Hubert Markl

1996-2002

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Er war jemand, der den unbequemen Weg ging, der sich einmischte mit Esprit und Sprachgewalt: Hubert Markl prägte als Präsident die Max-Planck-Gesellschaft von 1996 bis 2002 nachhaltig.

Geboren wurde Markl wurde am 17. August 1938 in Regensburg. Nach dem Abitur studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Biologie, Chemie und Geographie. Zu seinen Lehrern zählten so bekannte Wissenschaftler wie Martin Lindauer, Hansjochen Autrum und die späteren Nobelpreisträger Konrad Lorenz und Karl von Frisch. 1962 wurde Markl in München im Fach Zoologie promoviert und arbeitete danach ein Jahr als wissenschaftlicher Assistent. 1965 führte ihn ein Forschungsaufenthalt in die USA nach Harvard, an die New Yorker Rockefeller University und an die Tropical Research Station der New York Zoological Society. Seine Habilitationsschrift über das "Kommunikationsverhalten sozialer Insekten" reichte Markl 1967 an der Universität Frankfurt ein.

Hubert Markl liebte die Natur. Wenn das Gespräch auf Ameisen oder Bienen kam, auf die Feinheiten ihrer Verständigung, ihre Duftorientierung und ihr Formensehen, dann war der Zoologe ganz in seinem Metier. Eine ähnliche Leidenschaft entwickelte er für Bücher, wie das Werk von Bert Hölldobler The Superorganism, Bernd Heinrichs The Snoring Bird, Georg Forsters Reise um die Welt oder James Cooks Logbücher. Über seine Erfolge in der Max-Planck-Gesellschaft spracht er nur widerwillig – „denn die müssen andere beurteilen“.

Es waren Zeiten des Wandels, als Markl 1996 das Ruder der Max-Planck-Gesellschaft als deren Präsident in die Hand nahm: sechs Jahre nach der Wiedervereinigung, mitten im Aufbau Ost. Der Max-Planck-Gesellschaft blieb kein finanzieller Spielraum für Veränderungen. An bestehenden Max-Planck-Instituten musste gespart, in neue Institute investiert werden. In einem immensen Kraftakt verkleinerte und schloss der neue Präsident Abteilungen und Institute. Aber er konnte auch mit der Berufung von 153 Direktorinnen und Direktoren neue Akzente in der Forschung setzen.

Damals festigte sich sein Ruf, ein „harter Hund“ zu sein. Wer seine brillante Art zu argumentieren fürchtete, stellte sich ihm nicht gern in den Weg. Wer es trotzdem wagte, konnte mit ihm streiten – und erfolgreich arbeiten. „Ich war sicherlich manchmal heftig und ungeduldig“, gestand er später. Aber es sei ihm dabei immer um die Sache gegangen. „Ich wollte den hohen Leistungsanspruch der Max-Planck-Gesellschaft erhalten.“

Der unbequeme Weg erwies sich als „beeindruckender Erneuerungsschub für die Max-Planck-Gesellschaft“, wie es Peter Gruss in der Rede zum 70. Geburtstag seines Vorgängers formulierte. Markl gelang es auch, junge, begabte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu fördern: Er gründete die „International Max-Planck-Research Schools“. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Doktoranden, die an den Max-Planck-Instituten forschen, insgesamt von 2618 auf 4308 gestiegen, der überwiegende Teil der neuen Absolventen stammt aus dem Ausland.

Als ein mutiger Blick zurück erwies sich die Aufarbeitung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Dritten Reich. Hubert Markl berief eine unabhängige Präsidentenkommission, um die Verfehlungen von Wissenschaftlern zu erforschen und zu publizieren. Am 7. Juni 2001 bekannte er sich öffentlich zur Schuld, welche die Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft durch die Vertreibung jüdischer Kollegen und die Beteiligung an Verbrechen der Nazis auf sich geladen haben.

Ob für die Freiheit der Stammzellforschung, den Schutz der Artenvielfalt oder guten Biologie-Unterricht – Hubert Markl brillierte stets als streitbarer Geist, der Konflikte nicht scheute und konsequent Stellung bezog. Er mischte sich ein, wenn fähige Forscher Deutschland verließen, um an US-amerikanischen Universitäten zu arbeiten, als eine Exzellenzinitiative an den Hochschulen ins Leben gerufen wurde oder es an allen Ecken und Enden an Ingenieursnachwuchs mangelte.

Nach seiner Amtszeit hatte er Zeit, Dinge zu lesen, die ihn interessierten, und musste sich nicht mehr um tagesaktuelle Themen kümmern; Hubert Markl genoss seinen Ruhestand. 2008, im Jahr seines 70. Geburtstags, blickte er anlässlich eines Interviews zurück auf seine Zeit als oberster Wissenschaftsmanager in der Max-Planck-Gesellschaft und konstatierte: „Wenn ich heute noch Präsident der Max-Planck-Gesellschaft wäre, würde ich mich damit auseinandersetzen, ob Wissenschaft und Wirtschaft das richtige Verhältnis zueinander haben." Hubert Markl starb am 8. Januar 2015 nach längerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Konstanz.

BA

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