FOXI3-Gen beeinflusst die Höckerbildung der Backenzähne

Die Zähne von Nackthunden geben Forschern Hinweise über die Entwicklung und Evolution von Säugetierzähnen

Nackthunde unterscheiden sich von anderen Hunden nicht nur durch das fehlende Fell, sondern auch hinsichtlich der Anzahl und Beschaffenheit ihrer Zähne. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben die Schädel und Zähne von haarlosen Rassehunden aus der Sammlung des Phyletischen Museums der Universität Jena untersucht und belegt, dass das Gen FOXI3 an der Entwicklung der Zähne beteiligt ist – nicht nur bei Nackthunden, sondern möglicherweise auch bei anderen Säugetieren, inklusive des Menschen.

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Original 1508158703
Historisches Foto der Museumsvitrine mit Dermoplastiken aus der Nackthundstudie. Die Gründergeneration, bestehend aus einem weiblichen behaarten (links) und einem männlichen haarlosen (rechts) Hund, ist im obersten Fach zu sehen. Die F1 und F2 Generationen befinden sich jeweils im zweiten und dritten Fach von oben
Historisches Foto der Museumsvitrine mit Dermoplastiken aus der Nackthundstudie. Die Gründergeneration, bestehend aus einem weiblichen behaarten (links) und einem männlichen haarlosen (rechts) Hund, ist im obersten Fach zu sehen. Die F1 und F2 Generationen befinden sich jeweils im zweiten und dritten Fach von oben

Nackthunde wie der Chinesische Schopfhund oder der Mexikanische Nackthund gehören zu den ältesten Hunderassen weltweit und sind bereits den großen Naturforschern Carl von Linné und Charles Darwin aufgefallen. Auslöser für das diesen Rassen fehlende Haarkleid ist eine Mutation des Forkhead Box I3-Gens (FOXI3), das zu einer Genfamilie für Transkriptionsfaktoren gehört und auch an der Entwicklung der Zähne beteiligt ist.

Ein Team um Kornelius Kupczik vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität hat nun anhand einer historischen Schädelsammlung von nachweislich nackten und behaarten Hunden herausgefunden, dass bei den haarlosen Tieren nahezu alle Ersatzzähne (d.h. Schneide- und Eckzähne sowie vordere Backenzähne) fehlten, die Molaren (Zuwachszähne) aber vorhanden waren. Auffällig war auch, dass auf den Milchprämolaren und Molaren der Nackthunde bestimmte zungenseitige Zahnhöcker nicht ausgebildet waren. Die Forscher wiesen zudem an DNA-Proben dieser über 100 Jahre alten Hundeschädel aus der Sammlung des Phyletischen Museums in Jena nach, dass dieser morphologische Befund mit einer Mutation des FOXI3-Gens einhergeht.

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Original 1508158704
Backenzähne im Unterkiefer (a) eines behaarten Hundes und (b) eines Nackthundes. Die in der Abbildung mit (m), (e) und (hy) bezeichneten Höcker sind bei behaarten Hunden vorhanden, fehlen aber beim Nackthund.
Backenzähne im Unterkiefer (a) eines behaarten Hundes und (b) eines Nackthundes. Die in der Abbildung mit (m), (e) und (hy) bezeichneten Höcker sind bei behaarten Hunden vorhanden, fehlen aber beim Nackthund.

Die noch erhaltenen originalen Schädel und Dermoplastiken von Nackthunden gehen auf den früheren Direktor des Phyletischen Museums Ludwig Plate zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts ein Kreuzungsexperiment zwischen haarlosen und behaarten Hunden unternommen und darüber einen Aufsatz „Über Nackthunde und Kreuzungen von Ceylon-Nackthund und Dackel“ schrieb. Dabei stellte er fest, dass den haarlosen Individuen ein Teil der Bezahnung fehlte. „Welchen immensen Wert wissenschaftliche Sammlungen für die Forschung haben, konnten wir mit unserer Studie eindrucksvoll zeigen“, sagt Fischer.

Interessanterweise besitzen auch einige wildlebende Vertreter der Hundeartigen ähnliche Molaren wie die Nackthunde. Auch die Molaren des Menschen und der Menschenaffen weisen eine variable Ausbildung der zungenseitigen Zahnhöcker auf. Die Leipziger und Jenaer Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass FOXI3 eventuell eine größere Bedeutung in der Entwicklung der Zähne der Säugetiere zugemessen werden sollte. „Es ist gut möglich, dass dieses Gen auch bei evolutiven Veränderungen der Zahnmorphologie des Menschen eine Rolle gespielt haben könnte“, sagt Kupczik.

KK/HR

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