Gibt es in diesem Jahr einen besonders starken El Niño?
Fragen und Antworten zu dem Klimaphänomen und seinen Folgen
and Atmospheric Administration (NOAA) zeigt den Hurrikan Hilary (rechts) vor der mexikanischen Pazifikküste. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein natürliches El-Niño-Phänomen, der vom Menschen verursachte Klimawandel, eine
hartnäckige Hitzeglocke über dem mittleren Teil der USA und weitere Faktoren dazu geführt haben, dass Hilary im August 2023 mit Wucht über Kalifornien und Nevada hinwegfegte.
Wie entwickeln sich El Niño und La Niña und was geschieht dabei?
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, bei dem sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. El Niño tritt alle zwei bis sieben Jahre zum Jahresende auf – daher der Name El Niño, spanisch für Christkind.
Ausgelöst wird El Niño dadurch, dass die von Ost nach West wehenden Passatwinde über dem Pazifik zum Beispiel durch tropische Stürme abgeschwächt werden. Die Passatwinde drücken das warme Oberflächenwasser des Pazifiks normalerweise in den Westen. Im Osten, vor der Küste Perus, steigt dann aus der Tiefe kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche, das dort für reiche Fischbestände sorgt. Schwächen sich die Passatwinde ab, sammelt sich warmes Wasser an der Oberfläche vor der Westküste Südamerikas. Ist es mehr als 0,5 Grad Celsius wärmer als normal, spricht man in der Meteorologie von einem El Niño. Das warme Wasser kann sich dabei auch aus den Tropen in die Subtropen ausbreiten.
El Niño ist Teil der El Niño Southern Oszillation (ENSO), sein Gegenstück ist La Niña. Dabei werden die Passatwinde verstärkt: Das warme Wasser wird verstärkt in den Westen des Pazifiks getrieben, mehr kaltes Wasser kann an der Westküste Südamerikas nach oben steigen. Ist das Oberflächenwasser mehr als 0,5 Grad Celsius kälter als normal, handelt es sich um La Niña.
El Niño und La Niña
Welche Folgen hat El Niño regional und global – klimatisch, gesundheitlich, ökologisch und ökonomisch?
El Niño und La Niña wirken sich weltweit auf das Wetter aus, besonders stark sind die Folgen aber sowohl in Südamerika als auch in Indonesien und Australien. Zu den gravierendsten Folgen eines El Niño gehören:
- An der Westküste Südamerikas gibt es extrem starke Niederschläge, die zu Überschwemmungen mit zahlreichen Opfern und großen Schäden führen können.
- Vor der peruanischen Küste fehlt das kühle nährstoffreiche Wasser, sodass die Fischbestände zurückgehen und die Fischerei beeinträchtigt wird.
- In Indonesien und Australien kommt es zu starker Dürren. Dadurch wird die Reisproduktion beeinträchtigt, und Waldbrände werden begünstigt. Zwar werden die Feuer vor allem in Indonesien oft zur Brandrodung gelegt, geraten dann aber außer Kontrolle. Das führt auch zu einer starken Belastung durch Rauch.
- Im Atlantik sinkt die Wahrscheinlichkeit für starke Hurrikane, allerdings erwärmt sich der Atlantik durch den Klimawandel, wodurch das Risiko für Hurrikane steigt.
- Im Pazifik steigt die Wahrscheinlichkeit für starke Wirbelstürme, die im westlichen Pazifik als Taifune und im östlichen als Hurrikane bezeichnet.
- In Europa kann El Niño zu kalten Spätwintern führen, weil der Polarwirbel, ein Band starker Winde, das die kalten Luftmassen über der Arktis umschließt, gestört wird. Dadurch kann kalte polare Luft in den Süden und warme Luft in den Norden strömen.
