Hightech made in Germany
2025 war ein erfolgreiches Jahr für Max-Planck-Ausgründungen
Das Start-up planqc, das einen leistungsfähigen und zuverlässigen Quantencomputer entwickeln will, erhielt den Deutschen Gründerpreis und Proxima Fusion konnte schon mal 200 Millionen Euro für die Entwicklung eines Fusionskraftwerks einsammeln. Für insgesamt 14 neugegründete Start-ups der Max-Planck-Gesellschaft fiel 2025 der Startschuss - fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.
Diese Meldung gleich zu Jahresbeginn könnte Optimismus verbreiten, zumal die deutsche Start-up-Szene insgesamt auf ein extrem erfolgreiches Jahr mit über 3.500 Neugründungen zurückblicken kann – ein neuer Rekord. Die Hoffnung ist, dass sich damit auch das Wirtschaftswachstum in Deutschland wieder belebt. Denn Start-ups sind entscheidende Wirtschaftstreiber, weil sie neue Produkte und Märkte und damit Arbeitsplätze schaffen. Sie sind Trendscouts und Impulsgeber für etablierte Unternehmen, die durch den Wettbewerb mit ihnen immer aufs Neue herausgefordert werden. Das gilt gerade auch für Start-ups aus der Wissenschaft, wie ein Blick auf die jüngsten Max-Planck-Ausgründungen zeigt: So sollen mithilfe von KI großskalige Daten für die Arzneimittelforschung transformiert, innovative Laserverfahren auf den Weg gebracht, die Erfolgsraten künstlicher Befruchtung gesteigert und die Ernte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen automatisiert werden.
Auf der DLD-Konferenz in München diskutierten Max-Planck-Präsident Patrick Cramer und ifo-Präsident Clemens Fuest dazu. Beide waren sich einig, dass Europa, respektive Deutschland eine starke Position in der Grundlagenforschung hat. „Wir entwickeln Ideen mit globaler Wirkung. Doch allzu oft sind es andere, die diese Ideen weiterentwickeln, finanzieren und den vollen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen“, konstatierte Cramer. Es sei keine Geschichte des Niedergangs, sondern eine Geschichte der unvollendeten Arbeit. „Die Ideen sind da. Die Start-ups sind da. Was fehlt, ist die Entschlossenheit und das Kapital, um den Weg bis zum Ende zu gehen“, so Cramer. Beide Präsidenten forderten, Spitzenleistungen zu unterstützen, insbesondere in der Wissenschaft. Und die Entschlossenheit, die Kapitalmarktunion in Europa zu vollenden.
Vom Labor zum Erfolg - Max-Planck-Innovation unterstützt
Christoph Hüls, Geschäftsführer bei Max-Planck-Innovation, fordert noch mehr Start-ups in Europa: „Unsere Gesellschaft benötigt auf gesamtwirtschaftlicher Ebene eine viel breitere Gründerlandschaft, um aus exzellenter Wissenschaft mehr Wert zu schaffen“, sagt Hüls. Auch er unterstreicht: „Für einen Transfer und eine Skalierung im großen Stil ist ein europäischer Kapitalmarkt erforderlich, der mit den globalen Platzhirschen mithalten kann. Denn während in frühen Finanzierungsphasen fast 90 Prozent des Kapitals aus Europa stammen, kommt in späteren Runden fast die Hälfte der Mittel von außerhalb, vor allem aus den USA.“ Seit 2019 haben US-Unternehmen und -Fonds beinahe 24 Milliarden US-Dollar an Wert aus europäischen Spin-offs erworben. Nur mit besseren Rahmenbedingungen können Wertschöpfung und Wachstum in Europa erhalten bleiben. Hier sei die Politik gefragt. Im Gegenzug investieren Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft verstärkt in Programme, die Forschende frühzeitig für die Unternehmerrolle qualifizieren.
