
Das 2005 gegründete Partner Institute for Computational Biology ist rechtlich und administrativ gesehen ein Institut der Chinese Academy of Sciences (CAS). Organisatorisch gehört es zu den Shanghai Institutes for Biological Sciences (SIBS), dem größten biowissenschaftlichen Campus der CAS. Es ist aber nach dem Vorbild der Max-Planck-Institute aufgebaut und wird, wie diese, alle zwei Jahre durch einen international besetzten Fachbeirat evaluiert. Damit soll die hohe Qualität der wissenschaftlichen Arbeit sichergestellt werden.
Das Institut ist ein Pilotprojekt für ein institutionelles Engagement der Max-Planck-Gesellschaft in China. In seiner Aufbauphase (2005-2012) wird es zu einem Drittel aus Mitteln der Projektförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Zwei Drittel des Institutsetats trägt die CAS. Nach 2012 wird sich die Max-Planck-Gesellschaft gezielt mit Programmen zur Nachwuchsförderung und wissenschaftlichen Projekten der Max-Planck-Institute engagieren. Die Grundfinanzierung des PICB wird die CAS übernehmen.
Das Institut arbeitet an der Schnittstelle zwischen Biologie, Theorie und Modellbildung. Von Interesse ist insbesondere die Nachbildung komplexer Vorgänge in molekularen Netzwerken und Zellsystemen mit Hilfe von Computer-gestützten Rechenmethoden. So kann die Simulation komplexer zellulärer Abläufe zu einem tieferen Verständnis von Prozessen in menschlichen Organen und letztlich auch zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen. Der Forschungsansatz ist sehr breit gefasst und berührt Felder wie Evolutionsbiologie, Genomanalyse, Populationsgenetik, Mathematik, Statistik sowie die Entwicklung von Rechenalgorithmen und die rechnergestützte Neurobiologie.
Gründungsdirektor des Instituts ist der Mathematiker Andreas Dress (Department of Combinatorics and Geometry). Sein wissenschaftliches Interesse gilt neben der molekularen Evolution vor allem der Proteomik - der Erforschung aller Proteine in einer Zelle, einem Gewebe oder Organismus.
Am 1. September 2010 hat die Genetikerin und Bioinformatikerin HAN Jingdong (Department of Molecular Systems Biology) seine Nachfolge als Leiterin des Instituts angetreten. Nach wesentlichen Beiträgen zur Aufklärung des Netzwerkes der Proteininteraktionen, konzentriert sich ihre Arbeit nun auf das Studium der Netzwerke von Genen, die in der Entwicklung und im Alternsprozess eines Organismus wichtig sind.
Der chinesische Populationsgenetiker JIN Li (Department of Computational Genomics), der zugleich auch Vizepräsident der renommierten Fudan University in Shanghai ist, beschäftigt sich vor allem mit der molekularen Evolution menschlicher Populationen. Sein Ziel: eine genetische Basis für weltweite Seuchen zu identifizieren.
Martin Vingron (Department of Regulatory Genomics), Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin, ist seit 2006 als kommissarischer Direktor am PICB tätig, wo er eine Gruppe leitet, die sich mit Genregulation, Signaltransduktionen und genetischen Netzwerken beschäftigt.
Klaus Gerwert (Department of Biophysics) leitet hauptamtlich das Institut für Biophysik an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2009 arbeitet er am PICB primär an Mechanismen, die die Faltung von Proteinen bestimmen, an ihren Reaktionen und Interaktionen sowie an Protein-Netzwerken in Zellen.