Forschungsbericht 2013 - Archiv der MPG

Jubiläen in der Max-Planck-Gesellschaft – Material und Publikationen

Autoren
Beck, Lorenz
Abteilungen
Archiv der MPG
Zusammenfassung
In den Jahren nach der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 1910/11 wurden ihre ersten Institute eingerichtet oder in die Gesellschaft aufgenommen. Das Archiv der MPG steht mit seiner Quellenüberlieferung zur Geschichte der Gesellschaft, ihrer Institute und Mitglieder den Instituten als Partner für Jubiläen zur Verfügung und publiziert in seinen Veröffentlichungsreihen entsprechende Darstellungen. Vorausetzungen sind kontinuierliche Übernahme, dauerhafter Erhalt und Erschließung von Archivbeständen, ein komfortabler Zugang zu den Quellen und kompetente Beratungstätigkeit der Archivare.

Quellen und Geschichte

2010/11 würdigte die Max-Planck-Gesellschaft den hundertsten Geburtstag der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. 2011 feierte das Fritz-Haber-Institut sein hundertjähriges Jubiläum, 2012 das Max-Planck-Institut für Chemie, 2013 das Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie. 2013 begeht die Bibliotheca Hertziana in Rom hundert Jahre ihrer Zugehörigkeit zur Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. Stets entsteht die Frage nach den genauen Daten und Quellen der Geschichte, nach Fotografien und anderen Zeugnissen. Das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft steht mit seinen Beständen zu den zentralen Einrichtungen, zu den Instituten und mit den Nachlässen Wissenschaftlicher Mitglieder und wichtiger Persönlichkeiten der Doppelgesellschaft für solche Fragen zur Verfügung. Insofern fanden die genannten Jubiläen mit seiner tatkräftigen Unterstützung statt, wozu die Bereitstellung von Ausstellungsobjekten, die Unterstützung der historischen Forschung, aber auch die Publikation der Forschungsergebnisse gehörte (vgl. Literaturhinweise). Beratend wurde das Archiv vor allem bei den Konzeptionen zur inhaltlichen Neuausrichtung des Harnack-Hauses nach dessen Sanierung und in Zusammenarbeit mit dem MPI für Wissenschaftsgeschichte bei der Vorbereitung einer Arbeitsgruppe zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft tätig.

In der vom Direktor des Archivs mitherausgegebenen wissenschaftshistorischen Reihe Pallas Athene beim Steiner-Verlag (Bd. 43) erschien ferner die gewichtige Studie von Günter Nagel: „Wissenschaft für den Krieg. Erich Schumann und das Heereswaffenamt.“ Die Vortragsreihen des Archivs erfuhren Fortsetzung, ebenso die vor allem auf die Geschichte des Forschungscampus Dahlem und auf die Tätigkeit des Archivs gerichtete Vortrags- und Führungstätigkeit. Zur Geschichte der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Institute wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl Wissenschaftsgeschichte an der Technischen Universität Berlin im Wintersemester 2012/13 ein Hauptseminar angeboten, das die Studierenden qualifiziert an den Umgang mit Archivquellen heranführte. Aus den Beständen des Archivs wurden auch 2012 wieder verschiedene Ausstellungen beschickt.

Überlieferungsbildung und Erschließung der Archivbestände

Voraussetzung für diesen Service ist eine ganze Reihe von eher im Verborgenen stattfindenden, archivarischen Arbeitsgängen, beginnend mit der laufenden Übernahme archivreifen Materials. So wurden 2012 etwa 240 laufende Meter (lfm) Archivgut übernommen. Aus der zentralen Altregistratur der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (II. Abt., Rep. 1A) waren dies Altakten aus verschiedenen Abteilungen, insbesondere Personalia und IB-Akten. Zusammen mit dem Archivgut aus der Bibliotheca Hertziana, dem MPI für Kunstgeschichte (II. Abt., Rep. 35) und dem MPI für Metallforschung (jetzt: MPI für Intelligente Systeme; II. Abt., Rep. 37), ergab dies insgesamt 80 lfm.

