Ansprechpartner

Sandra Jacob

Pressebeauftragte
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon:+49 341 3550-122

Originalpublikation

Karline R. L. Janmaat, Simone D. Ban, Christophe Boesch
Chimpanzees use long-term spatial memory to monitor large fruit trees and remember feeding experiences across seasons

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Wohin begeben sich Schimpansen, deren Lieblingsobstbaum leer gefressen ist, wenn sie nicht wissen, welche anderen Bäume bereits Früchte tragen? Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat untersucht, warum Schimpansen auf der Suche nach Früchten ganz bestimmte Bäume im Regenwald ansteuern und wie sie besonders ertragreiche Bäume finden. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass Schimpansen dafür ihr Langzeitgedächtnis nutzen: Sie merken sich über eine Dauer von mindestens zwei Monaten die Größe und geografische Lage bestimmter Bäume, von denen sie bereits in einer vergangenen Saison Früchte genascht haben.
Ein ausgewachsenes Schimpansen-Weibchen inspiziert einen Futterbaum. Bild vergrößern
Ein ausgewachsenes Schimpansen-Weibchen inspiziert einen Futterbaum.

Für ihre Studie haben die Forscher im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste das Verhalten von fünf weiblichen Schimpansen über Zeitabschnitte von jeweils vier bis acht Wochen kontinuierlich aufgezeichnet. Insgesamt umfassen die Aufzeichnungen 275 komplette Tage, die über mehrere Fruchtsaisons verteilt waren. Die Auswertung der Daten ergab, dass Schimpansen besonders stattliche Bäume einer Art als Nahrungsquelle bevorzugen, vor allem dann, wenn deren Früchte ihren typischen Geruch ausströmen. Interessanterweise besuchen sie diese größeren Bäume auch dann häufiger, wenn sie gerade keine Früchte tragen, die Inspektion also nicht durch die Geräusche fallender Früchte oder deren Geruch ausgelöst wird.

Die Wissenschaftler haben darüber hinaus herausgefunden, dass Schimpansen während ihrer Reise durch den Regenwald zwar die meisten Bäume prüfen, aber nur etwa 13 Prozent der Bäume zielgerichtet ansteuern. Dieses gezielte Vorgehen wird nicht durch visuelle Reize ausgelöst und kommt hauptsächlich dann vor, wenn Weibchen den Wald zur Nahrungssuche allein durchstreifen und sich vergleichsweise großen Bäumen gegenüberfinden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Tiere bei ihren Inspektionen von ihrem “Was-ist-Wo”-Gedächtnis zur Lage stattlicher Obstbäume leiten ließen. Für dieses Ergebnis analysierten die Forscher, welche von fast 16.000 potenziellen Obstbäumen die Schimpansen tatsächlich aufsuchten.

Die Forscher beobachteten ein Schimpansenweibchen drei aufeinander folgende Jahre lang und stellten fest, dass es sich an ihre Nahrungsaufnahme aus vergangenen Fruchtsaisons erinnern konnte. Langjährige Monitoring-Daten zur jahreszeitlichen Entwicklung individueller Bäume haben ergeben, dass das Intervall zwischen aufeinanderfolgenden Fruchtsaisons und somit das kleinstmögliche „Speicherfenster“ bei Schimpansen für die Ausführung effektiver Monitoring-Aktivitäten zwischen zwei Monaten und drei Jahren variieren kann. „Unsere Studie zeigt erstmalig, dass unsere nächsten Verwandten auf der Suche nach neu produzierten tropischen Früchten ihr Langzeitgedächtnis verwenden“, sagt Karline Janmaat vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Sie erinnern sich also an die vergangene Nahrungsaufnahme, lange nachdem die Bäume abgeerntet worden sind.“

„Lange Zeit wurde behauptet, dass sich Tiere im Gegensatz zum Menschen nicht an Vergangenes erinnern können. Unsere Studie belegt, warum Schimpansen und andere Primaten sich über einen längeren Zeitraum hinweg an Ereignisse erinnern müssen, und dass sie das tatsächlich tun“, sagt Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

SJ/HR

 
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