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Publikationsreferenz

Martin Surbeck, Tobias Deschner, Grit Schubert, Anja Weltring, Gottfried Hohmann
Mate competition, testosterone and intersexual relationships in bonobos (Pan paniscus)

Verhaltensbiologie

Ungewöhnliches Erfolgsrezept bei Bonobos

Dominante Affenmänner investieren in freundschaftliche Paarbeziehungen

16. Januar 2012

Bei vielen Tierarten konkurrieren die Männer um weibliche Individuen. Während der Paarungszeit steigt ihr Testosteronspiegel, der aggressives Verhalten und maskulines Aussehen fördert. Bei den Bonobos hingegen wird viel in freundschaftliche Beziehungen zu den Weibchen investiert. Ein erhöhter Testosteronspiegel oder gesteigerte Aggressivität würden mit dem gesteigerten Paarbindungsverhalten kollidieren.
Bonobos bei der Fellpflege in Lui Kotale, Salonga Nationalpark, Demokratische Republik Kongo Bild vergrößern
Bonobos bei der Fellpflege in Lui Kotale, Salonga Nationalpark, Demokratische Republik Kongo

Bonobos gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen. Wie andere Menschenaffen leben sie in Gruppen mit mehreren Männchen und Weibchen. Anders jedoch als bei anderen Menschenaffenarten sind die Männchen den weiblichen Gruppenmitgliedern nicht generell überlegen und können diese auch im Kontext von Paarungsverhalten nicht dominieren. Diese Konstellation lässt vermuten, dass die Selektion für typisch maskuline Verhaltensmuster wie Aggression, Dominanzstreben und intrasexuelle Konkurrenz von antagonistischen Kräften gesteuert wird: Zum einen ist es von Vorteil, wenn sich Männchen erfolgreich gegen gleichgeschlechtliche Konkurrenten durchsetzen. Dies impliziert jedoch gesteigerte Aggression und hohe Testosteronwerte bei ranghohen Männchen. Zum andern ist denkbar, dass wegen der ausgeglichenen Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern Männer eher von freundschaftlichen Beziehungen zu den Weibchen profitieren. Studien an Vögeln und Nagertieren zeigen, dass Paarbindungsverhalten sowohl mit verringerter männlicher Aggressivität als auch mit niedrigen Testosteronwerten einhergeht.

In einer aktuellen Studie haben Martin Surbeck, Gottfried Hohmann, Tobias Deschner und Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden, dass bei freilebenden Bonobos ranghohe Männchen aggressiver waren und einen höheren Paarungserfolg hatten als niederrangige Männchen. Im Gegensatz zu anderen Arten bei denen die Männer heftig um den Zugang zu Weibchen konkurrieren, gab es jedoch keinen Zusammenhang zwischen Dominanzstatus, Testosteron und Aggression. Außerdem zeigte sich, dass ranghohe Männchen viel häufiger in freundschaftliche Beziehungen zu Weibchen investieren als rangniedere Gruppenmitglieder, ein Hinweis dafür, dass die freundlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern mit niedrigeren Testosteronwerten der Männer in Verbindung stehen.

„Die an Bonobos gewonnenen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass, ähnlich wie beim Menschen, zwischengeschlechtliche Freundschaften zu hormonellen Mustern führen können, wie sie von Arten bekannt sind, bei denen sich Männer aktiv an der Aufzucht der Jungen beteiligen oder wo die Geschlechter dauerhafte Paarbindungen eingehen“, sagt Martin Surbeck.

[MS/BA]

 
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