Überschrift

Dr. Dalia Amor Conde

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock
Telefon:+49 381 2081-267

Alexander Scheuerlein

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock
Telefon:+49 38 1208-1212
<p>Indem sie Tiere bedrohter Populationen züchten, können Zoos einen größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.</p>

Artenschutz: MPI-Forscher fordern stärkere Rolle der Zoos

17. März 2011

Indem sie Tiere bedrohter Populationen züchten, können Zoos einen größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

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Video (englisch)

BaSTA - analyzing mortality in wild animals

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Ökologie

Demografie für den Artenschutz

Die eigentlich auf den Menschen zugeschnittene Disziplin ergründet mit statistischen Verfahren, wie sich Bevölkerungen entwickeln. Sie beschäftigt sich mit Altersstrukturen, Geburten und Sterblichkeit sowie den Umwelt- und Sozialfaktoren, welche die Bevölkerung verändern. Alles Dinge, die auch für Populationen von Tieren gelten. Deshalb betrachtet Dalia Conde das Aussterben einer Art als demografischen Prozess. Die flexiblen Fruchtbarkeits- und Sterblichkeitsraten führen nämlich dazu, dass die Populationen einer Art immer kleiner werden. Wenn viele Populationen schrumpfen, verschwindet irgendwann die ganze Spezies. „Um Arten mit Management-Programmen effektiver schützen zu können, müssen wir die demografischen Prozesse dieser Arten verstehen“, sagt Conde.

Feldforschung im Regenwald: GPS-Daten verraten Dalia Amor Conde, in welchem Habitat-Typ sie sich gerade befindet. Bild vergrößern
Feldforschung im Regenwald: GPS-Daten verraten Dalia Amor Conde, in welchem Habitat-Typ sie sich gerade befindet.

Ein Beispiel: Seit einigen Jahren bereits berechnen Biologen mit der sogenannten Populationsgefährdungsanalyse (population viability analysis) die Wahrscheinlichkeit, dass eine Population nach einer bestimmten Zeit ausstirbt. In die Schätzung fließen demografische Faktoren ein: Wie hoch etwa ist die Sterblichkeit einer Spezies im Verlauf ihres Lebens? Wie viele Junge bekommt sie, wie hoch ist also die Fruchtbarkeit? Immer wieder aber stellen Kritiker die Methode infrage, da sie nur verlässliche Ergebnisse liefert, wenn sie mit realistischen Daten gefüttert wird. „Doch viele der Analysen basieren aus Mangel an Daten nur auf vagen Expertenmeinungen zu einer Art“, sagt Alexander Scheuerlein.

Der Biologe hat deshalb ein Projekt namens DatLife gestartet – eine digitale Plattform, die systematisch die weltweit verfügbaren demografischen Informationen über alle bekannten Tierarten sammelt, die jemals veröffentlicht wurden. Sie führt vor Augen, auf welch dünnem wissenschaftlichem Fundament viele Daten stehen. So beruhen manche Schätzungen über die maximale Lebenszeit einer Art nur auf einem Individuum.

Nur von einem Prozent der Amphibien, sieben Prozent der Reptilien, 14 Prozent der Vögel und 23 Prozent der Säugetiere wissen die Forscher überhaupt, wie alt sie höchstens werden können. „Viel zu wenig“, kommentiert Scheuerlein, „und die maximale Lebensspanne sagt für eine Gefährdungsanalyse noch nicht viel aus.“ Noch schlechter steht es um andere demografische Daten. Selbst bei den Säugetieren sind gerade mal für zwei Prozent der Arten die elementaren Informationen bekannt. Der Grund für die Misere ist simpel: Die Erlebnisse der Max-Planck-Forscher beim Einfangen der Jaguare machen deutlich, wie schwer sich demografische Daten in der Wildnis erheben lassen. Seit zwei Jahren arbeiten sie deshalb an einer Alternative: zoologische Gärten.

 
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