Exploratory Round Table Conference in Shanghai zu Synthetischer Biologie

Redner auf der ersten Exploratory Round Table Conference in Shanghai

Die erste „Exploratory Round Table Conference“ oder ERTC, unter dem Titel “Synthetische Biologie”, fand vom 19.-21. Oktober 2010 im Shanghai Institute of Advanced Studies statt. Diese Konferenz markiert den Start einer jährlichen Konferenzserie, die Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) sowie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) eine Plattform bieten soll, gemeinsam mit international führenden Forschern neue und sich schnell entwickelnde Forschungsgebiete zu diskutieren und zu evaluieren. MPG und CAS wollen so Visionen entwickeln und Anstöße geben mit dem Ziel, in ihren eigenen Organisationen neue Forschungsthemen an der vordersten Front der Wissenschaft zu etablieren. Die ERTC Serie dient somit als ein zusätzliches Instrument, neue Prioritäten in der Weiterentwicklung des Forschungsportfolios beider Organisationen zu setzen.

Die Synthetische Biologie wird allgemein als eine Initiative gesehen, Ingenieurwissenschaften und Biologie stärker zu verzahnen. So werden für das Gebiet Methoden und Prinzipien aus so verschiedenen Disziplinen wie Mathematik, Computerwissenschaften, Biophysik, Ingenieurwesen, Biologie und Bioinformatik herangezogen. Das übergreifende Ziel besteht darin, komplexe biologische Systeme aus einer ingenieurwissenschaftlichen Perspektive zu analysieren und zu charakterisieren, und diese in synthetische Regelkreise oder funktionale Einheiten zu übersetzen. Auf diese Weise sollen am Ende „minimale Lebensformen“ geschaffen werden, die naturähnliche, optimierte und künstliche Prozesse wie etwa die Photosynthese unterstützen können. Wo steht die Synthetische Biologie heute und welche Horizonte wird sie eröffnen? Die ERTC befasste sich mit drei Hauptrichtungen der Synthetischen Biologie: Die erste Richtung zielt ab auf die Entwicklung synthetischer Systeme durch Reduzieren der Komplexität heute existierender biologischer Systeme. Daraus sollen letztlich halb-synthetische lebende Zellen für biotechnologische Anwendungen hervorgehen. Eine zweite Forschungsrichtung möchte künstliche Lebewesen praktisch aus einzelnen Bausteinen und Modulen von Grund auf zusammensetzen. Dabei stehen Forscher vor der enormen Herausforderung, schrittweise höhere Komplexität aufzubauen, von den heute bekannten elementaren Bausteinen bis hin zu Organellen und sogar ganzen Organismen. In einer dritten, Richtung, die noch in den Kinderschuhen steckt, wird Systemanalyse auf der Grundlage mathematischer Modelle zum Design funktionaler und robuster synthetischer biologischer Systeme genutzt. Eine Design-Idee, also theoretische Überlegungen, gehen dabei dem Experiment voraus.

Der ERTC Prozess umfasst eine tiefgehende Analyse des Entwicklungsstandes der Synthetischen Biologie, aus dem Übersichtsartikel hervorgehen, die den Stand der einzelnen Forschungsrichtungen zusammenfassen und einer kritischen Analyse unterziehen. Auf dieser Basis wurden die derzeitigen Ideen und Konzepte sowie die Aussichten der Synthetischen Biologie diskutiert und ein Bericht an die Präsidenten von MPG und CAS verabschiedet.

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