Dr. Gabriele Alex
Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, GöttingenTelefon: +49 551 4956-114
E-Mail: alex@mmg.mpg.de
Dr. Vibha Joshi Parkin
Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, GöttingenTelefon: +49 551 4956-236
E-Mail: parkin@mmg.mpg.de
21. September 2011
Text: Birgit Fenzel
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Ein Kranker in Indien hat im Fall der Qual die Wahl zwischen westlich geprägter Biomedizin und einer Reihe einheimischer Heilmethoden. So kann er sein Leiden mit ayurvedischen Ölungen, Nasenduschen oder Einläufen kurieren, sein Glück mit Globuli aus der klassischen Homöopathie oder Kräutersalben aus der Naturheilkunde versuchen. Vielleicht möchte er aber auch mithilfe einer von einem Siddha-Arzt bestimmten Therapie die aus der Balance geratenen Energien seines Körpers durch Erbrechen, Abführen oder warme Wickel wieder harmonisieren.
Der Patient kann zudem einen Spezialisten für Unani aufsuchen, der in Anlehnung an die griechische Säftelehre das aus dem Gleichgewicht geratene richtige Verhältnis von Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle wieder herbeiführt. Für besonders böse Fälle bieten Spezialisten ihre Dienste an, die eher ins Metaphysische reichen.
Ob bei einem Beinbruch eher der Chirurg konsultiert wird oder doch der Bannzauber eines Geistheilers gefragt ist, hängt nach Beobachtung der Ethnologin Gabriele Alex stark davon ab, welche Ursache für die Erkrankung angenommen wird, wie weit die jeweiligen Gesundheitsangebote vom Wohnort entfernt sind, und vor allem vom sozioökonomischen Status. „Im Grunde ist es nicht anders als bei uns, wo man versucht, bestimmte Unpässlichkeiten mit Hausmitteln zu kurieren, und erst bei ernsthafteren Erkrankungen zum Arzt geht.“
Wie freizügig viele Inder bei der Behandlung von Krankheiten Elemente aus verschiedenen Religionen mit moderner und traditioneller Medizin kombinieren, hat die Anthropologin Vibha Joshi Parkin bei den Angami im Nordosten Indiens beobachtet, die bei der Behandlung von Krankheiten je nach Gebrauch christliche, animistische oder andere religiöse Elemente mischen. Anders als Gabriele Alex, die sich als Mitarbeiterin der Gruppe um Steven Vertovec vor allem mit Fragen soziokultureller Vielfalt beschäftigt, gehört Joshi Parkin zur Abteilung von Peter van de Veer, die sich für Aspekte religiöser Pluralität interessiert.