Doomers & Optimism
Max-Planck-Innovation GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Max-Planck-Gesellschaft, ist für den Technologietransfer zuständig. Die Kolleginnen und Kollegen begleiten die Forschenden bei sämtlichen Belangen der Unternehmensgründung. Angefangen bei der Beratung zu Fragen des Patent- und Lizenzrechts bis hin zur Anschubfinanzierung in Form einer Pre-Seed-Finanzierung, die auch dank der Unterstützung durch die Max-Planck-Förderstiftung zustande kommt. Und sie gehen neue Wege bei der Validierung von Ideen, die den direkten Zugang zum Markt finden sollen. „Die Validierung der frühen wissenschaftlichen Ergebnisse nach Industriestandard ist ein wichtiger Schritt zu finanzierbaren und nachhaltigen Firmengründungen“, erklärt Co-Geschäftsführer Bram Wijlands. Und der „European Spinout Report 2025“ gibt ihm Recht. Er zeigt, dass die Max-Planck-Gesellschaft in der oberen Liga des Tech-Transfers aus der Grundlagenforschung erfolgreich mitspielt. Bei der Zahl der Einhörner sowie beim Kapitalwert der Ausgründungen führt Max Planck mit vier Einhörnern und einer Gesamtbewertung von über 67 Milliarden US-Dollar sogar das Feld an. Auch Christoph Hüls, der für Lizenzen und Patente verantwortlich ist, kann zufrieden sein. Eine aktuelle Studie des Europäischen Patentamtes bestätigt, dass die Max-Planck-Gesellschaft zu den zehn Forschungseinrichtungen in Europa gehört, die an den meisten Patentanmeldungen beteiligt sind.
Eine Auswahl: Max-Planck-Ausgründungen im Porträt
Aplusia – KI für Biowissenschaften und Arzneimittelforschung
Das Spin-off Aplusia, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Biochemie, unterstützt Biotech- und Pharmaunternehmen beim Aufbau von Dateninfrastrukturen, bei der Entwicklung von Auswertungsalgorithmen und beim Training von KI-Modellen. Großskalige Daten transformieren die Arzneimittelforschung: Einzelzelldatensätze im dreistelligen Millionenbereich, Fortschritte in der Strukturvorhersage und im Co-Folding sowie designte Proteine prägen die Entwicklung bis hin zur Anwendung im klinischen Bereich. Ein zentraler Treiber ist die massenspektrometriebasierte Proteomik, die Tausende Proteine hochsensitiv und mit großem Durchsatz quantifiziert. Das Gründerteam, bestehend aus Georg Wallmann und Christoph Wichmann, vereint Expertise in den Bereichen maschinelles Lernen und Proteomik. Ziel ist es, diese Daten für Strukturmodelle, Wirkstoffscreenings, designte Proteine sowie PROTACs und Molecular Glues nutzbar zu machen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Aplusia
MechSyn – neue Materialien mit überlegenen Eigenschaften
Das Spin-off MechSyn, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, hat sich auf die Entwicklung von Hochleistungswerkstoffen durch Mechanochemie spezialisiert. Die Mechanochemie bietet eine Alternative zur Synthese von Festkörpermaterialien. Bei diesem Verfahren werden chemische Reaktionen in einem einstufigen Prozess ausschließlich durch mechanische Kräfte angetrieben. Dadurch werden hohe Temperaturen, hohe Drücke und Lösungsmittel, die bei der herkömmlichen Materialsynthese normalerweise erforderlich sind, überflüssig. Die Verwendung von Hightech- und fortschrittlichen Materialien sowie die vollständige Elektrifizierung der Produktions- und Recyclingprozesse werden somit Realität. Das Team konzentriert sich auf die Herstellung von Hochleistungsmaterialien für Katalysatoren, Katalysatorträger und leitfähige Materialien für verschiedene kritische Anwendungen. Darüber hinaus arbeitet das Team daran, die Mechanochemie als Plattformtechnologie für die moderne Materialsynthese zu etablieren und die dafür benötigten Maschinen und Produktionsplattformen zu entwickeln, um diese Prozesse zu industrialisieren.
Weitere Informationen finden Sie unter: MechSyn
Oraclase – Autonome Lasermaterialbearbeitung
Oraclase ist ein Technologie-Start-up, das aus dem Max-Planck-Institut für Informatik hervorgegangen ist. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Landschaft der Lasertechnologie mit seiner weltweit ersten integrierten KI-Lösung neu zu gestalten. Das Unternehmen möchte seine einzigartigen KI-Fähigkeiten nutzen, um laserbasierte Anwendungen zur Materialbearbeitung zu revolutionieren. In einem ersten Schritt hat Oraclase ein innovatives Laserverfahren entwickelt, mit dem sich detaillierte Farbbilder auf Metalloberflächen erzeugen lassen, indem das Material selektiv erhitzt wird – ohne dass Drucker oder Pigmente erforderlich sind. Für dieses nachhaltige Produktionsverfahren, bekannt als „Farblasermarkierung“, nutzt Oraclase eine patentierte Lasersoftware. Der Algorithmus nutzt KI, um die optimalen Prozessparameter automatisch zu ermitteln. Dadurch werden die Produktionsgeschwindigkeit und -qualität erhöht, sodass dieses Verfahren auch für großtechnische Anwendungen geeignet ist.
