Erin Schuman erhält den Kavli-Preis 2026
Die Direktorin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung erhält zusammen mit drei weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Forschungspreis im Bereich der Neurowissenschaften
Auf den Punkt gebracht:
- Erin Schuman teilt sich den Kavli-Preis zusammen mit Christine Holt von der Universität Cambridge (UK), Kelsey Martin von der Simons Foundation (US) und Oswald Steward von der University of California Irvine (US).
- Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden für die Entdeckung der lokalen Proteinbiosynthese in Neuronen geehrt, die eine große Rolle für die Entwicklung und die Plastizität des Gehirns spielt.
- Der Kavli-Preis ist mit einer Million US Dollar (ca. 911.000 Euro) pro Kategorie dotiert und gilt als einer der bedeutendsten Preise im Bereich Astrophysik, Nanowissenschaften und Neurowissenschaften.
Durch Lernen und Erfahrungen bilden sich Verbindungen zwischen Nervenzellen bis ins hohe Erwachsenenalter neu und passen sich permanent an sich verändernde Herausforderungen an. Dabei werden die Schaltkreise des Gehirns umgebaut, die Verbindungen zwischen den Nervenzellen neu geschaffen und aufrechterhalten – eine Fähigkeit, die als ‚neuronale Plastizität‘ bezeichnet wird. Die Basis dieser Wandlungsfähigkeit bilden Proteine in den Nervenzellen des Gehirns, die lokal gesteuert und reguliert werden können.
Wie sich das Gehirn neu formt
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die 2026 mit dem Kavli-Preis ausgezeichnet werden, haben dabei grundlegende Prinzipien aufgedeckt, wie die neuronale Proteinproduktion auf molekularer Ebene vonstattengeht - von der aktivitätsabhängigen Umschreibung von Genen in mRNA bis zur lokalen Übersetzung von mRNA in neue Proteine in den Fortsätzen der Nervenzellen. Ihre Erkenntnisse liefern dabei spektakuläre Einblicke in die Mechanismen, die es dem Gehirn ermöglichen, durch Erfahrungen permanent neu umgebaut zu werden.
Darüber hinaus hat Erin Schuman leistungsstarke molekulare Werkzeuge entwickelt, um neu synthetisierte Proteine mit hoher Auflösung zu bestimmen und sichtbar zu machen. Sie klärte damit auf, wie der mRNA-Spiegel, die Proteinsynthese und der Proteinabbau innerhalb bestimmter Zellkompartimente reguliert wird. „Ich bin sehr froh, dass die faszinierenden Mechanismen und Moleküle im Inneren der Nervenzellen die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen,“ sagte Erin Schuman, als sie von der Auszeichnung erfuhr.
Über Erin Schuman
Erin Schuman wurde 1963 in Kalifornien geboren. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Psychologie an der University of Southern California erhielt sie ihren Doktortitel in Neurowissenschaften an der Princeton University. Als Postdoc führte sie Studien in der Abteilung für molekulare und zelluläre Physiologie an der Stanford University durch. Im Jahr 1993 wurde sie an die Fakultät für Biologie am California Institut für Technologie (Caltech) berufen wo sie bis 2009 verblieb und von 1997 bis 2009 als Investigator des Howard Hughes Medical lnstitutes (HHMI) tätig war. Im Jahr 2009 zog sie mit ihrem Ehemann Gilles Laurent nach Frankfurt, um dort das neue Max-Planck-Institut für Hirnforschung aufzubauen.
Über den Kavli-Preis
Der Kavli-Preis wird alle zwei Jahre in den Forschungsfeldern Astrophysik, Nanowissenschaften und Neurowissenschaften verliehen. Bis jetzt haben 73 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Ländern den Preis erhalten, darunter auch Emmanuelle Charpentier (Chemie-Nobelpreis 2020), Reinhard Genzel (Physik-Nobelpreis 2020) und Stefan W. Hell (Chemie-Nobelpreis 2014). Alle Preisträger werden von Gremien ausgewählt, deren Mitglieder von sechs der weltweit renommiertesten Forschungsorganisationen und Hochschulen empfohlen werden. Der Preis gilt daher als eine der wichtigsten Auszeichnungen in den drei Forschungsfeldern.












