Der Zweite Weltkrieg und die Forschung

1939

Foto: Versuche im Windkanal der Aerodymanische Versuchsanstalt der KWG, um 1940, Archiv der Max-Planck-Gesellschaft.

Mit dem Überfall auf Polen durch die deutsche Wehrmacht begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Doch schon zuvor hatte jene Forschung von finanziellen Förderungen profitiert, die im Sinne der militärstrategischen und ideologischen Interessen des NS-Staats stand. Rüstungsforscher, Biologen und Mediziner hatten vom ideologischen Programm der Diktatur profitiert: In Göttingen war die Aerodynamische Versuchsanstalt zu einem frühen Großforschungsbetrieb gewachsen. Wissenschaftler experimentierten hier mit Wasser- und Windkanälen, um das Flug- und Strömungsverhalten für den Flugzeugbau und für die Konstruktion von Torpedos zu erforschen. Das Heereswaffenamt übernahm 1940 große Teile des KWI für Physik. Von den Eroberungen der Wehrmacht in Osteuropa profitierte vor allem die agrarwissenschaftliche Forschung, die Hitlers Pläne für neuen „Lebensraum im Osten“ praktisch zuarbeiten sollte. Seit 1943 bezog Otmar von Verschuer über Josef Mengele Präparate aus dem Vernichtungslager Auschwitz für das KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Das KWI für Hirnforschung in Berlin untersuchte von 1940 bis 1945 rund 700 Hirne, die von Opfern des gleichzeitig stattfindenden Euthanasiemordes an psychisch Kranken und geistig Behinderten stammten.

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