Prof. Dr. Johannes Lelieveld
Max-Planck-Institut für Chemie, MainzTelefon: +49 6131 305-4040
Fax: +49 6131 305-4019
E-Mail: jos.lelieveld@mpic.de
22. September 2011
Text: Ganapati Mudur
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Wenn Bhola Ram Gurjar sein Forschungsobjekt aus dem Flugzeug sieht, ist er immer wieder fasziniert. Der Umweltchemiker wurde auf einem Bauernhof groß, auf dem Perlhirse angebaut und Schafzucht betrieben wurde. Der Hof lag in einem Dorf ohne Stromversorgung in der Nähe des Ranthambore-Forsts, eines Tigerschutzgebiets im Westen Indiens. Heute beschäftigt Gurjar sich mit Megacitys – Städten, die zehn Millionen Einwohner haben und mehr. Und wenn er sich im Landeanflug auf Delhi, Shanghai oder Los Angeles befindet, staunt er immer wieder über die Ausdehnung dieser Ballungszentren, die dicht gedrängten Gebäude, Verkehrsadern, Industriegebiete und Grünflächen.
„Moderne Städte gehören zu den Errungenschaften der Menschen“, sagt Gurjar. Doch bei allen Vorteilen, die Städte bieten, sie bringen auch gravierende Nachteile mit sich. So sei die Luft in einigen dieser gewaltigen Knotenpunkte menschlicher Aktivität hochgradig verschmutzt. „Städte sind großartige Lebensräume“, sagt Gurjar, „doch sie lassen sich noch verbessern, wenn wir derartige Probleme in den Griff bekommen.“ Dazu möchte der Umweltchemiker, der eine associate Professur am Indian Institute of Technology in Roorkee hält, beitragen.
Um die Luftverschmutzung und ihre Folgen in Millionenzentren zu erforschen, scheint Roorkee nicht gerade der geeignete Standort zu sein. Die Stadt im Vorland des Himalaja-Gebirges bringt es nicht einmal auf 150 000 Einwohner – für indische Verhältnisse also eine Kleinstadt. Größere, die Umwelt verschmutzende Industrie gibt es hier auch nicht. Doch auf Gurjars Desktop wimmelt es von Luftqualitätsdaten, sie machen die Luftverschmutzung von Peking, Neu-Delhi, Los Angeles und 15 weiteren Megacitys für Bhola Ram Gurjar greifbar.
Um in Megacitys die Luftqualität zu verbessern, hat Gurjar sich mit Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, zusammengetan. Gemeinsam haben sie Ri-MAP (Risk of Mortality-Morbidity due to Air Pollution) entwickelt: ein mathematisches Modell, das Vorhersagen trifft, wie viele zusätzliche Todesfälle ein bestimmter Grad der Luftverschmutzung fordert, verglichen mit einem Leben in sauberer Atmosphäre. Das Programm könnte Behörden in Megastädten überall auf der Welt helfen, die Luftqualität zu verbessern. Es ermöglicht ihnen nämlich, anhand verlässlicher Daten statt bloßer Mutmaßungen gezielte Maßnahmen zu planen, besonders gefährliche Schadstoffe zu reduzieren.