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Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan H.E. Kaufmann

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Literatur

Stefan H.E. Kaufmann
Wächst die Seuchengefahr? Globale Epidemien und Armut: Strategien zur Seucheneindämmung in einer vernetzten Welt.

Aktuelles

Impfstoff-Kandidat soll künftig besser vor Tuberkulose-Infektionen schützen

Tuberkulose-Impfstoff besteht Phase-I-Studie

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Max-Planck-Forscher finden Biomarker, mit denen sie Tuberkulose-Patienten identifizieren können

Bio-Signatur der Tuberkulose

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Europäisches Parlament beschließt höchste Priorität für Tuberkulose-Forschung

Steigende Zahlen von Tuberkulose-Erkrankungen, immer mehr multiresistente Erregerstämme sowie fehlende neue Impfstoffe und Medikamente – das Ziel mancher Wissenschaftler, die Tuberkulose bis 2050 auszurotten, erscheint angesichts der aktuellen Situation äußerst ehrgeizig. [mehr]

Infektionsbiologie . Medizin

Neue Waffen gegen Tuberkulose

Besonders arme Länder benötigen Grundlagenforschung für ihre Gesundheitsversorgung

23. März 2011

Infektionskrankheiten wurden schon häufig als besiegt eingestuft - jedes Mal wurde diese Hoffnung jedoch widerlegt. Ein Beispiel ist die Tuberkulose (Tbc), unter der die Menschen seit Urzeiten leiden und die derzeit wieder auf dem Vormarsch ist. Krankheitserreger können wir nicht von der Erde verbannen; vielmehr werden unsere Interventionsmaßnahmen durch die Evolution der Erreger immer stumpfer. Bei der Tbc greifen wir heute noch auf Nachweismethoden, Impfstoffe und Medikamente zurück, die vor Jahrzehnten entwickelt wurden. Weil die Tbc heute in erster Linie in armen Ländern wütet, wurden Forschung und Entwicklung für neue Behandlungsmethoden lange Zeit sträflich vernachlässigt. Erst mit der Einsicht, dass die reichen Länder auch für Krankheiten, die mit Armut assoziiert sind, Verantwortung tragen und dass diese Krankheiten in einer globalisierten Welt letztlich auch uns bedrohen, kommen Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Tbc langsam wieder in Gang. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass diese Herausforderungen am besten durch Partnerschaften zwischen Forschungslabors der öffentlichen Hand und Entwicklungsabteilungen der Industrie gemeistert werden können. Von Erfolg gekrönt kann dies aber nur werden, wenn kreative Anreize geschaffen werden, die es ermöglichen, dass innovative Ergebnisse der Grundlagenforschung in den reichen Ländern zu Medikamenten heranreifen, die den Menschen in den armen Ländern helfen.

Text: Stefan H. E. Kaufmann

Irgendwann vor zehn bis zwanzigtausend Jahren wachte ein Mensch schweißgebadet unter Hustenanfällen auf, die in den darauf folgenden Tagen immer heftiger wurden. Der Kranke begann Blut zu spucken, nahm immer weniger Nahrung zu sich und verstarb bald darauf an Auszehrung. Zum ersten Mal war ein Mensch an Tbc erkrankt.

Tbc ist eine uralte Infektionskrankheit, die hunderte von Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat und bis heute zu den größten Gesundheitsbedrohungen der Menschheit zählt. Erste Hinweise auf Tbc finden sich in Knochenfunden aus dem Neolithikum ca. 5000 v. Chr. Erste echte Beschreibungen sind in 6000 Jahre alter Literatur Chinas und in 4000 Jahre alten religiösen Schriften Indiens nachzulesen. Auch die Bibel verweist mehrfach auf die Tbc. Mit modernsten gentechnologischen Methoden konnte in 4000 Jahre alten ägyptischen Mumien der Erreger der Tbc nachgewiesen werden.

Die Krankheit tritt in zwei völlig unterschiedlichen Formen auf. Einmal als Phthisis, die als Schwindsucht einen eher vergeistigten Eindruck weckt, der in der Romantik schon fast verherrlicht wurde. Bis heute ist dies die häufigste Form der Tbc. Zum anderen als Skrofulose, bei der die Befallenen unter Geschwüren leiden und daher auf ihre Umgebung abstoßend wirken. Dieses Krankheitsbild ist heute fast vollständig verschwunden.

 
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