Es würde eine ganze Bücherreihe erfordern, um die Leistungen der tierexperimentellen Forschung für die Medizin aufzuzählen, aber zumindest einige Beispiele möchte ich nennen. Der ein oder andere mag sich noch an den Slogan erinnern „Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam“. Erst mit der Möglichkeit der Impfung gegen Polio hat diese Krankheit für uns ihren Schrecken verloren. Ende des 19. Jahrhunderts waren noch jährlich tausende Menschen betroffen, darunter vor allem Kinder, die daran verstarben oder dauerhaft mit körperlichen Folgeschäden leben mussten. Neben einer Vielzahl von Impfstoffen wäre auch der Einsatz von Antibiotika gegen mikrobielle Krankheitserreger ohne tierexperimentelle Forschung nicht vorstellbar. Und auf die Errungenschaften der Medizintechnik von der Bluttransfusion über die Organtransplantation bis hin zur Operation am offenen Herzen, koronare Bypass-Operationen oder das Einsetzen künstlicher Herzklappen müssten wir heute ebenfalls verzichten.
Die aktuelle Forschung an Tieren gibt zahlreichen Menschen Hoffnung, die an Krankheiten wie Krebs, Diabetes, verschiedenen Infektionskrankheiten, AIDS, Mukoviszidose, Parkinson, Amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder Alzheimer leiden. Sie ist wichtig und dient dem Wohl der Menschen. Wo immer möglich, werden Tierversuche durch Alternativmethoden ersetzt. Und so hat die Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden in der Forschung einen hohen Stellenwert. Alle deutschen Wissenschaftsorganisationen, einschließlich der Max-Planck-Gesellschaft, unterstützen aktiv das Ziel, Tierversuche soweit wie möglich zu reduzieren. Trotzdem müssen wir auch akzeptieren, dass Fragen zu komplexen systemischen Eigenschaften eines Organismus nicht an isolierten Geweben oder mit Hilfe von Computersimulationen untersucht werden können. Ohne Tierversuche kann daher das Potenzial der biomedizinischen Forschung, schwere Krankheiten behandelbar und damit erträglicher – unter Umständen eines Tages sogar heilbar zu machen –, nicht realisiert werden.