Das Altern und die gesellschaftlichen Folgen verstehen

Das Altern und die gesellschaftlichen Folgen verstehen

Seit 1840 ist die Lebenserwartung in den jeweils rekordhaltenden Ländern um zweieinhalb Jahre pro Jahrzehnt gestiegen. Hält dieser Trend an, haben viele heute geborene Kinder gute Chancen, ihren 100. Geburtstag zu feiern. Das Max-Planck Odense Center on the Biodemography of Aging erforscht die mit diesem gewaltigen Wandel verbundenen Fragen.

In einem interdisziplinären Team erforschen Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft und der Süddänischen Universität, warum die Lebenserwartung steigt, sich der Gesundheitszustand im Alter immer mehr verbessert und welche Konsequenzen damit verbunden sind. „Ein längeres Leben bei guter Gesundheit bedeutet mehr Chancen für jeden einzelnen, stellt aber gleichzeitig Gesellschaft und Wirtschaft vor immense Herausforderungen. Um ihnen zu begegnen, müssen wir unser Wissen über das Altern wesentlich erweitern. Daher führt das Center herausragende Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen“, erläutert Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Das noch relativ neue Arbeitsgebiet der Biodemografie untersucht die Zusammenhänge zwischen jenen Faktoren, die die Mortalität und die Fertilität einzelner Arten festlegen, wie etwa die genetische Disposition, Umwelteinflüsse oder zufällige Variationen in den Geburts- und Sterberaten. Dabei werden Daten zu menschlichen und nicht-menschlichen Spezies erfasst, um mit Hilfe demografischer Modelle jene evolutionären Gesetzmäßigkeiten genauer zu bestimmen, die Alterung beschleunigen oder verlangsamen können. „Biodemografie bietet neue Ansätze, um Antworten auf wichtige Fragen zu finden, die sich Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen stellen. Zum Beispiel die Frage, wie es um unsere Gesundheit bestellt sein wird, wenn wir immer älter werden“, sagt James W. Vaupel, Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock und Leiter des Centers in Odense. Direkter Partner sind die Institute für Biologie sowie Gesundheitswissenschaften der Süddänischen Universität.

Der interdisziplinäre Charakter des Forschungsfeldes führt dazu, dass an dem Center Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten, etwa der Demografie, Evolutionsbiologie, Epidemiologie und Mathematik, in vier Forschungsbereichen zusammenarbeiten. Der Bereich menschliche Langlebigkeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der Lebenserwartung, die Einheit medizinische Demografie fragt, inwieweit eine längere Lebenszeit auch mit einer Zunahme der Lebensjahre bei insgesamt verbesserter Gesundheit einhergeht und welche Faktoren die alters- und geschlechtsspezifische Sterblichkeit beeinflussen. Im Bereich Prognosen und Strategien geht es unter anderem darum, zielgenauere Methoden zu erarbeiten, mit denen sich die Entwicklung von Gesundheit und Langlebigkeit besser vorhersagen lässt, damit Politik, Gesellschaft und Wirtschaft präzisere Maßnahmen entwickeln können. In einem vierten Bereich evolutionäre Biodemografie beschäftigen sich die Forscher mit Fragen zu grundlegenden Umweltparametern und evolutionären Selektionsmechanismen, die bei unterschiedlichen Arten die Alterung beeinflussen. Ziel ist es dabei auch, die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten in mathematischen Modellen darzustellen.

Bild: James W. Vaupel während der Eröffnungsfeier in Odense. © dpa/MPG

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