Weitere Informationen finden Sie unter: Oraclase
Ovo Labs – Hoffnung für kinderlose Paare
Die Gründenden Agata Zielinska, Melina Schuh und Oleksandr Yagensky von Ovo Labs möchten mit ihrem Start-up die Reproduktionsmedizin revolutionieren. Ab dem 35. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit von Frauen, während das Risiko für Fehlgeburten steigt – vor allem wegen Eizellen mit veränderter Chromosomenzahl, die mit dem Alter zunehmen. Dies reduziert die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich. Ovo Labs arbeitet an neuartigen Therapeutika, die die Qualität menschlicher Eizellen verbessern sollen. Diese Wirkstoffe zielen darauf ab, Frauen eine längere Fruchtbarkeit zu ermöglichen und die Erfolgsraten bei Schwangerschaften sowie künstlichen Befruchtungen zu erhöhen. Das Team verfolgt das Ziel, die neuen Therapien nach der Zulassung problemlos in die bestehenden Behandlungsabläufe der künstlichen Befruchtung zu integrieren – ohne zusätzlichen Aufwand oder Belastung für die Patientinnen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Ovo Labs
Polybot – Mit KI die Landwirtschaft revolutionieren
Polybot ist ein vierbeiniger Roboter, der eines Tages regenerative Agrarökosysteme, wie beispielsweise Permakulturen, bewirtschaften können soll. Er erkennt Unkraut mithilfe modernster Computer-Vision-Technologie, jäten es, gießt Pflanzen optimal dosiert, erntet Tomaten oder Gurken und schneidet die Pflanzen nach Saisonende schonend zurück. Der Roboter, der einem Hund ähnelt, könnte eines Tages in der Lage sein, die Kosteneffizienz nachhaltiger Anbauformen drastisch zu erhöhen und deren Leistung erheblich zu steigern. Zudem könnte er eine Bewirtschaftung von schwer zugänglichem Terrain ermöglichen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Polybot
QuantiLight – Arzneimittelüberwachung aus dem Wohnzimmer
Bluttests spielen für viele Menschen eine wichtige Rolle, insbesondere für chronisch Erkrankte, die täglich Medikamente einnehmen müssen. Hier sind regelmäßige Untersuchungen des Medikamentenspiegels notwendig. Das sogenannte Therapeutische Drug Monitoring (TDM, Arzneimittelüberwachung) stellt sicher, dass jede Patientin und jeder Patient die richtige Dosis zum richtigen Zeitpunkt erhält. Der derzeitige Prozess ist jedoch langsam und zentralisiert. Die Patientinnen und Patienten müssen zur Blutabnahme ins Krankenhaus kommen, wo das Blut im Labor analysiert wird. Die Ergebnisse liegen oft erst nach Tagen vor, was Behandlungsentscheidungen verzögert. QuantiLight will das ändern. Das Team hat eine In-vitro-Diagnoseplattform entwickelt, die das TDM direkt nach Hause bringt. Der Test basiert auf der Biolumineszenz-Sensortechnologie des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung und liefert innerhalb von 15 Minuten verwertbare Ergebnisse. Dadurch kann medizinisches Fachpersonal die Medikamentendosis schnell und genau anpassen. Die Auswirkungen sind klar: schnellere Erkenntnisse, geringere Kosten und das Potenzial, Komplikationen zu reduzieren.
Weitere Informationen finden Sie unter: QuantiLight
Soxogen Bio – Spenderorgane aus Stammzellen
Soxogen Bio ist ein Spin-off des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin. Das Unternehmen basiert auf einem neuartigen, gentechnisch entwickelten „Super-Reprogrammierungsfaktor“, der die Erzeugung von Stammzellen mit erhöhter Entwicklungspotenz ermöglicht. Soxogen Bio entwickelt eine mRNA-basierte Technologie zum gezielten „Reset“ von Stammzellen. Damit sollen bislang schwer zugängliche Zelltypen erschlossen, die Differenzierungsausbeute deutlich gesteigert und die Einheilung (Engraftment) von Zelltherapien verbessert werden. Aufbauend auf seiner mRNA-Plattform verfolgt Soxogen zudem innovative Ansätze zur direkten Verjüngung gealterter menschlicher Gewebe.














