Karl Ziegler - ein Nobelpreisträger und sein Institut

Mit Festvorträgen und der Enthüllung einer Gedenktafel werden Professor Dr. Karl Ziegler, der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1963, und das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr in das Programm "Historische Stätten der Chemie" der Gesellschaft Deutscher Chemiker aufgenommen

8. Mai 2008

Damit würdigt die Gesellschaft Zieglers bahnbrechende Forschungsarbeiten zur chemischen Katalyse, die unter anderem 1953 in ein Patent zur Herstellung von hochmolekularem Polyethylen bei Normaldruck und Raumtemperatur mündeten. Dies leitete eine stürmische Entwicklung in der großtechnischen Herstellung von Polyolefinen ein. Die nun preiswerten Kunststoffe eroberten mit vielfältigen Anwendungen den Markt.

Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker seit 1999 Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. Damit möchte die Organisation die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen große wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung besitzen. Dies gilt ganz gewiss für Zieglers Arbeiten, für die "Ziegler-Chemie".

Das 1912 gegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung wurde bereits unter dem ersten Direktor, Prof. Dr. Franz Fischer, durch die Arbeiten zur Kohleverflüssigung weltbekannt ("Fischer-Tropsch-Synthese"), die heute zur Herstellung flüssiger Kohlenwasserstoffe erneut im Fokus steht. Als Fischers Nachfolger übernahm Ziegler das Direktorat im Jahre 1943, aufgrund der Zusicherung, dass er "völlige Freiheit der Betätigung im Gesamtgebiet der Chemie der Kohlenwasserstoffe" haben werde, ohne Rücksicht darauf, ob seine Arbeiten "etwa unmittelbar einen Zusammenhang mit der Kohle erkennen lassen würden oder nicht".

Seine erkenntnisgetriebene Grundlagenforschung zu metallorganischen Verbindungen führte in wenigen Jahren zu Entdeckungen, die industriell in großem Maßstab umgesetzt wurden. Mit den Ziegler-Katalysatoren werden noch heute mehr als 30 Millionen Tonnen Polymere pro Jahr hergestellt. Die Lizenzeinnahmen aus diesen Erfindungen machten das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (seit 1949 so genannt) über fast 40 Jahre finanziell unabhängig, die Stiftungserträge finanzieren noch immer einen erheblichen Teil des Institutsetats. Ziegler steht somit für eine einzigartige Kombination von exzellenter Grundlagenforschung und wirtschaftlichem Erfolg. Seine Nachfolger im Direktorenamt haben allesamt den hervorragenden Ruf des Instituts weiter getragen, welches heutzutage weltweit eine der besten Adressen in der Katalyseforschung ist.

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