Kreativität und Intuition

Über Gunter Sachs ist viel geschrieben worden – er ist  berühmt als erfolgreicher Modeschöpfer, Sportler, Unternehmer, Kunstsammler, anerkannter Filmemacher und Fotograf. Aber es gab Seiten, die in der Öffentlichkeit weniger bekannt waren als sein Jet-Set-Leben.

Gunter Sachs konnte sich für vieles begeistern. Er fragte nach, wo es ihn interessierte, und nie gab er sich mit einfachen Antworten zufrieden. Seine Freunde, Kollegen und Geschäftspartner waren immer wieder beeindruckt von seiner nicht nachlassenden Energie und seinen klaren Vorstellungen.

Als junger Mann hatte Gunter Sachs Mathematik und, auf Wunsch des Vaters, Betriebswirtschaft studiert. 1995 gründete er ein 'Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie'. Und Wissenschaftler würdigten Sachs' Verdienst, "die Einsicht verbreitet zu haben, dass astrologische Hypothesen, ebenso wie andere wissenschaftliche Aussagen, empirisch überprüfbar sind – mit den Methoden der mathematischen Statistik als Hilfsmittel".

(…) nicht weil ich sehr daran glaubte, sondern weil ich es wissen wollte. Aus Neugier.

- Gunter Sachs

Nicht sehr bekannt ist auch sein Engagement für die medizinische Grundlagenforschung. Gunter Sachs unterstützte nicht nur das renommierte Salk Institute in San Diego, sondern über lange Zeit auch die Max-Planck-Gesellschaft. Er gehört dem Kuratorium des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München an und war eng befreundet mit dessen ehemaligem Direktor Florian Holsboer. In seinem Testament bedachte Sachs das Institut mit einem großzügigen Nachlass, mit dessen Hilfe das Gunter-Sachs-Labor eingerichtet werden konnte. Dieses Labor eröffnete dem Institut neue Möglichkeiten, die genetischen Ursachen psychischer und neurologischer Erkrankungen zu erforschen. Hier versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Veränderungen auf dem Erbgut zu entschlüsseln, die durch äußere Einflüsse entstanden sind. Derartige Analysen, die sich mit dem Wechselspiel aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen auseinandersetzen, sind technisch aufwendig. Durch die großzügige Zuwendung war das Institut nun in der Lage, dieses Thema mit sehr guter Erfolgsaussicht zu bearbeiten.

Gunter Sachs war ein kreativer, gefühlsgeleiteter Mensch. Und so erfasste er schnell, dass auch Forschende Intuition und kreativen Freiraum brauchen, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Diese Freiheit aber kostet Geld – Umwege oder gar Misserfolge sind nicht ausgeschlossen. Mit Testamentsspenden, wie Gunter Sachs sie der Max-Planck-Gesellschaft zugedacht hat, kann dieses Prinzip weiter verfolgt werden. Seine Witwe Mirja schrieb dazu: "Er war davon überzeugt, dass das Geld bei der MPG gut angelegt ist und dass von hier aus wichtige Erkenntnisse zugunsten der Menschheit gewonnen und umgesetzt werden."

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