Gibt es in diesem Jahr einen besonders starken El Niño?

Fragen und Antworten zu dem Klimaphänomen und seinen Folgen

7. September 2026

Wie entwickeln sich El Niño und La Niña und was geschieht dabei?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, bei dem sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. El Niño tritt alle zwei bis sieben Jahre zum Jahresende auf – daher der Name El Niño, spanisch für Christkind.

Ausgelöst wird El Niño dadurch, dass die von Ost nach West wehenden Passatwinde über dem Pazifik zum Beispiel durch tropische Stürme abgeschwächt werden. Die Passatwinde drücken das warme Oberflächenwasser des Pazifiks normalerweise in den Westen. Im Osten, vor der Küste Perus, steigt dann aus der Tiefe kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche, das dort für reiche Fischbestände sorgt. Schwächen sich die Passatwinde ab, sammelt sich warmes Wasser an der Oberfläche vor der Westküste Südamerikas. Ist es mehr als 0,5 Grad Celsius wärmer als normal, spricht man in der Meteorologie von einem El Niño. Das warme Wasser kann sich dabei auch aus den Tropen in die Subtropen ausbreiten.

El Niño ist Teil der El Niño Southern Oszillation (ENSO), sein Gegenstück ist La Niña. Dabei werden die Passatwinde verstärkt: Das warme Wasser wird verstärkt in den Westen des Pazifiks getrieben, mehr kaltes Wasser kann an der Westküste Südamerikas nach oben steigen. Ist das Oberflächenwasser mehr als 0,5 Grad Celsius kälter als normal, handelt es sich um La Niña.

Das Video zeigt Beobachtungsdaten der Anomalie der Meeresoberflächentemperatur gegenüber 1982 - 2026.

El Niño und La Niña

Das Video zeigt Beobachtungsdaten der Anomalie der Meeresoberflächentemperatur gegenüber 1982 - 2026.
https://www.youtube.com/watch?v=4ZGYhaIgKUU

Welche Folgen hat El Niño regional und global – klimatisch, gesundheitlich, ökologisch und ökonomisch?

Mit jedem Grad, um das die Oberflächentemperatur des Meeres vor der Westküste Südamerikas steigt, erhöht sich die globale Durchschnittstemperatur um 0,1 Grad Celsius. El Niño und La Niña wirken sich dabei sehr unterschiedlich auf das Wetter verschiedener Regionen aus. Besonders stark sind die Folgen sowohl in Südamerika als auch in Indonesien und Australien. Zu den gravierendsten Folgen eines El Niño gehören:

  • An der Westküste Südamerikas gibt es extrem starke Niederschläge, die zu Überschwemmungen mit zahlreichen Opfern und großen Schäden führen können.
  • Vor der peruanischen Küste fehlt das kühle nährstoffreiche Wasser, sodass die Fischbestände zurückgehen und die Fischerei beeinträchtigt wird.
  • In Indonesien und Australien kommt es zu starker Dürren. Dadurch wird die Reisproduktion beeinträchtigt, und Waldbrände werden begünstigt. Zwar werden die Feuer vor allem in Indonesien oft zur Brandrodung gelegt, geraten dann aber außer Kontrolle. Das führt auch zu einer starken Belastung durch Rauch.
  • Im Atlantik sinkt die Wahrscheinlichkeit für starke Hurrikane, allerdings erwärmt sich der Atlantik durch den Klimawandel, wodurch das Risiko für Hurrikane steigt.
  • Im Pazifik steigt die Wahrscheinlichkeit für starke Wirbelstürme, die im westlichen Pazifik als Taifune und im östlichen als Hurrikane bezeichnet.
  • In Europa kann El Niño zu kalten Spätwintern führen, weil der Polarwirbel, ein Band starker Winde, das die kalten Luftmassen über der Arktis umschließt, gestört wird. Dadurch kann kalte polare Luft in den Süden und warme Luft in den Norden strömen.
  • In Südasien schwächt sich der Monsun ab. Dadurch wurden die globalen Auswirkungen von El Niño und die Ursachen entdeckt. Denn bei mehreren kurz aufeinanderfolgenden El Niño-Ereignissen am Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu extremen Dürren und Hungerkatastrophen. Daraufhin begann der britische Meteorologe Sir Gilbert Walker die Ursachen zu erforschen. So hat er die El Niño Southern Oscillation (ENSO) sowie deren Ursache und den Zusammenhang mit dem Monsun entdeckt.

La Niña hat in mancher Hinsicht gegenteilige Folgen. Da es sich dabei um die Verstärkung eines klimatologischen Normalzustands handelt, sind die Folgen weniger ausgeprägt:

  • An der Westküste Südamerikas fällt weniger Niederschlag.
  • In Südostasien und im Nordosten Australiens gibt es massiven Starkregen.
  • Im Atlantik steigt die Wahrscheinlichkeit für starke Hurrikane.

Unter welchen Bedingungen wird El Niño besonders stark?

Als stark gelten El Niños, wenn die Temperatur des Oberflächenwassers vor der Westküste Südamerikas mehr als 1,5 Grad Celsius über der Durchschnittstemperatur liegt. Das wird dadurch begünstigt, dass sich nicht nur im westlichen Pazifik warmes Wasser sammelt, sondern auch in der Tiefe des zentralen Pazifiks ein Reservoir an warmem Wasser entsteht. Wenn dieses Richtung Osten wandert und vor Südamerika zur Oberfläche aufsteigt, ist mit einem starken El Niño zu rechnen.

