Synergy Grants für Max-Planck-Teams

European Research Council vergibt 150 Millionen Euro Fördermittel

18. Dezember 2013

Der European Research Council (ERC) hat die Synergy Grants vergeben: 13 Projektgruppen erhalten Forschungsmittel von insgesamt 150 Millionen Euro. Darunter sind drei Forscherteams mit maßgeblicher Beteiligung von Max-Planck-Forschern.

Glückliche Gewinner eines ERC Synergy Grants: Heino Falcke (Universität Nijmegen), Luciano Rezzolla (Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik) und Michael Kramer (Max-Planck-Institut für Radioatsronomie).

Es ist erst das zweite Mal, dass der europäische Forschungsrat die Synergy Grants vergibt. Zwei bis vier Wissenschaftler koordinieren die ausgewählten Projekte, die von insgesamt 45 Forschern (darunter 4 Frauen) 14 unterschiedlicher Nationalitäten von Einrichtungen in elf Ländern initiiert wurden. Jedes Team erhält bis zu 15 Millionen Euro, die für einen Förderzeitraum von bis zu sechs Jahren zur Verfügung stehen.

Die Themenpalette war grundsätzlich offen, tatsächlich sind aber nur zwei der ausgewählten Projekte dem geistes-, sozial- oder humanwissenschaftlichen Bereich zuzurechnen; alle anderen entstammen naturwissenschaftlichen, technischen Fachgebieten. Die Bandbreite reicht von dem Ziel, Gas und Staub der Sterne ins Labor zu bringen, um den Nanokosmos zu durchdringen, über die Untersuchung der Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit Mangel an Phosphor bis hin zur Entwicklung von Instrumenten zur nicht-invasiven Augenuntersuchung. Alle Projekte bringen Spitzenforscher zusammen. „Die Bewerber haben verstanden, dass „Synergy“ die einmalige Kombination von Wissenschaftlern mit ihren individuellen Fähigkeiten, ihrem Wissen und ihren innovativen Ansätzen erfordert“, sagte ERC-Vorsitzende Helga Nowotny. Die Ergebnisse zeigten ferner, dass die Stärke der Synergy Grants tatsächlich darin liege, dass bis zu vier Wissenschaftler gemeinsam eine Aufgabe angehen, die keiner von ihnen alleine bewältigen könne.

Dabei ist in dieser Antragsrunde die Bandbreite der Karrierestufen erheblich größer als beim ersten Mal; das Alter der Grantgewinner liegt zwischen 34 und 74 Jahren. Zwei der 45 Wissenschaftler kehren für ihr Forschungsprojekt aus den USA zurück nach Deutschland: insgesamt sind 12 Wissenschaftler von deutschen Einrichtungen unter den Ausgezeichneten, die Hälfte von ihnen aus Max-Planck-Instituten. Sieben kommen von spanischen, sechs von britischen Wissenschaftseinrichtungen oder Universitäten. Verglichen mit der ersten Runde von Synergy Grants lag die Zahl der Bewerbungen um die Fördermittel näher an den Erwartungen des ERC; so waren es diesmal „nur“ knapp 450 im Gegensatz zu über 700 im Jahr 2012. Die Erfolgsquote stieg von 1,5 auf drei Prozent.

Peter Druschel und Rupak Majumdar, Direktoren am Max-Planck-Institut für Softwaresysteme in Saarbrücken und Gerhard Weikum, Direktor am benachbarten Max-Planck-Institut für Informatik bilden zusammen mit Michael Backes, Professor an der Universität Saarbrücken und Max-Planck-Fellow, das Projektteam von „imPACT“, das sich der Zukunft der Internetsicherheit widmen wird – „Privacy, Accountability, Compliance and Trust in Tomorrow's Internet" so der genaue Titel. Die Idee ist, Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten zu geben und sie mit Wissen auszustatten, dass es ihnen ermöglicht, die Vertrauenswürdigkeit von Daten einzuschätzen. Dazu wollen die Informatiker mit Juristen, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern kooperieren, um die verschiedenen Rollen von Nutzern und ihre Wechselbeziehungen zu berücksichtigen.

Für den Aufbau eines Beobachtungssystems, mit dem erstmals exakte Bilder eines schwarzen Lochs aufgenommen werden können, erhalten Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Luciano Rezzolla vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und Heino Falcke von der Universität Nijmegen einen Synergy Grant. „Obwohl die meisten Astrophysiker davon überzeugt sind, dass Schwarze Löcher existieren, hat tatsächlich noch niemand eines sehen können“, sagt Heino Falcke. „Jetzt erst ist die technologische Entwicklung so weit, dass wir sie abbilden und damit überprüfen können, ob sie so existieren wie vorhergesagt: Ohne Ereignishorizont gibt es auch keine Schwarzen Löcher.“ Den wollen die Astrophysiker nun erstmals messen, indem sie ins Zentrum unserer Milchstraße schauen. Dort befindet sich Sagittarius A*, ein Schwarzes Loch mit der Masse von vier Millionen Sonnenmassen. Außerdem wollen die Astrophysiker neben dem von Michael Kramer und seiner Forschungsgruppe in der Nähe von Sagittarius A* gefundenen Pulsar nach weiteren suchen. „Wir vermuten, dass es davon noch mehr gibt. Und dann werden wir sie auch finden“, erwartet Kramer. Luciano Rezzolla ist der Simulationsexperte im Team. Er wird experimentelle Daten vom Schatten des Ereignishorizonts und der Bewegung der Pulsare und Sterne um Sagittarius A* mit Computersimulationen vergleichen.

Zu einem Team von drei Wissenschaftlern an der ungarischen Central European University in Budapest gehört Josep Call, Entwicklungspsychologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Professor an der britischen Universität St. Andrews. Gemeinsam starten sie „SOMICS”, ein kognitionswissenschaftliches Projekt unter der Überschrift “Constructing Social Minds: Coordination, Communication, and Cultural Transmission”.

SB

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