Laserscanning im Tropenwald: Chancen und Risiken

Studie schlägt Leitlinien für ethische Kartierung tropischer Wälder vor 

Auf den Punkt gebracht:

  • Laserscanning und Ethik: Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass hochauflösende Fernerkundung in tropischen Wäldern Ungleichheiten beim Zugang zu Informationen, bei der Wissensgenerierung und bei der Kontrolle von Daten verstärken kann. Ihr Einsatz  erfordert daher eine ethische Reflexion.
  • Ausgewogene Perspektive: Fernerkundung ist nicht von Natur aus schädlich und kann lokale Gemeinschaften unterstützen. Ihre Anwendung sollte jedoch von ethischen Überlegungen geleitet sein.
  • Handlungsrahmen: Die Studie schlägt Leitlinien vor, die Forschenden helfen sollen zu entscheiden, wann Kartierungen unangemessen sind, um denjenigen, die am stärksten von ökologischen Krisen betroffen sind, besser zu helfen.

Das Laserscanning, häufig auch als Lidar bezeichnet, hat die Erforschung, Beobachtung und das Verständnis von Tropenwaldgebieten über verschiedene wissenschaftliche Disziplinen hinweg grundlegend verändert. Die Technologie ermöglichte es Forschenden, durch das dichte Blätterdach des Waldes zu blicken und in kurzer Zeit hochauflösende Aufnahmen der darunterliegenden Landschaft zu erstellen. Diese zunehmende Beobachtungsfähigkeit ist von zentraler Bedeutung für den wissenschaftlichen Wert von Fernerkundungstechnologien. Zugleich rückt sie die Bedingungen, Interessen und Machtstrukturen in den Fokus, unter denen diese Technologien eingesetzt werden.

In einer neuen Studie in Nature Ecology and Evolution argumentierte ein internationales Forschungsteam, dass die durch hochauflösende Fernerkundung entstehende Sichtbarkeit zum Verlust von Orten führen kann, die seit Langem als kulturelle Rückzugsräume vor dominanten Mächten dienen. Ethische Überlegungen sollten daher ein integraler Bestandteil der Forschungsplanung sein, wenn solche Daten eingesetzt werden. 

„Die Forschung zur Fernerkundung wurde häufig als technische Maßnahme dargestellt, die eine effizientere Bewirtschaftung und Beobachtung unterstützen soll“, sagt Patrick Roberts, Direktor der Abteilung für Koevolution von Landnutzung und Urbanisierung am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (MPI-GEA) und korrespondierender Autor der Studie. „Doch Kartierung ist niemals nur eine technische Praxis, und Entscheidungen darüber, was, wie und wo sichtbar gemacht wird, sind von Natur aus ethischer und politischer Art.“

Kartierung ist niemals nur eine technische Praxis, und Entscheidungen darüber, was, wie und wo sichtbar gemacht wird, sind von Natur aus ethischer und politischer Art.“
Patrick Roberts, Max-Planck-Institut für Geoanthropologie

Die neue Studie erkennt den Wert der Fernerkundung an. Sie argumentiert jedoch, dass die fachspezifischen ethischen Diskussionen über diese Technologie zwar stattgefunden haben, sich bislang eher auf technische Einzelheiten der Forschung und die Darstellung von Daten konzentriert haben als auf die Frage, ob und unter welchen Bedingungen kartiert werden sollte. Die Autorinnen und Autoren gliedern diese Überlegungen in drei große Bereiche:

  1. Wissen, Zugang und Kontrolle – Wer entscheidet, wann und warum kartiert wird, und wer kontrolliert die Daten?
  2. Rechte der Bevölkerung, Sichtbarkeit und Enteignung – Wie könnten diese Daten dazu genutzt werden, Gemeinschaften und marginalisierte Gruppen sichtbar bzw. angreifbar zu machen oder Ressourcen für die Ausbeutung zugänglich zu machen? 
  3. Die materiellen Kosten des Sichtbarmachens – Wie könnte der Prozess der Fernerkundung wiederum zu den Klima- und Umweltauswirkungen beitragen, die er eigentlich verhindern soll?

„Diese Fragen fordern uns dazu auf, über die häufig propagierte, aber vereinfachende Vorstellung einer Kartierung ‚zum Wohle der Allgemeinheit‘ nachzudenken”, sagt Gabriel Hes von der Universität Toulouse, Hauptautor der Studie. „Von wessen ‚allgemeinem Wohl‘ sprechen wir, und verstärken Technologien zur Waldkartierung Ungleichheiten bei der Wissensgenerierung, der politischen Macht und den Umweltauswirkungen? In dieser Veröffentlichung fordern wir unsere Kolleginnen und Kollegen dazu auf, über die ethischen Kosten ihrer Methoden nachzudenken und dabei die potenziellen intersektionalen Auswirkungen – etwa in Bezug auf ethnische Zugehörigkeit, Alter, Geschlecht, Wohlstand und soziale Schicht – hochauflösender Kartierungen tropischer Wälder zu berücksichtigen.”

„Wir behaupten nicht, dass Fernerkundung per se schlecht ist”, ergänzt Roberts. „Im Gegenteil: Sie wurde von lokalen Gemeinschaften genutzt, um ihre Gebiete und Rechte zu schützen. Vielmehr fordern wir Forschende dazu auf, die vielfältigen ethischen Dimensionen zu berücksichtigen, die ihre Forschung beeinflussen, unabhängig davon, ob sie Kartierungen auf lokaler, regionaler oder globaler Ebene durchführen.”

Das Autorenteam schließt mit einem Rahmenkonzept, dass Forschende dabei unterstützen soll zu entscheiden, wann Kartierungen unangemessen sind. Indem sie die Umweltwissenschaften als Instrument für transformativen Wandel neu denken, hoffen sie, dass diese Überlegungen dazu beitragen, dass die Kartierung tropischer Wälder bestmöglich den Bedürfnissen derjenigen gerecht wird, die am stärksten von der gegenwärtigen globalen ökologischen Krise betroffen sind.

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