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Originalpublikation

Martin Surbeck, Gottfried Hohmann
Intersexual dominance relationships and the influence of leverage on the outcome of conflicts in wild bonobos (Pan paniscus)
Behavioral Ecology and Sociobiology, 9 July 2013, DOI: 10.1007/s00265-013-1584-8

Bilderserie

Gottfried Hohmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig leitet im Kongo ein Bonobo-Forschungsprojekt. Der Forscheralltag fernab jeglicher Zivilisation ist äußerst mühsam, schon die Anreise ist ein kleines Abenteuer

Bonobos - die sanften Vettern der Schimpansen

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Weibliche Dominanz über Männchen ist bei Säugetieren ein seltenes Phänomen. Bonobos scheinen zu diesen Ausnahmen zu gehören. Das ist erstaunlich, da auch bei dieser Art ausgewachsene Männchen meist größer und stärker sind als die Weibchen. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben die Dominanzverhältnisse zwischen männlichen und weiblichen frei lebenden Bonobos untersucht. Sie hat dabei besonders die hohe Stellung einiger Weibchen im Dominanzgefüge interessiert. Das Ergebnis: Es sind nicht die weiblichen Allianzen, mit denen Weibchen Konflikte gewinnen können. Auch scheint der Kontext des Konflikts für dessen Ausgang irrelevant zu sein. Stattdessen spielt die Attraktivität der Weibchen eine wichtige Rolle. Wenn diese eine sexuelle Bereitschaft zeigen, gewinnen sie Konflikte mit Männchen leichter. Die Männchen verhalten sich dann weniger aggressiv.
Der Bonobo-Mann Jack pflegt das Fell von Weibchen Susi im Salonga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. Bild vergrößern
Der Bonobo-Mann Jack pflegt das Fell von Weibchen Susi im Salonga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo.

Obwohl die Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern bei Bonobos noch nie eingehend in der Wildnis untersucht wurden, gibt es verschiedene Theorien, wie die Weibchen zu ihrem hohen Sozialstatus kommen. Einige Forscher erklären die weibliche Vormachtstellung durch Koalitionsbildung zwischen den Weibchen, welche die männliche Aggressivität unterdrücken. Andere sehen darin ein entwicklungsgeschichtliches Phänomen, nach dem Weibchen nicht-aggressive Männer bevorzugen und so die biologischen Vorteile männlicher Aggression zu einem Negativmerkmal geworden sind.

In einer aktuellen Studie untersuchte die Bonobo-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zwischengeschlechtliche Konflikte in einer wildlebenden Bonobo-Gruppe nahe des Salonga Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo. Anhand einer Analyse des Ausgangs dieser Streitereien wiesen die Wissenschaftler die Existenz einer geschlechtsunabhängigen Hierarchie in der Gruppe nach, in der einige Weibchen die höchsten Ränge einnehmen.

Desweitern fanden die Forscher heraus, dass nur zwei Faktoren eine signifikante Rolle beim Ausgang von Konflikten spielten: der Wille der Weibchen, ihrem Nachwuchs zu helfen, und die weibliche Attraktivität. So gewannen die Weibchen, allein oder in einer Gruppe, alle Konflikte, bei denen ihre Jungen von Männchen angegriffen wurden. Interessanterweise gewannen die Weibchen aber auch vermehrt Auseinandersetzungen, wenn sie eine auf höhere Empfängnisbereitschaft hinweisende sexuelle Schwellung zeigten, also für die Männchen besonders attraktiv waren.

Martin Surbeck, Erstautor der Publikation, sagt: „Die Männchen waren zu diesen Zeiten auch von sich aus weniger aggressiv gegenüber den Weibchen, was sie sehr deutlich zum Beispiel von Schimpansenmännchen unterscheidet.“ Zusammengefasst deuten diese Resultate darauf hin, dass sowohl weibliche Attraktivität, als auch männliche Paarungsstrategien bei Bonobos zu einer Veränderung der Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern beitragen.

MS/SJ/HR

 
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