Ansprechpartner

Prof. Svante Pääbo

Direktor Abteilung Evolutionäre Genetik
Telefon:+49 341 3550-500Fax:+49 341 3550-555

Max Planck films

The Neandertal, the enigmatic Stone Age man who appears to have vanished without a trace from the earth 30,000 years ago, lives on in modern humans.

Verwandte Artikel

Evolutionsbiologie . Genetik

Was macht uns einzigartig?  

Für Svante Pääbo sind aber noch ganz andere Dinge wichtig: „Wir können jetzt einen Katalog erstellen, in dem jene Veränderungen unseres Genoms zu finden sind, die uns wirklich einzigartig machen. Die uns nicht nur vom Schimpansen unterscheiden, sondern auch von unserem nächsten Verwandten.“ Die Alleinstellungsmerkmale der Spezies Homo sapiens sozusagen, all die genetischen Einzigartigkeiten, die sich in den vergangenen 300.000 Jahren in unserem Genom fixiert haben. Mehr als 200 solcher Bereiche haben die Forscher schon gefunden. Die wichtigsten 20 finden sich auch im Science-Artikel. „Das sind die Bereiche, die mich am meisten faszinieren“, sagt Pääbo.

Nachgestellte Neandertaler-Szenerie auf der Krempe eines Doktorhutes:  Die Gene der Neandertaler werden uns in Zukunft viel über ihr Leben  verraten. Bild vergrößern
Nachgestellte Neandertaler-Szenerie auf der Krempe eines Doktorhutes: Die Gene der Neandertaler werden uns in Zukunft viel über ihr Leben verraten. [weniger]

Noch ist es zu früh, um konkrete Aussagen zu machen; es sind eher vage Andeutungen. Da gibt es Gene, die mit kognitiver Entwicklung zu tun haben. Mutationen in diesen Genen stehen beim Menschen im Zusammenhang mit Schizophrenie und Autismus. „Das heißt jetzt aber nicht, dass Neandertaler diese Krankheiten hatten“, warnt Svante Pääbo. Aber es gibt auch das Gen RUNX2. In seiner mutierten Variante führt es beim Menschen zu Cleidocranialer Dysostose, bestimmten Verformungen im Skelett: Der Brustkorb wird glockenförmig, die Schulterknochen verändern sich und – der Augenbrauenwulst verdickt sich. Sieht fast aus wie das Skelett, das hinter Svante Pääbo steht. Doch der Paläogenetiker wiegelt ab: „Nein, das wäre zu einfach“, sagt er und lacht.

So leicht kann es nicht sein, die Unterschiede zwischen Mensch und Neandertaler zu offenbaren. Manchmal vielleicht doch? Die Hauptsache ist, dass es jetzt überhaupt möglich ist. Wir werden dem genetischen Geheimnis wieder ein Stück näherkommen, das uns zum Homo sapiens macht – indem wir uns in unserem nächsten Verwandten spiegeln. Die Wissenschaftler haben mit ihrer Arbeit gerade erst begonnen.                                                                                     

 

GLOSSAR

Mitochondrien
Von einer Doppelmembran umschlossene Zellorganellen mit eigener Erbsubstanz (mtDNA), deren Aufgabe es ist, die Zelle mit Energie in Form von ATP zu versorgen. Mitochondrien werden nicht neu gebildet, sondern gehen durch Teilung auseinander hervor. Sie sind vermutlich in einem frühen Stadium der Evolution entstanden, indem sich eukaryotische, also kernhaltige Zellen Bakterien einverleibt und diese umfunktioniert haben (Endosymbiose).

Nukleobasen
Die Grundbausteine der DNA und RNA sind die Nukleotide. Sie setzen sich aus einem Phosphatrest, einem Zuckerbaustein sowie einer der fünf Nukleobasen Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C), Thymin (T) oder Uracil (U) zusammen. Letztere sind die Buchstaben des genetischen Codes und bilden die jeweilige Sequenz.

Hochdurchsatz-Sequenzierung
Innerhalb kurzer Zeit kann die Buchstabenfolge von immer mehr genetischenAbschnitten ausgelesen werden. Das führt zu einem enormen Anstieg bei der Erzeugung von Sequenzdaten und gleichzeitig zur Reduktion von Kosten. Ganze Genome werden sich in absehbarer Zeit für einige tausend Euro sequenzieren lassen.

 
loading content