Osiris hat das Ziel vor Augen

Das Kamerasystem der europäischen Raumsonde Rosetta wirft seinen ersten Blick auf den Kometen Churyumov-Gerasimenko

31. März 2014

Gut vier Monate vor Ankunft der ESA-Raumsonde Rosetta am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko haben Forscher unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung Osiris, das wissenschaftliche Kamerasystem der Sonde, erfolgreich in Betrieb genommen. Um auf der letzten Etappe der etwa zehnjährigen Reise durchs All Energie zu sparen, war das Instrument seit Juni 2011 abgeschaltet. Nun liefert Osiris wieder Bilder. Auf den ersten Aufnahmen ist der Zielkomet jedoch nur den Bruchteil eines Pixels groß.

Komet im Visier: Die Bilder zeigen 67P/Churyumov-Gerasimenko im Sternbild Ophiuchus. Das obere Bild, das mit der Weitwinkelkamera (WAC) am 20. März 2014 aufgenommen wurde, bildet einen Bereich ab, der 25-mal so groß ist wie der Durchmesser des Vollmonds. Das Farbkomposit zeigt im Hintergrund kosmisches Wasserstoffgas und Staubwolken. Der weiße Rahmen gibt die Lage der Nahaufnahme an, die mit der Telekamera (NAC) aufgenommen wurde. Unten ein Ausschnitt aus dem NAC-Bild vom 21. März 2014. Der kleine Kreis neben dem hellen Sternhaufen M107 deutet auf den Kometen hin. Die Bilder entstanden aus einer Distanz von etwa fünf Millionen Kilometern, Rosetta befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 660 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Seit dem Weckruf am 20. Januar dieses Jahres, der Rosetta aus ihrem mehr als 30-monatigem Winterschlaf riss, erwachen nun nach und nach alle technischen Systeme und wissenschaftlichen Instrumente der Sonde zum Leben. In den vergangenen Tagen war Osiris, das wissenschaftliche Kamerasystem des Orbiters, an der Reihe. „Osiris hat seine lange Auszeit offenbar gut überstanden. Alles funktioniert wie erwartet“, sagt Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, wissenschaftlicher Leiter des Osiris-Teams.

Das bestätigen auch die ersten Bilder des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Noch trennen allerdings mehr als fünf Millionen Kilometer Raumsonde und Komet, so dass der Schweifstern auf den Aufnahmen nur einen Bruchteil eines Pixels abdeckt. Da der Körper zudem noch recht lichtschwach ist, waren eine Serie von Belichtungen von 60 bis 300 Sekunden sowie zusätzliche Bildverarbeitungsschritte nötig, um ihn sichtbar zumachen.

„Nach einer zehnjährigen Reise durchs All unser Ziel endlich vor uns zu sehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Sierks. „Diese ersten Bilder, die aus einer solch riesigen Entfernung gelungen sind, zeigen uns, dass Osiris für das bevorstehende Abenteuer gerüstet ist. Schon bald werden wir verfolgen können, wie die Aktivität des Kometen erwacht.“

Während der langen Reise durchs Sonnensystem hat Osiris bereits mehrfach seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. So lieferte das Instrument bei Vorbeiflügen an Erde und Mars beeindruckende Ansichten und konnte die Asteroiden Steins und Lutetia wissenschaftlich untersuchen.

Auch in den nächsten Monaten wird Osiris Einblicke in eine völlig neue Welt ermöglichen: Zunächst werden die Aufnahmen helfen, die Aktivität des Kometen anhand seiner Helligkeit einzuschätzen; von Mitte Juli an lassen die Bilder dann bereits die Form des kosmischen Brockens erkennen. Im Laufe der Mission wird das Kamerasystem Strukturen in der sogenannten Koma, der Atmosphäre des Kometen, sichtbar machen sowie die Topografie und Beschaffenheit seiner Oberfläche untersuchen. Vom kommenden Sommer an gilt ein Hauptaugenmerk dabei der Suche nach einem geeigneten Landeplatz für Philae. Das Vehikel soll im November 2014 auf der Kometenoberfläche aufsetzen.

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Rosetta ist eine Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA mit Beiträgen der Mitgliedsstaaten und der NASA. Rosetta wird die erste Weltraummission sein, die einen Kometen auf seinem Weg um die Sonne begleitet und eine Landeeinheit auf dessen Oberfläche absetzt.

Das wissenschaftliche Kamerasystem Osiris wurde von einem Konsortium unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (Deutschland) gebaut in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), dem Laboratoire d'Astrophysique de Marseille (Frankreich), dem Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), dem Research and Scientific Support Department of the European Space Agency (Niederlande), dem Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), der Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), dem Department of Physics and Astronomy der Universität Uppsala (Schweden) und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig (Deutschland).

BK / HOR

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