Dr. Ryohei Yasuda zum wissenschaftlichen Direktor des Max-Planck-Instituts in Florida ernannt

Das Max-Planck-Institut in Florida (MPFI) gab heute bekannt, dass der Neurowissenschaftler Ryohei Yasuda von der Duke Universität die wissenschaftliche Leitung der Forschungsgruppe für neuronale Signalleitung übernehmen wird.

7. März 2012
Dr. Ryohei Yasuda

Yasuda wird der dritte wissenschaftliche Direktor des Instituts und dem leitenden Direktor David Fitzpatrick und dem Nobelpreisträger Bert Sakmann in dieser Rolle folgen, in der er mit beispielloser langfristiger Unterstützung seiner Forschung und großer wissenschaftlicher Freiheit rechnen kann. Die Ernennung von Yasuda wurde während der ersten Sitzung des wissenschaftlichen Symposiums über „Neuronale Schaltkreise: Von Molekülen zum Verhalten“ der Internationalen Organisation für Hirnforschung (IBRO) des MPFI bekannt gegeben, auf der er einen Vortrag hielt.

Im Sommer 2012, wenn das Institut in sein neues, hochmodernes Gebäude in Jupiter in Florida umzieht, wird Yasuda seine Arbeit am MPFI aufnehmen, gemeinsam mit den neuen Forschungsgruppenleitern Hyungbae Kwon und Hiroki Taniguchi. Der Beitritt von Yasuda bedeutet, dass das MPFI nun neun Forschungsgruppen beherbergt, deren jede der Erforschung unterschiedlicher Aspekte der Struktur und Funktion neuronaler Schaltkreise gewidmet ist. Das Verständnis der neuronalen Schaltkreise, aus denen die komplexen synaptischen Netzwerke des Gehirns bestehen und die bestimmen, wer wir sind, wie wir denken und wie wir uns verhalten, ist eine der größten Herausforderungen der Biologie.

„Der Max-Planck-Gesellschaft und dem Max-Planck-Institut in Florida anzugehören, ist eine große Ehre, die es mir ermöglicht, mich einer bedeutenden Gemeinschaft führender Forscher anzuschließen“, sagt Yasuda. „Diese Ernennung erlaubt es mir, neue Kollaborationen zu erproben, die meine Forschung in neue und faszinierende Richtungen lenken wird.“

Yasuda kommt von der Duke Universität zum MPFI. In Duke war er Assistenzprofessor und leitete ein Labor in der Abteilung für Neurobiologie, dessen Forschungen sich auf die molekularen Mechanismen der synaptischen Plastizität konzentrierten. Außerdem gehört er zu der kleinen Gruppe von nur 50 Forschern in den USA, die vom Howard Hughes Medical Institute als Nachwuchswissenschaftler anerkannt werden.

Das Labor von Yasuda erforscht die molekulare Grundlage der synaptischen Plastizität, der Fähigkeit der Neuronenverbindungen, stärker oder schwächer zu werden. Man nimmt an, dass diese Fähigkeit dem Lernen und der Gedächtnisfunktion zugrunde liegt. Anomalien der synaptischen Plastizität können zu einer Reihe neurologischer und psychiatrischer Krankheiten führen. Seine Forschungen untersuchen das Verhalten der Proteine, die an der synaptischen Plastizität innerhalb der dendritischen Dornfortsätze – kleiner Borsten an der Oberfläche von Neuronen, die synaptische Signale empfangen – beteiligt sind. In Dornfortsätzen spielen eine Reihe von Proteinen eine Rolle beim Auslösen biochemischer Reaktionen, die erforderlich sind, um die Stärke synaptischer Verbindungen zu ändern.

