Die Max-Planck-Gesellschaft hat in Berlin getagt

Abschluss der 66. Jahresversammlung mit gefeiertem Auftritt von Nobelpreisträger Hell

19. Juni 2015

Zwei Tage lang traf sich die Max-Planck-Gesellschaft in Berlin zu ihrer 66. Jahresversammlung. Dabei kamen neben den Direktorinnen und Direktoren der Max-Planck-Institute und den Fördernden Mitgliedern der Gesellschaft auch die wichtigsten Entscheidungsgremien der Forschungsorganisation zusammen. Höhepunkt war die Festversammlung am Donnerstagabend, bei der auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka eine Ansprache hielt. Zudem hatte der jüngst gekürte Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell einen gefeierten Auftritt.

Vor der Festversammlung am 18. Juni kamen auch Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und Max-Planck-Präsident Martin Stratmann  ins Gespräch (von re. nach li.).

700 geladene Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft kamen im festlichen Ambiente der Großen Orangerie Schloss Charlottenburg zum Abschluss des 66. Jahrestreffens zusammen. Max-Planck-Präsident Martin Stratmann nutzte seine forschungspolitische Rede zu einer Bestandsaufnahme der Forschungslandschaft in Deutschland. Während seiner international vergleichenden Systemanalyse plädierte er dafür, dass sich Max-Planck-Forscher mit Spitzenforschern deutscher Universitäten in neuen überregionalen Bildungs- und Forschungsnetzwerken zusammenschließen. „Damit können wir die in Deutschland bereits vorhandene, aber räumlich verteilte Exzellenz produktiv zusammenbringen und die individuelle Sichtbarkeit der besten deutschen Wissenschaftler auf kluge Weise bündeln", sagte Stratmann. Dies schaffe Mehrwert für die Spitzenforschung in ganz Deutschland.

Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell diskutierte mit Ranga Yogeshwar.

Stratmann begrüßte zudem den nunmehr 18. Nobelpreisträger der Max-Planck-Gesellschaft auf der Bühne in der Großen Orangerie: Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, kam dort zu einem Podiumsgespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar zusammen. Hell skizzierte dabei wesentliche Etappen seiner wissenschaftlichen Karriere, die ihn zur Entwicklung der STED-Mikroskopie führten. Gleichzeitig schlug er im Gespräch die Brücke zur Gegenwart, indem er aktuelle Fragen der Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftler diskutierte.

Ausgezeichnete Pflanzenforschung

Zum Auftakt des Jahrestreffens war am Mittwochabend Max-Planck-Direktor Lothar Willmitzer mit dem Stifterverbandspreis 2015 ausgezeichnet worden. Alle zwei Jahre würdigen der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Max-Planck-Gesellschaft Projekte aus der Grundlagenforschung, die erfolgreich in die Praxis übertragen wurden. Lothar Willmitzer, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm, erhielt den mit 50.000 Euro dotierten Preis für seine Arbeiten zum Pflanzenstoffwechsel. Daraus resultierende Anwendungen ermöglichen es, Nutzpflanzen mit verbesserten Eigenschaften auszustatten, so dass sie beispielsweise mehr Nährstoffe besitzen oder höhere Erträge erbringen

Freudiger Anlass: Lothar Willmitzer nimmt in Berlin den Stifterverbandspreis 2015 entgegen.

Ralph Bock, Geschäftsführender Direktor dieses Max-Planck-Instituts, hielt die Laudatio auf seinen Kollegen und stellte dabei auch dessen Engagement in forschungspolitischen Gremien sowie seinen Einsatz bei der Vermittlung in öffentlichen Kontroversen um die Grüne Gentechnik heraus: „Es freut mich sehr, dass der Stiftverband einen Wissenschaftler und Menschen auszeichnet, der für seine brillante und innovative Wissenschaft bekannt ist und gleichzeitig ein Vorbild ist im Engagement für die wissenschaftliche Gemeinschaft, die Wissenschaftspolitik in diesem Land und für die Gesellschaft.“

