Stühlerücken für mehr Zukunftschancen

Stühlerücken für mehr Zukunftschancen

Beim Speed-Informing treffen Doktoranden auf Alumni – und erfahren, wie unterschiedlich Karriere sein kann. Die Veranstaltungsreihe funktioniert ein wenig wie Speed-Dating, doch es wird nicht geflirtet, sondern über Karriere diskutiert. Doktoranden lernen dabei im Zehnminutentakt Alumni kennen. Zehn Max-Planck-Institute haben bisher an der Reihe teilgenommen.

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Doktoranden und Alumni beim Speed-Informing.
Doktoranden und Alumni beim Speed-Informing.

Der Hausmeister stutzt. Der Hörsaal des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin ist eigentlich bestens vorbereitet für eine Infoveranstaltung zur Karriereförderung. Doch nun sollen die Stühle raus, damit Platz entsteht – für Papphocker. Blau und rot, zusammengefaltet äußerst stabil. Sie werden auf dem blauen Teppich in Kreisen aufgestellt, für fünf Grüppchen, die sich kennenlernen sollen. Ähnlich wie beim Speed-Dating, nur eben nicht, um einen Seitensprung oder die große Liebe zu finden, sondern Karrierechancen auszuloten. Ein Angebot für Doktoranden des Max-Planck-Instituts, die sich extra angemeldet haben – und nicht nur Spaß haben werden bei dem, was kommt. sondern auch Zukunftswissen mitnehmen.

Zwei Stunden nach dem Papphocker-Manöver geht es los, die 30 Teilnehmer wissen nicht viel, nur, dass sie beim Speed-Informing dabei sind, einem neuen Veranstaltungsformat zum Thema „Wege in den Beruf – was kommt nach Max-Planck?“. So stand es auf den Flyern. Doktoranden treffen dabei auf Alumni der Max-Planck-Gesellschaft, bei diesem Format vor allem jene, die nach der Promotion außerhalb der Wissenschaft arbeiten. Damit sich die Doktoranden bereits vorher ein Bild machen konnten, erhielten sie die individuellen Karrierewege als Paper zugeschickt. Im Gegenzug beantworteten sie Fragen über ihre Vorstellungen für das Berufsleben.

Die vielfältige Karrieresituation spiegelt sich auch in der Auswahl der Alumni wider: Eine Patentanwältin, zwei Selbstständige, eine Geschäftsführerin eines integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums an einem Uniklinikum sowie ein Leiter für Marketing und Medizin in einer Pharmafirma sind in ihr altes Institut zurückgekommen, um Rede und Antwort über ihre jeweiligen Karrierewege außerhalb der Wissenschaft zu stehen. Jetzt kommen wieder die Papphocker ins Spiel. Jeder Alumni besetzt einen Sitzkreis, dann geht es los: Maximal sechs Doktoranden können pro Runde einen Ehemaligen befragen. Nach einem gellenden Pfiff fangen die Speed-Informing-Gespräche an. Zehn Minuten hat jede Gruppe Zeit, bevor sie erneut von einem gellenden Pfiff aufgeschreckt wird. Dann rotieren die Doktoranden zum nächsten Sitzkreis und so zum nächsten Alumnus. Die Atmosphäre dabei ist locker, immer wenn die Gespräche laufen und die Uhr für zehn Minuten tickt, sind die 30 jungen Nachwuchswissenschaftler aber hoch konzentriert, verfolgen gespannt die Erzählungen ihrer Vorgänger, können gezielt nachfragen. Immer wieder machen sie Notizen, um Details festzuhalten.

Der Plan, alle miteinander in Kontakt zu bringen, geht auf. Zwar klagen einige Doktoranden nach einer Stunde und dem endgültigen Abpfiff ein wenig über das Gellen der Trillerpfeife, das sie aus ihrer Konzentration gerissen hat, aber sonst sind alle begeistert. Die Gespräche gehen beim anschließenden Get-together gleich weiter. „Ich habe versucht, den jungen Leuten Mut zu machen“, sagt Wolfgang Kapfer, ehemaliger Doktorand und jetzt Marketingleiter bei Sanofi-Aventis, „dass sie sich selbstbewusst mit erhobenem Kopf bewerben können, weil sie bei Max-Planck promoviert haben. Gerade am Anfang ist dies ein wichtiges Aushängeschild.“ Dass die Pressestelle der Generalverwaltun diese Reihe, immer in Zusammenarbeit mit den Pressereferenten des jeweiligen Instituts, initiiert hat, findet er gut. Solche Angebote, das berichten andere Alumni, hätten auch sie gern in ihrer Promotionszeit gehabt.

Insgesamt sechs Institute haben an der ersten Speed-Informing-Staffel teilgenommen. „Überall war die Begeisterung für dieses neue Format sichtbar“, sagt Christina Beck, Leiterin der Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation in der Generalverwaltung nach Auswertung der Feedbackbögen. „Das Speed-Informing war ein total motivierender und inspirierender Abend für mich“, schreibt eine Teilnehmerin. Es sei wesentlich informativer gewesen, zehn Minuten mit allen Alumni sprechen zu können, als in Vorträgen bei den üblichen Karriereveranstaltungen zu sitzen. „Ich konnte die mir wichtigen Fragen stellen und bekam Einblick in die Welt außerhalb der Wissenschaft.“ Weitere Veranstaltungen sind geplant– künftig auch mit Alumni, die ihre Karriere in der Wissenschaft fortgesetzt haben. Diese Anregung ging auch aus den Feedbackbögen hervor. Insgesamt aber bestätigt sich, dass der Schwerpunkt richtig gesetzt ist. Schließlich, so schreibt ein Doktorand, „ist es viel einfacher, Nachwuchsgruppenleiter kennenzulernen, als Kontakte zu Leuten außerhalb der Wissenschaft aufzubauen.“

cka/bia

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