Zukunft der Demokratie
Auf der Festversammlung der Max-Planck-Gesellschaft wurde lebhaft über historische und aktuelle Ursachen der Krisen der Demokratie diskutiert und über Ansätze, diese zu bewältigen
Demokratie war das zentrale Thema der Festversammlung der Max-Planck-Gesellschaft. Max-Planck-Präsident Patrick Cramer setzte zunächst die historische Klammer vom ersten deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche 1848 hin zur Geburtsstunde des Grundgesetzes 1948 als die Ministerpräsidenten der westlichen Länder in Frankfurt von den westlichen Alliierten den Auftrag erhielten, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Frankfurt sei folglich ein sehr passender Ort, um über die Zukunft der Demokratie zu sprechen.
Wie wichtig wiederum die Wissenschaft und die Max-Planck-Gesellschaft für Hessen und Frankfurt seien, das betonte Boris Rhein, der hessische Ministerpräsident, in seiner Begrüßungsrede: „Die Max-Planck-Gesellschaft steht für Grundlagen- und Spitzenforschung auf höchstem Niveau. Max Planck hat mit der Begründung der modernen Quantenphysik das Fundament für Technologien gelegt, die heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. Sein Name steht für Prüfen statt Behaupten, für Freiheit statt Vorgabe. Hessen und Max Planck sind durch ein starkes Band wissenschaftlicher Neugier und exzellenter Forschung verbunden. Wir haben jede Menge kluger Köpfe im Land, und in diese Köpfe müssen wir investieren.“
Dass Demokratien in der Krise sind, das ist keine gefühlte Wahrheit, sondern mit Zahlen belegt: Nach dem Democracy-Index des Economist leben nur noch 45 Prozent der Menschen weltweit in einer Demokratie, in der letzten Erhebung von 2025 wurden gerade mal 25 Prozent aller Länder als „vollständige Demokratien“ eingestuft. In seinem einleitenden Impuls sprach Patrick Cramer weitere Aspekte an. Zum einen betonte er: „Demokratie ist nicht naturgegeben. Und dennoch wirkt sie auf uns oft wie eine Art Schwerkraft. Sie ist einfach da. Doch wie bei der Gravitation gilt auch für die Demokratie: Vieles von dem, was uns vertraut ist, kommt erst durch sie in die Welt.“ Und Wissenschaft sei eine Säule einer wehrhaften Demokratie. „Aber sie braucht Freiheit, Offenheit und Vielfalt.“ Deshalb sage er heute ganz unmissverständlich:
„Demokratie ist nicht selbstverständlich“
Podiumsgespräch – Zukunft der Demokratie
Auch in Deutschland wenden sich Menschen vermehrt rechtsextremen oder rechtspopulistischen Parteien zu. Warum das so ist und was sich dagegen tun lässt, diskutierten Hedwig Richter, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München und Steffen Mau, Direktor am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft in Göttingen. Moderiert wurde das Gespräch von der Journalistin und Fernsehmoderatorin Cécile Schortmann.
In der lebhaften Diskussion wurden die gegenwärtigen Krisen der Demokratie angesprochen, die, so Hedwig Richter, ein Teil der Demokratie seien. Aber obwohl zur Geschichte der Demokratie auch die fortdauernde Ankündigung ihres Endes gehöre, sei die aktuelle Situation dramatisch. Steffen Mau machte das konkreter und benannte mehrere innere und äußere Krisen - von mangelnder Partizipation über den Vertrauensverlust in Politik und Parteien sowie veränderte Repräsentationstrukturen, über eine wachsende soziale Schere bis hin zu mächtigen autoritären Gegenspielern liberaler Demokratien, die dazu führten, dass die demokratischen Bindungskräfte nicht mehr bei allen wirkten. Demokratie werde nicht mehr per se als „überlegen” wahrgenommen. Ob und was Politik heute der Bevölkerung abverlangen kann, und dass sich Politik und Gesellschaft vom vertrauten und liebgewonnenen Verhaltensweisen in einer sich laufend und drastisch veränderten Welt verabschieden müssten, das waren ebenso diskutierte Thesen wie die Frage, warum dabei das Gefühl wichtig sei, dass sich alle gleichermaßen engagieren und Belastungen fair verteilt sind. Auch brauche es mehr Momente der Selbstvergewisserung, wie etwa Anfang 2025 als Hunderttausende Menschen auf die Straße gingen, um für Freiheit und Vielfalt zu demonstrieren, und damit auch zeigten, dass die Demokratie mehr Unterstützer als Feinde habe. Die Leisen müssten lauter werden, da waren sich alle einig.
Hinweis: Ein Mitschnitt der Diskussion wird Anfang kommender Woche auf dem Max-Planck-Youtube-Kanal veröffentlicht.













