„Mit einem 80 Prozent-Job und Kind ist das Leben sehr gut ausgefüllt“

„Mit einem 80 Prozent-Job und Kind ist das Leben sehr gut ausgefüllt“

Frau Spehn, Sie sind promovierte Biologin und Mutter einer zweijährigen Tochter. Viele Akademikerinnen entscheiden sich – anders als Sie - gegen eine Familie und ausschließlich für eine Karriere: War das für Sie eine Option?

original
Original 1292313544
Sabine Spehn ist Pressesprecherin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen
Sabine Spehn ist Pressesprecherin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen

Spehn: Ich wollte immer schon eine Familie haben. Gleichzeitig arbeite ich sehr gerne und mein Job macht mir viel Spaß. Wenn ich ausgeglichen und glücklich bin in meinem Beruf - davon bin ich überzeugt – kann ich auch meiner Tochter eine gute Mutter sein. Natürlich ist es manchmal stressig, besonders wenn die Kleine krank ist. Dann werde ich auch dünnhäutig. Aber letztendlich war es für mich nie eine Option, nur Karriere zu machen und auf ein Kind zu verzichten.

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?

Spehn: Ich arbeite 31,2 Stunden die Woche – also 80 Prozent der üblichen 39 Stunden. Doch auch so erfordert der Tagesablauf viel Disziplin und Absprache zwischen meinem Mann, mir und seinen Eltern, die unsere Tochter mitbetreuen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Spehn: Die Vielseitigkeit vor allem. Ich habe ganz verschiedene Aufgaben und mache auch immer wieder Neues: Texte verfassen, Pressemitteilungen schreiben, Veranstaltungen für die Öffentlichkeit organisieren. Jetzt laufen hier die Führungen an. Das ist ein ganz neues Betätigungsfeld, das mir sehr viel Spaß macht.

Es ist aber nicht nur die Arbeit, sondern auch das Umfeld. Meine Kollegen sind alle sehr nett. Die Direktoren bringen mir viel Verständnis entgegen, wenn ich wegen meiner Tochter einmal früher gehen muss. Dafür arbeite ich dann gerne abends ein paar Stunden, wenn etwas dringend fertig gemacht werden muss.

Führt dies zu einer Verquickung zwischen Beruf und Privaten?

Spehn: Es ist für mich nicht nötig, klare Grenzen zwischen Beruf und Privaten zu ziehen, da mir mein Beruf viel Spaß macht. Was sich nach der Geburt meiner Tochter allerdings geändert hat ist, dass ich fokussierter arbeite, um X, Y und Z noch während meiner Arbeitszeit zu schaffen. Früher hat sich der Tag mehr gezogen. Jetzt weiß ich: Jetzt ist Schluss, ich muss um 16.15 Uhr hier losfahren und meine Tochter abholen. Da kann ich nicht noch Stunden länger arbeiten.

Wenn an meinem freien Tag – den Montag – jedoch das Handy klingelt. sind die Anrufer oft irritiert, wenn im Hintergrund mein Kind schreit. Meist kann ich meinen Gegenüber dann erklären, dass ich gar nicht im Büro bin, sondern zu Hause oder unterwegs. Die anfallende Arbeit erledige ich dann am Tag danach.

Die Max-Planck-Gesellschaft arbeitet eng mit dem Familienservice zusammen, der Eltern mit Kindern hilft. Haben Sie diesen Service schon einmal in Anspruch genommen?

Spehn: Ja, der Familienservice hat uns sehr geholfen, als wir einen Krippenplatz für unsere Tochter gesucht und durch die Bank nur Absagen erhalten haben. Wir haben uns insgesamt bei 14 städtischen und vier privaten Krippen, beziehungsweise Elterninitiativen beworben. Von unserer Betreuerin beim Familienservice haben wir dann den Tipp erhalten, dass die Max-Planck-Gesellschaft über Kontingentplätze in der City-Krippe München verfügt. Wir haben uns sofort beworben und einen halben Platz bekommen, den wir uns jetzt mit einer anderen Familie teilen.

War der Wunsch eine Familie zu haben, der Grund dafür, warum Sie nicht mehr als Wissenschaftlerin arbeiten?

Spehn: Viele Wissenschaftlerinnen – auch an unserem Institut - schaffen es, Familie und Forschung in Einklang zu bringen. Aber natürlich ist es für Sie viel schwerer als für mich in meinem Beruf. Das Problem in der Wissenschaft sind vor allem die befristeten Stellen – und die damit verbundene Ungewissheit. Oft muss man während eines laufenden Projekts schon den Antrag für das kommende Forschungsvorhaben stellen. Oder offen sein für eine Arbeit im Ausland.

Aber nein, eigentlich war dies nicht primär der Grund, warum ich mich nach der Doktorarbeit neu orientiert habe. Nachdem ich an Fledermäusen in Panama geforscht habe, bekam ich ein tolles Angebot von der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt. Da viel mir der Ausstieg aus der Wissenschaft leicht. Jetzt bin ich – auf Umwegen – wieder in der Wissenschaftskommunikation gelandet, und das ist auch gut so. Ich habe nie bereut, meine wissenschaftliche Karriere nicht vorangetrieben zu haben. Denn jetzt kann beides mit einander verbinden, die Faszination für wissenschaftliche Themen und die Herausforderung, diese auch in der Öffentlichkeit publik zu machen.

Frau Spehn, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Barbara Abrell

Zur Redakteursansicht