Eugene Myers wird Direktor am neuen Systembiologie-Zentrum

Max-Planck-Gesellschaft gründet in Dresden Zentrum zur Erforschung von komplexen biologischen Systemen

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Klaus Tschira Stiftung und der Max-Planck-Förderstiftung gründet die Max-Planck-Gesellschaft in Dresden ein Zentrum für Systembiologie. Auf den neu geschaffenen Klaus Tschira Chair wurde als Direktor Eugene W. Myers berufen, der gleichzeitig eine Abteilung am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und eine Nachwuchsarbeitsgruppe am HITS, dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien, leiten wird.

Gene Myers, Direktor an dem neuem Systembiologie-Zentrum der Max-Planck-Gesellschaft in Dresden.

Jeder kennt Gene Myers, auch wenn er seinen Namen vielleicht noch nie gehört hat: Der 58-jährige US-Amerikaner gehört zu den Pionieren der Bioinformatik – er hat bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms einen Knoten zum Platzen gebracht und die Informatik mit der Biologie untrennbar verknüpft. Mit den von ihm entwickelten Algorithmen können Wissenschaftler im „shot-gun“-Verfahren die bei der Genomanalyse entstehenden unzähligen kleinen DNA-Schnipsel zu einem zusammenhängenden Genom zusammensetzen. Auf diese Weise wurde die Entschlüsselung des Genoms der Fruchtfliege Drosophila, der Maus und eben des Menschen deutlich beschleunigt. Dafür erhielt er 2004 den Max-Planck-Forschungspreis.

Myers, der vorher am Howard Hughes Medical Institute in Ashburn, USA arbeitete, kommt nun nach Dresden und leitet das neue Zentrum für Systembiologie. „Es gibt weltweit wohl kaum einen Wissenschaftler, der so viel Erfahrung im Aufbau und Betrieb wissenschaftlicher Einrichtungen besitzt und gleichzeitig so hervorragende Forschungsergebnisse vorweisen kann“, betont Peter Gruss, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Mit dem Zentrum verstärken die Max-Planck-Gesellschaft und die Klaus Tschira Stiftung ihre Zusammenarbeit auf einem wichtigen Forschungsgebiet der Zukunft. Es wird aus einer Abteilung und drei assoziierten Forschungsgruppen bestehen. Darüber hinaus ist geplant eine weitere Abteilung der Technischen Universität Dresden sowie drittmittelfinanzierte Forschungsgruppen anzusiedeln. Ein eigener Bau ist auf dem Gelände des MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik geplant.

Wissen aus Bildern

Bei der Analyse von Vorgängen innerhalb von Zellen fallen etliche Terrabytes an Bilddaten an, die nur noch mithilfe von extrem leistungsfähiger Software ausgewertet werden können. An dem neuen Dresdner Zentrum will Myers möglichst viel Information aus diesen Bildern holen. Dazu plant er, Mikroskopieverfahren und die dazugehörige Bilderkennungs- und Analyse-Software so weiterzuentwickeln, dass der gesamte Entwicklungsablauf biologischer Systeme digital erfasst werden kann. Mit neuer Software sollen die Rohdaten dann in 3D-Modelle umgerechnet und Beobachtungen der molekularen Ebene virtuell abgebildet werden. „Wir sind sicher, dass solche Datensammlungen der Weg der Zukunft sind, mit ihrer Hilfe wird man bald mehr über die Aufgabe ganzer Genom-Abschnitte erfahren können, als das bisher mit allen gängigen Ansätzen möglich ist“, so Myers.

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