Lässt sich bereits abschätzen, ob El Niño Ende 2026 besonders stark wird?

Bereits Ende Juli lag die Oberflächentemperatur im südöstlichen Pazifik vor der Küste Südamerikas den Messungen verschiedener meteorologischer Institutionen um 2 Grad Celsius höher als normal. Im August beobachtete die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), das ist der US-Wetterdienst, am Äquator im Wochenmittel sogar schon einem um 3 Grad erhöhte Oberflächentemperatur. Wegen der natürlichen Wetterschwankungen gelten wöchentliche Oberflächentemperaturen jedoch als nicht besonders aussagekräftig. Daher ermitteln Meteorologinnen und Meteorologen die Temperaturabweichungen gewöhnlich als Mittelwert über drei Monate. Für diese Intervalle erstellen sie auch Prognosen. Demnach ist mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für Ende 2026 ein sehr starker El Niño zu erwarten. Darauf deutet auch hin, dass die Temperatur tieferer Meerschichten in weiten Teilen der mittleren und östliche Regionen des Pazifiks 8 Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Sowohl die NOAA als auch der britische Wetterdienst, dessen Vorhersagen sich in der Vergangenheit als sehr zuverlässig erwiesen haben, sagen voraus, dass die Meerestemperatur bis zum Jahresende um 3 Grad erhöht sein wird – das wäre der stärkste El Niño, der bislang beobachtet wurde. Der Deutsche Wetterdienst und einige andere Einrichtungen prognostizieren sogar einen El Niño mit einer Stärke von rund 4 Grad Celsius.

Wie wirkt sich die Stärke eines El Niños aus?

Die Intensität von Niederschlagen hängt stark von der Oberflächentemperatur des Meeres ab, über dem sie entstehen, denn die Atmosphäre nimmt dann mehr Feuchtigkeit auf, und die wärmere Temperatur treibt den Wasserkreislauf an. Die Niederschläge an der Westküste Südamerikas fallen bei einem starken El Niño also besonders heftig aus.

Auch die Intensität von Wirbelstürmen hängt von der Oberflächentemperatur des Meeres ab, über dem sie sich bilden, denn die Wirbelstürme nehmen vom Meer Energie auf. Daher werden auch Taifune im Pazifik bei einem starken El Niño zerstörerischer.

In vielen Fällen intensiviert ein starker El Niño die Folgen jedoch nicht, er macht sie nur wahrscheinlicher. Das gilt etwa für die kalten Spätwinter, die ein El Niño in Europa bewirken kann. Ob es dazu kommt, hängt wie bei vielen meteorologischen Entwicklungen von zahlreichen Faktoren ab, von denen El Niño nur einer ist. Bei einem starken El Niño wird es aber wahrscheinlicher, dass sich sein Einfluss durchsetzt. Außerdem hält ein starker El Niño länger an, mit seinen meteorologischen Folgen ist also auch länger zu rechnen.

Was ist darüber bekannt, wie sich El Niño mit dem Klimawandel verändern wird?

Studien mit hochaufgelösten Klimamodellen, die dieser Frage nachgegangen sind, sagen voraus, dass der menschengemachte Klimawandel El Niño-Ereignisse in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts generell verstärken könnte.

Im August 2026 erschien im Fachmagazin Science eine Studie, in der ein US-Team Belege für eine Zunahme starker El Niño-Ereignisse seit den 1980er-Jahren veröffentlicht. Die Forschenden hatten die Oberflächentemperatur im östlichen Pazik anhand der chemischen Zusammensetzung von Korallenskeletten an den Galapagos-Inseln rekonstruiert. Gegenstand der Studie war auch, ob sich diese Daten als sogenannter Proxy für die Oberflächentemperatur des Meeres überhaupt eignet. Tatsächlich spiegelten sich einzelne starke El Niño-Ereignisse in der Geochemie der Korallen wider. Daniela Matei, die die El Niño Southern Oscillation am Max-Planck-Institut für Meteorologie erforscht, bewertet die Studie so, dass sie einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der ENSO unter dem Einfluss des Klimawandels geben könnte. Allerdings weist sie auch auf Einschränkungen der Studie hin. So waren mehrere starke El Niño-Ereignisse, die durch Beobachtungen sehr gut belegt sind, um 1900 nicht in den Korallendaten zu erkennen. Außerdem verglich das US-Team die Korallendaten nur für den Zeitraum von 1984 bis 2015 mit den gemessenen Oberflächentemperaturen, unter anderem weil die Proxydaten nicht durchgängig verfügbar waren. So wurden zwei starke El Niño-Ereignisse 1982/83 und 2015/16 nicht erfasst.

Letztlich bleibt die Frage, ob starke El Niño-Ereignisse mit dem Klimawandel zunehmen werden, noch Gegenstand aktueller Forschung, an der sich auch das Max-Planck-Institut für Meteorologie beteiligt.

PH

Anmerkung: Bei diesem Artikel handelt es sich um die aktualisierte Version eines Beitrags vom 29. Juni 2026.

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