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Dr. Björn M. Siemers

Head of Max Planck research group Sensory Ecology
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Verhaltensbiologie

Fledermäuse haben einen Magnet- und Sonnenkompass

15. September 2010

Das weiß mittlerweile jedes Kind: Fledermäuse sehen mit den Ohren. Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Richard Holland vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell zeigen, dass sich die Tiere auch am Magnetfeld der Erde orientieren, ihren inneren Kompass am Sonnenuntergang justieren – und noch weitere Überraschungen für die Forschung bereithalten.

Text: Susanne Wedlich

Fledermäuse nutzen die Echoortung zur Jagd und Orientierung. Große  Mausohren (Myotis myotis) orten Insekten im Gras akustisch an ihren  Krabbelgeräuschen. Bild vergrößern
Fledermäuse nutzen die Echoortung zur Jagd und Orientierung. Große Mausohren (Myotis myotis) orten Insekten im Gras akustisch an ihren Krabbelgeräuschen. [weniger]

Eingefleischte Horrorfans sind sich der Gefahr längst bewusst: Vampire lassen sich kaum aufhalten. Knoblauch hilft nur vorübergehend, und wer einen Holzpflock ins untote Herz jagen will, muss sich erst einmal nahe genug herantrauen. Nicht selten ist der anbrechende Tag die letzte Hoffnung. Denn wenn man den Mythen Glauben schenken kann, zerfallen Vampire im Sonnenlicht zu Staub. Das angeblich tierische Pendant der menschlichen Blutsauger allerdings verträgt Sonnenstrahlen nicht nur hervorragend, es ist sogar auf sie angewiesen: Mithilfe des Sonnenuntergangs justieren Fledermäuse nämlich ihren inneren Kompass. So können sie sich schließlich am Magnetfeld der Erde orientieren.

Dass auch Fledermäuse diese Fähigkeit besitzen, wurde allerdings erst vor Kurzem entdeckt. Der Nachweis hat möglicherweise so lange auf sich warten lassen, weil das Augenmerk der Forscher in erster Linie auf dem einzigartigen Hauptsinn der fliegenden Säuger liegt: Wie seit den 1940er-Jahren bekannt, nutzen Fledermäuse die Echoortung zur Jagd und zur Orientierung. Kurz gesagt: Die Tiere sehen mit den Ohren. Sie stoßen Rufe im für den Menschen unhörbaren Ultraschallbereich aus und lauschen auf das zurückkehrende Echo. Trifft der Schall auf ein Hindernis, wie etwa ein Beutetier, wird er reflektiert.

Die Fledermäuse können daraus wichtige Informationen ableiten. So kommt etwa das Echo schneller zurück, wenn das Hindernis nahe gelegen ist. Erreicht der reflektierte Schall das eine Ohr leiser als das andere, lässt das auf die Richtung schließen, in der sich das Objekt befindet.

 
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