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Tranquilli S., Abedi-Lartey M., Amsini F., Arranz L., Asamoah A., Babafemi O., Barakabuye N., Campbell G., Chancellor R., Davenport T.R.B., Dunn A., Dupain J., Ellis C., Etoga G., Furuichi T., Gatti S., Ghiurghi A., Greengrass E., Hashimoto C., Hart J., Herbinger I., Hicks C.T., Holbech L.H., Huijbregts B., Imong I., Kumpel N., Maisels F., Marshall P., Nixon S., Normand E., Nziguyimpa L., Nzooh-Dogmo Z., Okon D., Plumptre A., Rundus A., Sunderland-Groves J., Todd A., Warren Y., Mundry R., Boesch C. & Kuehl H.
Conservation Letters, 8. Dezember 2011, doi: 10.1111/j.1755-263X.2011.00211.x

Sozialwissenschaften . Ökologie

Die Strafverfolgung von Wilderern schützt Menschenaffen effektiv

Eine Langzeitstudie beziffert erstmalig den relativen Einfluss von Artenschutz in 16 afrikanischen Ländern und zeigt, wie entscheidend die langfristige Präsenz von Strafverfolgung, Tourismus, Forschung und NROs für das Überleben von Schimpansen, Bonobos und Gorillas ist.

8. Dezember 2011

Aktuellen Studien zufolge verringert sich die Anzahl der afrikanischen Menschenaffen rasant. Viele Gebiete, in denen die Tiere vorkommen, werden kaum verwaltet und geschützt. In Zusammenarbeit mit Feldforschern und Verwaltern afrikanischer Nationalparks untersuchten Leipziger Max-Planck-Wissenschaftler, wie sich das Fehlen von Artenschutz-Bemühungen auf  Menschenaffen  auswirkt. Hierfür wurden während der letzten 20 Jahre Daten aus 109 Verwaltungsdistrikten in 16 ost-, west- und zentralafrikanischen Ländern erhoben. Eine langfristige Präsenz von lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und von Strafverfolgungsbehörden hatte einen messbar positiven Effekt auf Schimpansen, Bonobos und Gorillas.  Die nationale Entwicklung, die häufig als Motor für den Artenschutz bezeichnet wird, und eine hohe Bevölkerungsdichte haben sich hingegen negativ auf das Überleben der gefährdeten Menschenaffen ausgewirkt.
WCS-Forscher Deo Kujirakwinja (Mitte) bildet Zensus-Teilnehmer darin aus, wie sie Daten zu Gorilla-Nestern erheben können. Die Forscher berechnen die Bevölkerungsdichte der Gorillas, indem sie deren Nester und Kothaufen zählen. Bild vergrößern
WCS-Forscher Deo Kujirakwinja (Mitte) bildet Zensus-Teilnehmer darin aus, wie sie Daten zu Gorilla-Nestern erheben können. Die Forscher berechnen die Bevölkerungsdichte der Gorillas, indem sie deren Nester und Kothaufen zählen. [weniger]

„Zum Schutz der natürlichen Ressourcen, insbesondere zur Bekämpfung des Rückgangs der Wildtierbestände, ist es zwingend nötig,  effektive Maßnahmen umzusetzen“, ist Sandra Tranquilli vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie überzeugt. Wie erfolgreich verschiedene Schutzaktivitäten sind und wie sie sich über einen großen räumlichen und zeitlichen Rahmen hinweg auswirken, wurde bisher kaum beziffert. „Ein quantitativer Vergleich ist jedoch wichtig, um Natur- und Artenschutzstrategien gezielt zu unterstützen. Er wird im Hinblick auf den rasanten Rückgang vieler afrikanischer Menschenaffenpopulationen  dringend benötigt“.

Ihre Studie fokussierte auf vier verschiedene Schutzaktivitäten für  den gesamten afrikanischen Kontinent  und deren relative Bedeutung: den Einsatz von Strafverfolgungsbehörden (Wildhüter, Nationalpark-Agenten), den Tourismus, der Forschung und der Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen (NROs). Die Auswirkung dieser Maßnahmen wurde in 109 afrikanischen Verwaltungsdistrikten für den Schutz von Schimpansen, Bonobos und Gorillas, die in 16 ost- west- und zentralafrikanischen Ländern leben, über 20 Jahre (1990-2009) hinweg untersucht. Ergänzend dazu  hat die Langzeitstudie auch Umweltbedingungen und den Einfluss des Menschen sowie aktuelle Statusmeldungen zur Situation der Menschenaffen miteingeschlossen.

Demnach verringern langfristig angelegte Schutzaktivitäten die Wahrscheinlichkeit, dass Menschenaffen aussterben - je länger die Maßnahmen andauern, umso weniger wahrscheinlich sterben sie aus. „Die Ergebnisse erbringen den quantitativen Beweis, dass das Risiko für Menschenaffen dort am höchsten ist, wo Wildhüter- und Polizeipräsenz fehlen“, sagt Sandra Tranquilli. „Tourismus, Forschung und die Präsenz von und Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen vor Ort haben aber ebenfalls einen messbaren positiven Einfluss.“

 
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