- In Südasien schwächt sich der Monsun ab. Dadurch wurden die globalen Auswirkungen von El Niño und die Ursachen entdeckt. Denn bei mehreren kurz aufeinanderfolgenden El Niño-Ereignissen am Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu extremen Dürren und Hungerkatastrophen. Daraufhin begann der britische Meteorologe Sir Gilbert Walker die Ursachen zu erforschen. So hat er die El Niño Southern Oscillation (ENSO) sowie deren Ursache und den Zusammenhang mit dem Monsun entdeckt.
La Niña hat in mancher Hinsicht gegenteilige Folgen. Da es sich dabei um die Verstärkung eines klimatologischen Normalzustands handelt, sind die Folgen weniger ausgeprägt:
- An der Westküste Südamerikas fällt weniger Niederschlag.
- In Südostasien und im Nordosten Australiens gibt es massiven Starkregen.
- Im Atlantik steigt die Wahrscheinlichkeit für starke Hurrikane.
Unter welchen Bedingungen wird El Niño besonders stark?
Als stark gelten El Niños, wenn die Temperatur des Oberflächenwassers vor der Westküste Südamerikas mehr als 1,5 Grad Celsius über der Durchschnittstemperatur liegt. Das wird dadurch begünstigt, dass sich nicht nur im westlichen Pazifik warmes Wasser sammelt, sondern auch in der Tiefe des zentralen Pazifiks ein Reservoir an warmem Wasser entsteht. Wenn dieses Richtung Osten wandert und vor Südamerika zur Oberfläche aufsteigt, ist mit einem starken El Niño zu rechnen.
Lässt sich bereits abschätzen, ob El Niño Ende 2026 besonders stark wird?
Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass sich zum Jahresende ein starker El Niño entwickeln wird. Insbesondere beobachten Meteorologinnen und Meteorologen im tiefen zentralen Pazifik eine ausgeprägte Blase warmen Wassers, die ostwärts wandert. Derzeit gibt die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), das ist der US-Wetterdienst, die Wahrscheinlichkeit für einen starken El Niños mit gut 60 Prozent an. Bislang wurden nur El Niños mit einer Temperaturabweichung von gut 2 Grad beobachtet. Zuverlässig lässt sich die Stärke eines El Niños erst am Ende des Sommers vorhersagen.
Die durchgezogenen Linien entsprechen den Vorhersagen des britischen Wetterdienstes.
Wie wirkt sich die Stärke eines El Niños aus?
Die Intensität von Niederschlagen hängt stark von der Oberflächentemperatur des Meeres ab, über dem sie entstehen, denn die Atmosphäre nimmt dann mehr Feuchtigkeit auf, und die wärmere Temperatur treibt den Wasserkreislauf an. Die Niederschläge an der Westküste Südamerikas fallen bei einem starken El Niño also besonders heftig aus.
Auch die Intensität von Wirbelstürmen hängt von der Oberflächentemperatur des Meeres ab, über dem sie sich bilden, denn die Wirbelstürme nehmen vom Meer Energie auf. Daher werden auch Taifune im Pazifik bei einem starken El Niño zerstörerischer.
In vielen Fällen intensiviert ein starker El Niño die Folgen jedoch nicht, er macht sie nur wahrscheinlicher. Das gilt etwa für die kalten Spätwinter, die ein El Niño in Europa bewirken kann. Ob es dazu kommt, hängt wie bei vielen meteorologischen Entwicklungen von zahlreichen Faktoren ab, von denen El Niño nur einer ist. Bei einem starken El Niño wird es aber wahrscheinlicher, dass sich sein Einfluss durchsetzt.
Was ist darüber bekannt, wie sich El Niño mit dem Klimawandel verändern wird?
Studien mit hochaufgelösten Klimamodellen, die dieser Frage nachgegangen sind, sagen voraus, dass der menschengemachte Klimawandel El Niño-Ereignisse in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts generell verstärken könnte. Diese Frage ist aber noch Gegenstand aktueller Forschung, an der sich auch das Max-Planck-Institut für Meteorologie beteiligt.
PH














