Adolf Harnacks Denkschrift für eine Reform der deutschen Wissenschaft

1909

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Foto: Der Theologieprofessor Adolf v. Harnack, Archiv der Max-Planck-Gesellschaft.

1909 richtete der Berliner Theologieprofessor Adolf Harnack einen Appell an Kaiser Wilhelm II. Als enger kaiserlicher Berater, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor der renommierten Königlichen Bibliothek war Harnack einer der innovativsten und einflussreichen Wissenschaftsmanager seiner Zeit. Seine Denkschrift skizziert eine umfassende Reform des Wissenschaftssystems. Kern war Harnacks Vorschlag, ergänzend zu den Universitäten unabhängige Forschungsinstitute einzurichten. Sie sollten spezialisierte Grundlagenforschung betreiben, vor allem in den Naturwissenschaften. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts rasante Industrialisierung hatte gezeigt, dass viele neue technische Probleme nur mit größerem Wissen über chemische oder physikalische Grundlagen zu lösen waren. Auch Biologie und Medizin machten Fortschritte. Harnacks Schrift bahnte den Weg zu Strukturen, die noch heute die deutsche Forschung auszeichnen und moderne Spezialforschung und Großforschung ermöglichten. Um sie umzusetzen, schlug Harnack die Gründung einer neuartigen Forschungsgesellschaft zur Förderung der Wissenschaft vor: Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

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