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Silvia Leek

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

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Publikationsreferenz

Saikia, N., Jasilionis, D., Ram, F., Shkolnikov, V. M. (2011)
Population Studies, Vol.65(1), pp. 73-89

Aktuelles

Partnerschaft mit Perspektive

Wissenschaft braucht die Wirtschaft, so wie die Wirtschaft die Wissenschaft braucht. Das Beispiel Indien zeigt einmal mehr, das wirtschaftlicher Erfolg vor allem auf Investitionen in Bildung und Forschung fußt. Von Peter Gruss

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Sozialwissenschaften

Die Aufholjagd bei der Lebenserwartung ist vorbei

Der Unterschied macht sichtbar, wie weit Indien noch hinter einem westlichen Land wie Deutschland zurück liegt. Aber die Ergebnisse von Saikia und ihren MPIDR-Kollegen zeigen auch, wie stark die Lebenserwartung seit 1970 auf dem Subkontinent gestiegen ist: Für indische Frauen kletterte die befristete Lebenserwartung seit den 70ern innerhalb von drei Jahrzehnten um fast neun Jahre, das sind über 20 Prozent. Die der deutschen Frauen legte derweil nicht einmal um zwei Jahre zu – ein Plus von gerade einmal drei Prozent.

Während die vermeintlich kleinen deutschen Zuwächse für ein entwickeltes Land normal sind, hat Indien wesentlich größere Zugewinne bitter nötig. Denn Deutschland gehört international zur Führungsriege der Länder mit niedriger Sterblichkeit, Indien  landet in der 193 Länder umfassenden Liste der Vereinten Nationen auf Platz 145. Vor 60 Jahren lag es noch auf Rang 160, die Asiaten haben also früher überdurchschnittliche Fortschritte gemacht. Doch seit Mitte der Neunziger ist die Aufholjagd vorbei. Immerhin: Der Subkontinent ist nicht wieder in der Rangliste zurückgefallen.

Ein schwacher Trost, glaubt Nandita Saikia. „Für Indien als Ganzes verbessern sich zwar alle demografischen Indikatoren“, sagt die Demografin. Doch die entscheidende Frage sei: „Sind wir in der Lage, die krassen Ungleichheiten im Land auszugleichen?“ An deren Ausmaß lassen ihre Berechnungen der befristeten Lebenserwartung keinen Zweifel: Um bis zu acht Jahre unterschied sich die BLE für Männer aus unterschiedlichen indischen Regionen im Zeitraum 2000 bis 2004. Für Frauen waren es sogar elf.

Obwohl sich die regionale Kluft in den letzten 30 Jahren statistisch gesehen halbiert hat, bleibt sie groß. Zum Vergleich: Zwischen den deutschen Bundesländern unterscheidet sich die Lebenserwartung bei Geburt für Männer derzeit um etwa dreieinhalb Jahre, für Frauen um gut zwei.

Inder aus dem Nordosten sterben früher

Nandita Saikia glaubt, dass die Ungleichheiten noch größer sind, als der einfache Regionenvergleich suggeriert. So lebe eine Frau im ländlichen Madhy Padesh zum Beispiel durchschnittlich 21 Jahre weniger als eine in der Stadt in Kerala. „Könnten wir die Lebenserwartung nicht nur nach Region, sondern nach Wohnort und sozio-ökonomischem Status berechnen, wie Wohlstand, Religion und Kastenzugehörigkeit, dann wäre die Schere noch größer“, sagt die Inderin.

Auch das regionale Muster, das sich aus ihren Daten lesen lässt, ist der Wissenschaftlerin noch nicht genau genug. Es bestätigt die Ergebnisse früherer Studien: Die Lebenserwartung ist im wohlhabenderen und gebildeteren Südwesten Indiens tendenziell höher als im Nordosten. Doch das Bild ist nicht eindeutig: So übersteigt die BLE in den nördlichen Regionen Punjab und Himachal Pradesh deutlich die anderen Durchschnittswerte im Norden.

Viel mehr solcher Unregelmäßigkeiten ergäben sich, wenn man die Lebenserwartung nicht nur für Regionen, sondern für einzelne Distrikte berechnen könnte, vermutet Nandita Saikia. Das recht einheitliche Bild der Regionalstatistik könnte dann zu einem unübersichtlichen Flickenteppich werden.

Doch genau den müsse man sichtbar machen und erforschen, um gezielt bewerten zu können, wo die Defizite in der indischen Entwicklung liegen. „Wir brauchen lokale Daten“, sagt Demografin Saikia, „um herauszufinden, warum der Fortschritt an so vielen Stellen stagniert, obwohl die Regierung viel in Hilf- und Entwicklungsprogramme investiert.“

 
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