Überreicht wurde der Preis von Andreas Barner, Präsident des Stifterverbandes, und von Max-Planck-Präsident Martin Stratmann. Bevor Willmitzer in einem Vortrag über seine Forschung und die daraus resultierten Anwendungen berichtete, hatte Stratmann auf die besondere Qualität wissenschaftlicher Preise verwiesen: „Sie zeichnen Persönlichkeiten aus, die unser Wissen über die Welt erweitert haben. Dahinter stecken jahrzehntelange gewissenhafte und hartnäckige Arbeit. Der Preis weist aber nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf erfolgreiches Wirken in Gegenwart und Zukunft. Lothar Willmitzer ist dafür ein hervorragendes Beispiel“. Der Gastgeber des Abends Peter-André Alt, Präsident der FU Berlin, gehörte ebenso zu den Rednern in der Silberlaube.

Wichtige Gremien kamen zusammen

Das Treffen stand auch im Zeichen von Gremiensitzungen: Neben den Sektionen tagte am Donnerstag der Senat der Max-Planck-Gesellschaft. Darüber hinaus verabschiedete die aus Wissenschaftlichen und Fördernden Mitgliedern bestehende Mitgliederversammlung den Jahresbericht 2014. Dieser enthält neben den wichtigsten Daten und Fakten auch drei Berichte aus der aktuellen Forschung: Günther Schlee, Direktor am MPI für ethnologische Forschung in Halle, erläutert die Entwicklung der Al-Shababb-Milizen in Somalia, Stefan Schaal, Direktor am MPI für Intelligente Systeme, skizziert den Stand der Forschung in der Robotik und Victor Sourjik, Direktor am MPI für terrestrische Mikrobiologie, schreibt über die Perspektiven der Synthetischen Biologie.

Achte Jahresversammlung in Berlin

Die Max-Planck-Gesellschaft veranstaltete ihr Jahrestreffen bereits zum achten Mal in Berlin. Unter den rund 700 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren mehrere Max-Planck-Nobelpreisträger. „Das Land Berlin mit seinen drei Universitäten und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist ein hoch attraktiver Standort“, hatte Stratmann mit Blick auf das Treffen in Berlin betont. Die fünf Max-Planck-Institute sind eng in die dortigen Forschungsnetzwerke eingebunden, wie beispielsweise das Fritz-Haber-Institut in das Exzellenzcluster „Unifying Concepts in Catalysis (UniCat)“ der drei Berliner Universitäten sowie der Universität Potsdam. Oder das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, das über das virtuelle Berliner Zentrum für Wissensgeschichte mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität und der TU Berlin kooperiert, um Berlin als weltweiten Schwerpunkt der Wissenschaftsgeschichte sichtbar zu machen. Auch die Forscher der Max-Planck-Institute für molekulare Genetik und für Infektionsbiologie sowie für Bildungsforschung arbeiten eng mit anderen Partnern zusammen. „Dass wir bei der Jahresversammlung im jüngst wieder eröffneten Harnack-Haus, unserer Tagungsstätte in Berlin-Dahlem, zusammenkommen können, freut mich besonders. Dieser Bau unterstreicht die Tradition und nach wie vor bestehende Bedeutung Berlins als Ort des internationalen Wissenschaftleraustauschs“, sagte Martin Stratmann.


Über die Max-Planck-Gesellschaft

In den derzeit 83 Max-Planck-Einrichtungen betreiben über 5.500 Wissenschaftler sowie mehr als 7.600 Doktoranden, Diplomanden, studentische Hilfskräfte und Gastwissenschaftler Grundlagenforschung in den Natur-, Lebens- und Geisteswissenschaften. Gegründet wurde die Max-Planck-Gesellschaft 1948 als Nachfolgeorganisation der seit 1911 bestehenden Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Seither sind 18 Nobelpreisträger aus ihren Reihen hervorgegangen. Die Institute sind von internationalem Rang und ziehen Spitzenforscher aus aller Welt an. Neben fünf Auslandsinstituten betreibt die MPG weitere 14 Max Planck Center mit Forschungseinrichtungen wie der amerikanischen Princeton University, Science Po in Frankreich, dem University College London in Großbritannien oder der Universität Tokio in Japan. Je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern, verfügt die Max-Planck-Gesellschaft über ein jährliches Gesamtbudget von 1,6 Milliarden Euro.

JE

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