Martin Binder erhält Deutschen Studienpreis

Der Evolutionsökonom aus Jena wird von der Körber-Stiftung für seine Dissertation zu einem neuen Wohlfahrtsmaß ausgezeichnet

4. August 2010

Martin Binder vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik erhält für seine an der Friedrich-Schiller-Universität Jena vorgelegte Doktorarbeit den Deutschen Studienpreis 2010. Mit diesem Preis ehrt die Körber-Stiftung jedes Jahr junge Wissenschaftler, die sich Forschungsthemen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung annehmen. Martin Binder erhält die Auszeichnung für seine Studien zu einer neuen Theorie von Wohlfahrt und gesellschaftlichem Fortschritt jenseits des rein finanziellen Erfolgs. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert.

Der 32-jährige Martin Binder erhält den Deutschen Studienpreis 2010. Die Körber-Stiftung zeichnet seine Dissertation über ein neues Wohlfahrtsmaß aus. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Seine exzellente Doktorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das Pro-Kopf-Einkommen noch ein passendes Maß ist, um den Wohlstand einer Gesellschaft zu ermitteln. "Im Grunde habe ich ein alternatives Wohlfahrtsmaß zum herkömmlichen Ansatz in der Volkswirtschaft entwickelt", sagt Martin Binder. "In den letzten zwei Jahrhunderten haben die westlichen Volkswirtschaften ja ein enormes Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens erlebt, hauptsächlich hervorgerufen durch Innovationen: von der Dampfmaschine über den Computer zur Biotechnologie." Allerdings war dieses Wachstum ungleichmäßig in der Bevölkerung verteilt und zudem weitgehend unvorhersehbar. "Damit ist das Pro-Kopf-Einkommen kein passendes Maß mehr für die Wohlfahrt und den Fortschritt einer Gesellschaft."

Martin Binder stellt dem statischen Wohlfahrtskonzept in der Volkswirtschaft ein realistischeres Menschenbild entgegen. Sein Ansatz sieht den Menschen nicht mehr nur als ein Bündel von Präferenzen und mit "Herkulischer" Rationalität versehen, sondern als ein lernendes Individuum, das Fehler macht und seine Vorlieben im Lauf der Zeit erst entdeckt und dann verändert. Für diesen Ansatz hat der Ökonom auch Erkenntnisse der Psychologie und der Neurowissenschaften berücksichtigt und so ein plausibles hedonistisches Wohlfahrtsmaß entwickelt - eine Theorie des Genießens und Leidens. "Was macht uns glücklich, und warum?", sind dabei die zentralen Fragen.

Mit diesem neuen Maß ist der Max-Planck-Forscher nun auch in der Lage, Wohlfahrt dynamisch zu betrachten: Wie funktioniert die Anpassung und Gewöhnung an Freuden und Leiden? Wie passen wir uns zum Beispiel an Arbeitslosigkeit an, oder warum werden wir vielleicht reicher, aber dadurch nicht unbedingt glücklicher? Eine inhaltlich reiche und dynamische Wohlfahrtstheorie kann damit auch als fundierte Grundlage für (wirtschafts-)politische Empfehlungen dienen.

Neben Martin Binder werden in diesem Jahr auch die Juristin Angela Kolbe sowie der Geologe Hauke Marquardt von der Körber-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis wird am 23.November 2010 durch den Schirmherrn des Wettbewerbs, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), überreicht.

Biografisches:

Martin Binder wurde 1978 in Ottweiler geboren. Nach Abschluss seines Studiums der Philosophie und Betriebswirtschaft in Aachen wechselte er 2004 in die von Prof. Ulrich Witt geleitete Abteilung Evolutionsökonomik des Max-Planck-Institutes für Ökonomik in Jena. Seine wissenschaftlichen Interessen umfassen unter anderem die Evolution von Präferenzen, evolutionäre Wohlfahrtsökonomik sowie die Methodologie der Ökonomik.

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