Hinzu kamen mehr als 160 lfm Vor- und Nachlassunterlagen, darunter von Rudolf Bernhardt (geb. 1925), MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht; Valentin Braitenberg (1926–2011), MPI für biologische Kybernetik; Manuel Cardona (geb. 1934), MPI für Festkörperforschung; Paul J. Crutzen (geb. 1933), MPI für Chemie; Hans Dölle (1893-1980), MPI für ausländisches und internationales Privatrecht; Ulrich M. Gösele (1949–2009), MPI für Mikrostrukturphysik; Albrecht W. Hofmann (geb. 1939) und Alfred Klemm (1913–2013), beide MPI für Chemie; Renate Mayntz (geb. 1929), MPI für Gesellschaftsforschung; Johannes Piiper (1924–2012), MPI für experimentelle Medizin; Hans Georg v. Schnering (1931-2010), MPI für Festkörperforschung; Wolf Singer (geb. 1943), MPI für Hirnforschung; Walther Vogt (1918–2012), MPI für experimentelle Medizin; Heinz Wäßle (geb. 1943), MPI für Hirnforschung; Hartmut Wekerle (geb. 1944), MPI für Neurobiologie und Rüdiger Wolfrum (geb. 1941), MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Unter den Gegenständen, die ins Archiv aufgenommen wurden, war auch ein Schreibtisch aus dem Privatbesitz von Otto Hahn. Dabei bedarf es einiger Aktivität und Werbung der Archivare im Vorhinein, damit im Moment der Trennung von nicht mehr benötigten, archivreifen Unterlagen oder anderen Gegenständen diese auch tatsächlich sicher ins Archiv und nicht an einen anderen Ort gelangen.

Auch 2012 erfolgte die Komplettsicherung der Internetseiten der Institute und der Generalverwaltung. Die Neuzugänge wurden, wie gewohnt, datenbankgestützt erschlossen, so dass sie kurzfristig zugänglich sind – soweit Zugangsrechte bestehen. Auch 2012 wurden im üblichen Umfang Archivbestände durch Mikroverfilmung gesichert. Erstmals wurden Bestände in größerem Umfang unter den Gesichtspunkten des Schutzes und komfortablerer Benutzung auch digitalisiert, so die Protokolle der Gremien der Max-Planck-Gesellschaft und der Nachlass Carl Friedrich von Weizsäckers (55 lfm) in Zusammenarbeit mit der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Stiftung.

Benutzung der Archivbestände

Die Zahl der Benutzer in den beiden Lesesälen des Archivs schwankt von Jahr zu Jahr leicht, lag aber 2012 mit 117 Benutzern an 342 Tagen auf dem Niveau des Vorjahres (118/326). Die Zahl der vorgelegten Archivalien bewegte sich mit mehr als 3.500 im Bereich des langjährig Üblichen, nach Zahlen von über 4.000 in den Jubiläumsjahren 2010/11. Unverändert hoch ist dabei das Interesse an Bildmaterial (Foto und Film). Die auf schriftlichem oder fernmündlichem Weg erteilten Auskünfte lagen mit 1.500 ähnlich hoch wie 2011 (sonst bei etwa 1.200). Zur Benutzung des Archivs zählen seit Jahren auch die zahlreichen Zugriffe auf die dessen Internetseite, die eine qualifizierte Übersicht über die Bestände bietet.

Die Dienstbibliothek, deren aktueller und komfortabel zu benutzender Katalog via Internet zugänglich ist, wuchs durch Neuanschaffungen in den Größenordnungen der Vorjahre und stellte für 77 Interessenten 166 Bücher (im Vorjahr 221) bereit.

Literaturhinweise

1.
Im Auftrag des Direktoriums des Max-Planck-Instituts für Chemie hrsg. von Horst Kant und Carsten Reinhardt
100 Jahre Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Institut für Chemie (Otto-Hahn-Institut)
Veröffentlichungen aus dem Archiv der Max-Planck-Gesellschaft, Bd. 22, Berlin (2012)
2.
Theo Plesser/Hans-Ulrich Thamer (Hrsg.)
Arbeit, Leistung und Ernährung. Vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie in Berlin zum Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und Leibniz Institut für Arbeitsforschung in Dortmund
Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Bd. 44, Stuttgart (2012)
3.
Günter Nagel
Wissenschaft für den Krieg. Die geheimen Arbeiten der Abteilung Forschung des Heereswaffenamtes
Pallas Athene, Bd. 43, Stuttgart (2012)
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