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Sandra Jacob

Pressebeauftragte
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
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Originalpublikation

Geraldine E. Fahy, Michael Richards, Julia Riedel, Jean-Jacques Hublin, and Christophe Boesch
Stable isotope evidence of meat eating and hunting specialization in adult male chimpanzees

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Verhaltensbiologie

Bei Schimpansen sind Jagd und Fleischkonsum Männersache

Max-Planck-Forscher bestätigen Freilandbeobachtungen zum Jagdverhalten und Fleischkonsum erwachsener männlicher Schimpansen mittels Isotopenanalyse

25. März 2013

Der regelmäßige Fleischgenuss ist nicht nur für menschliche Primaten charakteristisch. Das zeigten Freilandbeobachtungen unserer nächsten lebenden Verwandten, der Schimpansen, die Wirbeltiere jagen und ihre Beute verspeisen. Welchen Stellenwert Fleisch auf dem Speiseplan der Tiere einnimmt, ist jedoch größtenteils noch ungeklärt, denn Verhaltensbeobachtungen allein können den Fleischkonsum nicht beziffern. Ein interdisziplinäres Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig analysierte jetzt stabile Isotope aus den Haaren und Knochen wilder Schimpansen und verglich das Ergebnis mit den Verhaltensbeobachtungen: Jagd und Fleischkonsum sind bei Schimpansen Männersache. Diese Ergebnisse bestätigen Belege aus Freilandbeobachtungen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste.
Der uninteressierte und wenig erfolgreiche Jäger Kendo bettelt den begabten Jäger Brutus um Fleisch an. Bild vergrößern
Der uninteressierte und wenig erfolgreiche Jäger Kendo bettelt den begabten Jäger Brutus um Fleisch an.

Die Forscher untersuchten ein breites Spektrum an Umweltproben aus dem Taï-Nationalpark und ermittelten zunächst die isotopischen Basisdaten, um sich einen Überblick über die chemische Zusammensetzung des Lebensraums der Schimpansen zu verschaffen. Diese Proben enthielten auch Nahrungsbestandteile, die sich auf dem Speiseplan der Schimpansen wiederfinden: Früchte und dazu saisonal Nüsse, Ameisen und Termiten sowie Colobus-Affen.

Anschließend analysierten die Forscher Keratin aus Schimpansenhaaren und Kollagen aus den Knochen bereits verstorbener Tiere und ermittelten so die Stickstoffisotopenwerte von männlichen und weiblichen Schimpansen. Anhand dieser Werte können die Forscher den Speiseplan der Tiere im Detail nachvollziehen. Das Ergebnis: Der Fleischkonsum ist bei einigen männlichen Schimpansen groß genug, um sowohl im Haarkeratin (kurzfristiger Konsum) als auch im Knochenkollagen (langfristiger Konsum) Isotopensignale entdecken zu können. „Obwohl sowohl erwachsene Männchen und Weibchen als auch Jungtiere ihr Nahrungseiweiß hauptsächlich durch den Genuss von Früchten und Nüssen abdecken, zeigen unsere Daten, dass einige  erwachsene Männchen ihren Proteinhaushalt maßgeblich durch das Fleisch gejagter Tiere ergänzen“, sagt Geraldine Fahy vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Die Ergebnisse der Isotopenuntersuchung bestätigen Beobachtungsdaten zum  Jagdverhalten und Fleischkonsum bei Schimpansen, die Christophe Boesch und sein Team in mehr als 30 Jahren im Taï-Nationalpark erhoben hatten. „Unsere Beobachtungen männlich-dominierten Jagdverhaltens und des Fleischkonsums bei erwachsenen Taï-Schimpansen werden durch die neuen Ergebnisse untermauert“,  sagt Christophe Boesch, der die Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie leitet. „Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Nahrungserwerb und -konsum blieben während der Evolution der Homininen erhalten und stellen somit keine  Neuentwicklung auf der menschlichen Evolutionslinie dar“.

„Die bei Schimpansen beobachteten Verhaltensmuster unterscheiden sich maßgeblich von denen heute lebender Jäger- und Sammler, bei denen das Wild innerhalb der Gruppe aufgeteilt wird“, ergänzt Jean-Jacques Hublin, Leiter der Abteilung Humanevolution, die die Isotopenmessungen durchführte. „Vergleiche zwischen Menschen und unseren nächsten Verwandten sind entscheidend, um die Ursprünge der Jagd und Fleischaufteilung bei den ersten Homininen besser zu verstehen."

SJ/HR

 
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