Mehr Durchblick für Gründungswillige

Ist das neue German Spin-off Framework (GSOF) der langersehnte Gründungsbooster für Deep-Tech-Innovationen?

8. Juli 2026

Die USA, das Vereinigte Königreich und andere EU-Länder nutzen sie bereits seit geraumer Zeit: Frameworks sind ein Grundgerüst, das Verhandlungen mit Start-ups und Investoren bezüglich IP und Beteiligungen erleichtert und beschleunigt. In Deutschland wurde jetzt unter Beteiligung der Max-Planck-Gesellschaft das German Spin-off Framework (GSOF) eingeführt. Es soll dabei helfen, die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geringe Anzahl an Start-ups und Scale-ups aus der Forschung hierzulande zu vervielfachen.

Schneller startklar

Ziel des GSOF ist die Schaffung einer transparenteren, praxisnahen und gründerfreundlichen Verhandlungsgrundlage. Das Rahmenwerk, an dem 44 Akteure aus den Bereichen Forschung, Technologietransfer, Risikokapital und Investition mitgearbeitet haben, gibt Jung-Entrepreneuren damit einen Leitfaden an die Hand, um unabhängig fundierte Entscheidungen treffen zu können. Es ermöglicht ihnen einen schnellen und zielgerichteten Technologietransferprozess, erleichtert die Kapitalbeschaffung, das Gewinnen von Talenten und die internationale Skalierung.

Viele der beteiligten Institutionen steuerten eine Best Practice bei, darunter auch die Max-Planck-Gesellschaft über ihre Technologietransfer-Organisation Max-Planck-Innovation GmbH (MI). MI vergibt mit ihrem Lizenzmodell die Rechte an geistigem Eigentum schnell, rechtssicher und mit minimalem Verhandlungsaufwand an Ausgründungen. Diese Lizenzen entsprechen den Marktstandards und sehen spin-off-freundliche Bedingungen vor. Dadurch entfallen frühzeitige Auszahlungen der Spin-offs an die MPG. Die Mittel verbleiben somit in den Unternehmen und stellen die Grundlage für Investitionen und Wachstum dar. Stattdessen erhält die MPG einen Anteil am zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens in Form einer Kapitalbeteiligung, gegebenenfalls Meilensteinzahlungen und angemessene Lizenzgebühren. Diese Ansprüche sind an die wirtschaftliche Leistung des Unternehmens oder der Produkte geknüpft, die auf der lizenzierten MPG-Technologie basieren. Dadurch wird der Ausgründungsprozess schneller, fairer und planbarer.

„Im deutschen Start-up-Umfeld ist nun eine Bandbreite für die Abschlüsse von Lizenzen und Beteiligungsverträgen bekannt. Dies ermöglicht es vor allem zukünftigen Gründerinnen und Gründern, einzuschätzen, ob sich ein Abschluss im Rahmen der marktkonformen Normen bewegt. Dies soll die Verhandlungen beziehungsweise Vertragsprozesse deutlich beschleunigen", sagt Bram Wijlands, Geschäftsführer der Max-Planck-Innovation GmbH. „Mit GSOF können Max-Planck-Start-ups transparent einsehen, dass die Bedingungen der Lizenzverträge sowie die Beteiligungshöhe durch unsere Gesellschaft völlig marktkonform sind und sich meist sogar im Mittelfeld befinden". Er und seine Mitarbeitenden haben das Regelwerk von der ersten Arbeitssitzung im Jahr 2024 bis zum final verhandelten Abschluss im Juni eng begleitet. Für Wijlands bedeutet GSOF den erfolgreichen Zusammenschluss handelnder Akteure aus der Praxis, den Transfereinrichtungen bzw. dem Markt, Investoren und Rechtsanwaltskanzleien, die mit realem Praxis- und Marktwissen das Framework erstellt haben.

Fünf Fragen an Bram Wijlands

Warum hat sich MI entschieden, dem German Spin-off Framework beizutreten, und welche konkreten Veränderungen erwarten Sie dadurch?

Meist haben wir es mit Gründerinnen und Gründern zu tun, die ihr erstes Unternehmen gründen und über keine Erfahrung im Umgang mit IP und dessen Lizenzierung verfügen. Da das Papier nun von fast 20 namhaften Investoren unterschrieben wurde, können wir darauf verweisen. Zudem gibt es ähnliche Frameworks in Großbritannien, den Niederlanden und Dänemark. Personen, die sich mit dem Thema noch nicht so gut auskennen, können sich nun einfacher über die marktüblichen Konditionen informieren. Dies ist durch das neue Framework auf nationaler Ebene und die anderen auf internationaler Ebene möglich. Insgesamt erhoffen wir uns somit einen schnelleren, transparenteren, faireren und konfliktärmeren Prozess.

Welche Hürden in Technologietransfer- und Lizenzverhandlungen sollen durch das Framework künftig entfallen oder deutlich reduziert werden?

Hier geht es vor allem um die Unsicherheit, die bei vielen der am Prozess beteiligten Personen besteht. Neben Gründerinnen und Gründern sowie Investorinnen und Investoren sind insbesondere einige sehr kleine Technologietransfereinrichtungen betroffen. Für uns ist es wichtig, dass sich die Marktteilnehmer marktkonform verhalten, damit der Transferprozess weiter professionalisiert wird.

Wie wirkt sich das GSOF aus Sicht von MI auf Max-Planck-Gründerinnen und -Gründer aus – insbesondere in Bezug auf Geschwindigkeit, Transparenz und Planungssicherheit?

Die MPG-Standardkonditionen wurden durch das Framework bestätigt. Somit werden sich die Konditionen kaum ändern. Wir erhoffen uns jedoch einen vertrauensvolleren und schnelleren Prozess. Uns geht es auch um Planungssicherheit für die Spin-off-Projekte. Insbesondere bei der Gewinnung von Investoren.

Das Framework setzt auf freiwillige gemeinsame Standards. Wie stellen Sie sicher, dass diese Leitlinien in der täglichen Transferpraxis tatsächlich umgesetzt werden?

Die MPG-Standardbedingungen für Ausgründungen sind durch das Framework abgedeckt. Das heiß, unsere Konditionen entsprechen bereits heute den Leitlinien des Frameworks.

Woran werden Sie in den kommenden Jahren messen, ob das German Spin-off Framework sein Ziel erreicht hat, also mehr international wettbewerbsfähige Deep-Tech-Ausgründungen hervorzubringen?

Die Frage, ob mehr Spin-offs mit Strahlkraft entstehen, hängt von sehr vielen Variablen ab. Unsere Lizenzkonditionen sind nur eine davon. Ich denke jedoch, dass es ein wichtiger Baustein ist, dass wir uns nun – auch mit Investoren – darauf verständigt haben. Ich persönlich hoffe zunächst auf eine hohe Akzeptanz des Frameworks und erwarte, dass die Diskussionen nun auf die Bereiche gelenkt werden, die dann auch zu mehr vielversprechenden Ausgründungen führen.

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