dort unschädlich gemacht.

Mit dem Fotowettbewerb zeichnen das Nachrichtenmagazin "Focus" und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen jetzt im fünften Jahr Fotografen aus, die auf spektakuläre, originelle und anschauliche Weise die Faszination von Wissenschaft dokumentieren. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 20 000 Euro dotiert. Dieses Jahr haben 104 Fotografen mit mehr als 1.400 Bildern teilgenommen.

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