"Ich möchte den Standard einer weltweit führenden Spezialbibliothek auf Dauer sichern und den Service in enger Rückkopplung zu den Wissenschaftlern permanent verbessern."

"Ich möchte den Standard einer weltweit führenden Spezialbibliothek auf Dauer sichern und den Service in enger Rückkopplung zu den Wissenschaftlern permanent verbessern."

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Peter Weber leitet die Bibliothek am Max-Planck-Institut für geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht in München

Was zeichnet die Bibliothek an Ihrem Institut aus?

Weber: Wir haben zu beinahe allen Ländern Literatur mit Bezug zu unseren Forschungsgebieten. Die Sammlung beginnt bei Ägypten, endet mit Zimbabwe und variiert zwischen wenigen Titeln bis hin zu mehreren Tausend Bänden. Insgesamt befinden sich in unserem Bestand derzeit 220.000 Bücher. Keine Publikation unserer Fachbereiche soll man vermissen. Schließlich ist die Bibliothek für unsere Wissenschaftler ihr Labor, und da sie im weltweiten Vergleich sehr gut ausgestattet ist, wirkt sie als Magnet auf Wissenschaftler aus allen Regionen der Erde.

Außerdem ist die Entwicklung für unsere Bibliothek sehr dynamisch. Erst 2009 wurde durch die Erweiterung des Instituts um die Abteilung Finanzwissenschaft auch der Sammelauftrag der Bibliothek entsprechend erweitert.

Sie haben Jura studiert. Wie kamen Sie zu der Arbeit in einer Bibliothek – das ist ja nicht unbedingt das klassische Berufsfeld für einen Juristen – und worin bestehen Ihre Aufgaben?

Weber: Ich habe eine Leidenschaft für Bücher. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, bei Gericht oder als Rechtsanwalt zu arbeiten. Durch Zufall bin ich nach dem 2. Staatsexamen als wissenschaftlicher Assistent in der Teilbibliothek Recht der Universität Würzburg gelandet, wo ich die abwechslungsreiche und interessante Arbeit schätzen lernte. Im August 2002 trat ich dann die Stelle als Bibliotheksleiter hier am Institut an. Unter anderem fungiere ich als „Informations-Scout“: Ich durchforste alle verfügbaren Informationsquellen nach neuen, für unsere Wissenschaftler relevanten Publikationen. Gerade die Vielfalt der Aufgaben, der Anspruch der Wissenschaftler an unsere Bibliothek und die Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf eine optimale Informationsversorgung machen die Tätigkeit hier so spannend.

Wie gelingt Ihnen die inhaltliche Erschließung der Literatur – gerade im Hinblick auf die sprachliche Vielfalt? Wer unterstützt Sie bei Ihrer Arbeit?

Weber: Bücher beispielsweise aus Osteuropa und Asien werden durch unsere Wissenschaftler erschlossen, sonst überwiegend durch mich. Bei einem jährlichen Zugang von 9000 Büchern und Zeitschriftenbänden sind wir als 12 Personen umfassendes Bibliotheksteam sehr gut ausgelastet. Die erschlossenen Publikationen können weltweit recherchiert, aber nur intern entliehen werden, denn neben unseren Wissenschaftlern sind jährlich etwa 130 Stipendiaten und eine Vielzahl externer Wissenschaftler darauf angewiesen, dass die Titel jederzeit verfügbar sind.

Wie bringen Sie die vielen Benutzer unter? Wird das digitale Zeitalter irgendwann die Arbeit mit dem Buch überflüssig machen?

Weber: Bei 38 Arbeitsplätzen an zwei Standorten lassen wir bis zu 60 externe Wissenschaftler zur Benutzung zu, sodass die Plätze zirka 10.000-mal im Jahr genutzt werden. Trotzdem müssen Aufenthalte teilweise nach unserer Kapazität geplant werden. Was das digitale Zeitalter anbelangt – nun die Digitalisierung von Inhalten wird weiter zunehmen, aber das Online-Angebot wird das gedruckte Buch und die Arbeit hier vor Ort auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Als Bibliothekar müssen sie Neuerungen gegenüber stets aufgeschlossen sein, wenn sie nicht lediglich Verwalter von bedrucktem Papier, sondern kompetenter Informationsspezialist im Dienst der Wissenschaft sein wollen.

So wird es zunehmend anspruchsvoll, die Vielzahl von Datenbankangeboten im Blick zu haben, da gerade im Bereich der Rechtswissenschaft mittlerweile jeder größere Verlag weltweit ein eigenes digitales Angebot unter einer eigenen Oberfläche anbietet. Global Player wie im Bereich der Naturwissenschaften gibt es in dieser Form nicht.

Das digitale Zeitalter bringt aber auch ganz neue Aufgaben für die Bibliothek. So können wir unter anderem Unterstützung anbieten, wenn Wissenschaftler ihre Publikationen im Wege des Open Access zur Verfügung stellen möchten. Außerdem verbessern wir ständig unsere Online-Angebote: Ziel ist es hier, unter einem Portal die vielen verschiedenen Ressourcen wie Fachdatenbanken, Bibliothekskataloge, Internetquellen auffindbar zu machen. Um diese technischen, inhaltlichen und nicht zuletzt finanziellen Herausforderungen zu meistern, arbeiten wir Bibliothekare mit anderen Institutsbibliotheken der Max-Planck-Gesellschaft sowie mit der Max Planck Digital Library eng zusammen.

Herzlichen Dank, Herr Weber, für das freundliche Gespräch!

Das Interview führte Barbara Abrell und Christina Beck

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