„Wir sind hocherfreut, dass Yasuda an unser Institut kommt“, sagt David Fitzpatrick, der wissenschaftliche Direktor und Leiter des Instituts und der Forschungsgruppe zur funktionalen Architektur und Entwicklung der Großhirnrinde. „Seine Forschung hat wichtige Implikationen für das Verständnis der molekularen Mechanismen, die die Gehirnfunktion bestimmen, und sie fügt dem Spektrum der Technologien, an deren Verbesserung das Institut arbeitet, eine faszinierende neue Dimension hinzu. Yasuda, der seine wissenschaftliche Ausbildung als Biophysiker begann, hat eine Reihe wichtiger Entdeckungen gemacht. Er hat unter anderem bahnbrechende Arbeit in der Entwicklung der molekularen Bildgebungstechnik geleistet. Als Doktorand an der Keio Universität in Japan gelang es ihm zu zeigen, dass das Enzym F1-ATPase, das das Molekül produziert, welches Zellen mit Energie versorgt, ein aus einem einzigen Molekül bestehender Rotationsmotor ist. Er konnte außerdem bestätigen, dass das Molekül thermodynamisch vollkommen effizient ist. Während seiner Zeit als Postdoc-Fellow am Cold Spring Harbor Labor in New York konstruierte er einen hochentwickelten Bildgebungsapparat, der ihm die Beobachtung der Interaktion von Proteinen in lebenden Zellen erlaubte. Das Gerät erstellte hochempfindliche und hochauflösende Bilder mit Hilfe der Fluoreszenzresonanz-Energieübertragung (FRET) – der Übertragung von Energie von einem fluoreszierenden Molekül auf ein anderes. An der Duke Universität entwickelte er eine Reihe von fluoreszierenden Indikatormolekülen, die es ihm ermöglichten, die Aktivität einzelner Proteine innerhalb einzeln Dornfortsätze sichtbar zu machen.

Yasuda schloss Postdoc-Fellowships am Cold Spring Harbor Labor und an der Universität Keio ab, wo er auch seinen Doktorgrad erwarb und sein Grundstudium absolvierte. Er erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den „Career Award at the Scientific Interface“ des Burroughs Wellcome Fund; die Alfred P. Sloan Fellowship; den „New Investigator Award“ der Alzheimer’s Association sowie den „Research Award for Innovative Neuroscience“ der Gesellschaft für Neurowissenschaften (Society for Neuroscience). Er war Forschungsleiter für eine Reihe von Stipendien der nationalen Gesundheitsbehörden (National Institutes of Health) und hat 50 Aufsätze in Peer-Review-Zeitschriften sowie Kapitel in Fachbüchern veröffentlicht. Zu den führenden Zeitschriften, in denen seine Arbeiten erschienen sind, gehören Nature, Science, Cell, Neuron, Nature Neuroscience, Proceedings of the National Academy of Sciences und das Journal of Neuroscience. Er ist gegenwärtig Review-Editor der „Frontiers in Synaptic Neuroscience“ und Mitglied der Abteilung für Neurobiologie des Marine Biological Laboratory in Woods Hole in Massachusetts.

Über das Max-Planck-Institut in Florida

Das Max-Planck-Institut in Florida ist das erste von der renommierten deutschen Max-Planck-Gesellschaft außerhalb Europas gegründete Institut und außerdem das erste Forschungsinstitut seiner Art in Nordamerika. Das MPFI ist darum bemüht, neue Erkenntnisse über die funktionale Organisation des Nervensystems sowie darüber zu gewinnen, was es dazu befähigt, Wahrnehmung, Denken, Sprache, Gedächtnis, Gefühle und Handlungen hervorzubringen. Neuronale Schaltkreise, die komplexen synaptischen Netzwerke des Gehirns, enthalten den Schlüssel zu unserem Selbstverständnis: Warum wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten, und wie die krankmachenden Auswirkungen neurologischer und psychiatrischer Störungen gelindert werden können. Das MPFI begegnet dieser Herausforderung, indem es Verbindungen zwischen verschiedenen Forschungsebenen herstellt – den Ebenen der Genetik, der einzelnen Moleküle, Zellen und Schaltkreise sowie des Verhaltens – und neue Technologien entwickelt, die wissenschaftliche Entdeckungen an der vordersten Front der Forschung ermöglichen. Weitere Informationen finden Sie unter www.maxplanckflorida.org.

Zur Redakteursansicht