Ein Diplomat mit viel Energie

Max-Planck-Gesellschaft ehrt Reinhard Jahn mit dem Communitas-Preis

1. März 2016

Mit Reinhard Jahn bekommt ein Direktor den Communitas-Preis der Max-Planck-Gesellschaft, der immer wieder Strukturverbesserungen für die Wissenschaft durchsetzt, vor allem in der Nachwuchsförderung.

Präsident Martin Stratmann (links) zeichnete Reinhard Jahn mit dem Communitas-Preis der MPG aus. Jahn ist Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und setzt sich vor allem für Karriereförderung von Nachwuchswissenschaftlern ein.

Er bringt Dinge in Bewegung. Unaufgeregt, aber beharrlich, bis sich etwas verändert. Woher der Göttinger Neurobiologe vom MPI für biophysikalische Chemie dabei die Energie nimmt, ist vielen ein Rätsel. Reinhard Jahn gleiche einem Perpetuum mobile, das seit 1997 unermüdlich für die MPG im Einsatz sei, wie Max-Planck-Präsident Martin Stratmann bei der Preisverleihung vor dem Wissenschaftlichen Rat erklärte. Und das mit Erfolg und Impact. Dabei agiere er stets als empathischer, aber nicht lärmender Netzwerker.

Als Jahn von Yale aus nach Göttingen berufen wurde, galt sein Augenmerk zunächst den Verhältnissen vor Ort: „Es gab wenig Austausch mit der benachbarten Universität und es war schwer, gute Doktoranden zu bekommen“, erinnert er sich. Doch in seinem Forschungspartner an der Uni – Kurt von Figura, der spätere Universitätspräsident – hatte er einen Counterpart, der ebenfalls gewillt war, Barrieren beiseite zu räumen. So mündete der Aufbau zweier Doktorandenprogramme, bei dem ihn außerdem Erwin Neher unterstützte, in die erste International Max Planck Research School, die im Jahr 2000 an den Start ging. Sie ist ein preisgekröntes Modell strukturierter Graduiertenausbildung vom Master bis zur Promotion, ebenso wie die daraus von Jahn mitentwickelte Graduiertenschule GGNB. Sie verkörpert die vorbildliche und effiziente Zusammenarbeit zwischen MPG und Universität und hatte 2012 maßgeblichen Anteil an Göttingens Erfolg als Exzellenzuni. Vier Fakultäten der Universität, drei Max-Planck-Institute und ein Leibniz-Institut unterhalten darin zwölf Doktorandenprogramme.

Seit 2013 fokussiert sich Reinhard Jahn – zunächst noch auf Wunsch von Stratmanns Vorgänger Peter Gruss – auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der gesamten MPG. Das koste bisweilen Kraft, verriet der 65-Jährige, schließlich müsse man Gewohnheiten aufbrechen, um Neues zu etablieren. Mit maxNet nutzt er gerade die Max-Planck-interne Onlineplattform, um die Meinungen zum Entwurf neuer Betreuungsleitlinien für Postdocs einzuholen. Das mache die MPG transparent, so Stratmann in seiner Laudatio und zeige, dass jeder ernst genommen werde. In Jahns Augen ist es eine Übung in demokratischen Verhaltensweisen.

Es mache ihm Spaß, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. „Das ist ein Privileg als älterer Mensch“, findet Reinhard Jahn. Außerdem habe er in seiner Doktorandenzeit miterlebt, wie leicht wissenschaftliche Projekte auch scheitern können. Darum liege ihm viel an Karriereunterstützung für den Nachwuchs. Er treibe gerne an, höre gerne zu und ermutige, wo nötig – Jahns Wortwahl lässt den Menschenfreund erahnen, den Kollegen in ihm sehen. Doch ob das erklärt, woraus er seine Energie schöpft? Zumal er sie nebenbei noch beim European Resaerch Council oder als Initiator von Gutachter-Panels bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einsetzte. Präsident Stratmann zumindest hat eine Lösung gefunden: „Manche vermuten einen Zaubertrunk in Jahns DFG-Trinkflasche mit dem vielsagenden Aufdruck „Wissensdurst“, schloss dieser seine Rede bei der Übergabe des Communitas-Preises.

sb

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