Auf den Spuren menschlicher Evolution

Auf den Spuren menschlicher Evolution

Forscher aus Deutschland und Israel wollen offene Fragen der Menschheitsgeschichte beantworten. Dafür greifen sie auf neue Ansätze und Methoden zurück

In Rehovot, Israel, ist das Max Planck-Weizmann Center for integrative Archaeology and Anthropology angesiedelt. Forscher aus Deutschland und Israel arbeiten dort gemeinsam an der Schnittstelle zwischen Archäologie und Anthropologie. Ziel ist es, die Evolution des Menschen besser zu verstehen. Geleitet wird das Center Jean-Jacques Hublin, Direktor am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, und Steve Weiner vom Kimmel Center für Archäometrie am Weizmann Institut.

Wie verbreiten sich Ideen? Warum und wie verändert sich ein Lebensstil? Wie lassen sich unterschiedliche Entwicklungsstadien in verschiedenen Teilen der Welt erklären? Warum migrieren Gruppen von einem geographischen Ort zu einem anderen? Dies sind zentrale Fragen des ersten Forschungsbereichs „The Timing of Cultural Change“. Mithilfe hochauflösender Radiokohlenstoffdatierung werden Funde hinsichtlich des kulturellen Wandels in einer Region untersucht. Dabei gehen Analysen im Labor einher mit der Arbeit an Ausgrabungsstätten, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten.

Der zweite Forschungsbereich befasst sich mit dem Thema Knochen- und Zahnstrukturen und deren funktioneller Bedeutung. Im Fokus der Wissenschaftler steht hier vor allem das einstige Nebeneinander von Neandertalern und frühen modernen Menschen. Dafür greifen die Forscher auf fossile Knochen- und Zahnfunde zurück. Ergänzend zur beschreibenden Morphologie werden bei der Analyse zunehmend 3D-Computer-Rekonstruktionen verwendet, die auf CT-Scans basieren. Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie ist hier weltweit führend. Ein hoch auflösendes µCT-Gerät am Weizmann Institut liefert weitere, wertvolle Details über Zahn- und Knochenstrukturen.

Die Abteilung „Biomaterialien“, der von Professor Peter Fratzl, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm, geleitet wird, erforscht darüber hinaus die Beziehung zwischen Struktur und Funktion von modernen Knochen und Zähnen. Zu diesem Thema arbeitet auch Professor Steve Weiner vom Weizmann Institut. Die Forschungsergebnisse über das Verhältnis zwischen Struktur, Morphologie und Funktion in modernen Knochen und Zähnen dienen wiederum als Basis für die Einordnung fossiler Funde.

BA

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