Ein neues Werkzeug zur Erforschung der natürlichen Methanentstehung
Isocyanide weisen die nickelfreie Methanogenese in Umweltproben nach
Auf den Punkt gebracht
- Effektiver Nachweis: Forschende haben ein neues Werkzeug entwickelt, um die nickelfreie Methanbildung in Umweltproben nachzuweisen, indem sie Isocyanide als Hemmstoffe nutzen.
- Eisen als Kofaktor: Methanogene nutzen unter Nickelmangel ein nickelfreies Enzym (Fe-Hydrogenase), das Eisen als Kofaktor verwendet und die Methanbildung steuert.
- Einsatz in natürlichen Proben: Isocyanide hemmen gezielt die nickelfreie Methanogenese in Zellen und ermöglichen so den Nachweis dieses alternativen Stoffwechselwegs in natürlichen Proben.
- Die Methode ist einfach, kostengünstig und eignet sich für Feldstudien in Mooren, Ozeanböden und Böden, im Gegensatz zu komplexen und teuren molekularbiologischen Verfahren.
Methanogene Archaeen sind Mikroorganismen, die aus Kohlendioxid (CO₂) und Wasserstoff (H₂) Methan (CH₄) produzieren. Dieser Prozess setzt weltweit erhebliche Mengen Treibhausgas frei. Bislang ging man davon aus, dass diese Mikroorganismen Nickel benötigen, um Energie zu gewinnen, da sie spezielle Enzyme, die [NiFe]-Hydrogenasen, einsetzen, um Wasserstoff zu aktivieren und Elektronen für die Methanbildung bereitzustellen.
Bereits im Jahr 2025 zeigten Forschende um Seigo Shima und Shunsuke Nomura vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, dass Methanogene unter starkem Nickelmangel – wie er in vielen natürlichen Lebensräumen vorkommt – alternative Stoffwechselwege nutzen. Statt nickelabhängiger Enzyme verwenden sie ein nickelfreies Enzym, die [Fe]-Hydrogenase (Hmd), das Eisen als Kofaktor nutzt und Wasserstoff direkt an einen anderen Reaktionspartner überträgt (siehe Presseartikel).
Diese Entdeckung markiert einen Paradigmenwechsel: Die bisherige Annahme, dass nur [NiFe]-Hydrogenasen funktionieren, ist nicht mehr gültig. Unter natürlichen Bedingungen könnte Hmd die Hauptquelle für die Elektronenlieferung im Methan-Stoffwechsel sein und somit eine bedeutende Steuerungsgröße der natürlichen Methanogenese darstellen.
Ein chemischer „Ausschalter“ weist die Reaktion in der Natur nach
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelten die Forschenden ein Instrument für weiterführende Untersuchungen: Die Hemmung des Enzyms Hmd durch Isocyanide mit hoher Affinität ist bereits bekannt. In der aktuellen Studie prüften sie, ob Isocyanide als gezielte „Schalter“ eingesetzt werden können, um in natürlichen Proben den nickelfreien Methanbildungsweg nachzuweisen. Hierfür testeten sie die Wirkung von Isocyaniden in zwei Systemen. In Zellextrakten von Methanogenen, die unter Nickelmangel kultiviert wurden, wurde die Methanbildung durch Isocyanide stark gehemmt. In lebenden Zellkulturen (Zellsuspensionen) zeigte sich ein ähnliches Ergebnis – insbesondere bei hydrophoben Isocyaniden wie 2-Naphthylisocyanid (NIC), die besser in die Zellen eindringen.
„Die Hemmung der Methanbildung ausschließlich in Zellen unter Nickelmangel ist ein deutliches Indiz“, erklärt Shunsuke Nomura. „Dies bedeutet: Wird ein Probenmaterial mit Isocyaniden behandelt und die Methanproduktion nimmt deutlich ab, ist sehr wahrscheinlich der Hmd-abhängige Weg aktiv.“
Bislang war es schwierig, in Umweltproben direkt zu bestimmen, ob und in welchem Umfang die nickelfreie Methanogenese stattfindet. Methoden wie Metaproteomik oder Metatranskriptomik sind kostenintensiv, komplex und erfordern spezialisierte Labore. Die neue Methode mit Isocyaniden ist hingegen einfach, kostengünstig und in Feldstudien anwendbar, bei denen Proben aus Ozeanböden, Mooren oder Böden gesammelt werden.
„Isocyanide blockieren ausschließlich den nickelfreien Weg und beeinflussen den klassischen Weg nicht“, erläutert Seigo Shima. „Dies macht sie zu einem idealen Instrument, um die tatsächliche Bedeutung der Hmd-abhängigen Methanbildung in der Natur zu quantifizieren.“
Instrument für die Klimaforschung
Die Entdeckung, dass Isocyanide auch unter natürlichen Bedingungen gezielt Hmd hemmen, eröffnet neue Möglichkeiten, die globale Methanproduktion besser zu verstehen. Kennt man den Anteil dieses nickelfreien Weges in natürlichen Ökosystemen, lassen sich die Auswirkungen von Veränderungen im Nährstoffangebot – etwa durch Klimawandel oder menschliche Eingriffe – auf die Methanemissionen präziser abschätzen.
Zudem kann die Methode dazu beitragen, Mikroorganismen zu identifizieren, die sich besonders gut an nährstoffarme Lebensräume anpassen. Darüber hinaus könnte sie künftig zur Erforschung möglicher Gegenmaßnahmen dienen, etwa zur Reduzierung von Methanemissionen in landwirtschaftlichen Systemen oder Kläranlagen.












