Icarus startet zweiten Satelliten

Mit dem neuen Mikrosatelliten „Raven“ werden globale Tierbewegungen und sich verändernde Umweltbedingungen aus dem Weltraum noch präziser erfasst

Auf den Punkt gebracht

  • Start von Icarus 2.0: Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und das NewSpace-Unternehmen Talos haben gemeinsam Icarus 2.0 gestartet, um Tierbewegungen und Umweltveränderungen weltweit aus dem All zu beobachten. Die Mission wird von der National Geographic Society unterstützt.
  • Der erste eigenständige Satellit: Raven soll neue Erkenntnisse für die Biodiversitätsforschung und den Naturschutz ermöglichen: Zwei weitere Starts sind für 2026 geplant, zwei weitere für Frühjahr 2027 vorgesehen.
  • Europäisches Satellitensystem: Icarus 2.0 gewährleistet eine zuverlässige und souveräne Datenverfügbarkeit bei gleichzeitiger globaler Abdeckung sowie eine höhere Effizienz und Datenfrequenz als das Vorgängersystem.
  • Weitere Projektpartner von Icarus 2.0: die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie EnduroSat, welche die Satellitenplattform und Raumfahrtdienstleistungen für den Einsatz des Satelliten bereitstellt.

Mit dem erfolgreichen Start des Mikrosatelliten Raven an Bord der Falcon-9-Rakete von SpaceX vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien, durchgeführt über den deutschen Startintegrator Exolaunch, hat die internationale Initiative Icarus einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Die Mission markiert den Beginn einer neuen, unabhängigen, europäisch geführten Weltrauminfrastruktur – Icarus 2.0 – unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Zusammenarbeit mit seinem Technologiepartner Talos und weiteren Partnern.

Im Kern zielt das wegweisende wissenschaftliche Projekt darauf ab, bislang unerreichte Einblicke in Tierbewegungen und die Dynamik von Ökosystemen weltweit zu ermöglichen. Durch die kontinuierliche, hochauflösende Beobachtung von Tierverhalten und ökologischen Veränderungen eröffnet Icarus 2.0 neue Möglichkeiten, zu verstehen, wie Ökosysteme auf einen sich rasch wandelnden Planeten reagieren. Ziel ist es, ein „Internet der Tiere“ zu schaffen, das sichtbar macht, wie sich Ökosysteme und Klima verändern und wie Tiere auf diese Veränderungen reagieren.

Von der ISS zu Icarus 2.0

Icarus 2.0 baut auf dem ursprünglichen Icarus-System auf, das den Weg für satellitengestützte Forschung zu Tierbewegungen weltweit ebnete. Das erste System wurde mit Unterstützung der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR entwickelt und von 2020 bis 2022 in Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos auf der Internationalen Raumstation (ISS) betrieben. Nachdem das ursprüngliche Icarus-System infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eingestellt wurde, schlossen sich die Max-Planck-Gesellschaft und das deutsche NewSpace-Unternehmen Talos zusammen, um die nächste Generation des Systems zu entwickeln.

Talos-Ingenieure miniaturisierten das Icarus-System zu einer Nutzlast von 10 x 10 x 10 Zentimetern, die auf einem kleinen Satelliten – einem sogenannten CubeSat – eingesetzt werden kann. Der erste dieser neuen Icarus-Empfänger wurde im November 2025 im Rahmen der Mission „Icarus goes LEO“ an Bord des Satelliten GENA-OT der Universität der Bundeswehr München gestartet. Die Universität der Bundeswehr München unterstützt die Icarus-Initiative seit ihren Anfängen. Mit ihrem Forschungszentrum „Space“ beherbergt sie die zentrale Einrichtung der Bundeswehr für Weltraumforschung. Zudem fungiert sie als strategischer Innovationstreiber für neuartige und transformative Technologien, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse in anwendungsorientierte und technologisch souveräne Raumfahrtlösungen überführt – in enger Zusammenarbeit mit Start-ups, Industriepartnern und Raumfahrtinstitutionen.

Mit der Raven-Mission betreibt Icarus nun erstmals einen eigenen, dedizierten Satelliten. In den kommenden Monaten und Jahren soll das System auf mindestens fünf unabhängige Kleinsatelliten erweitert werden, die von Talos und der Max-Planck-Gesellschaft betrieben werden. Einschließlich des Empfängers auf dem GENA-OT-Satelliten, werden sich dann sechs Icarus-Empfänger in niedriger Erdumlaufbahn befinden. Diese Konstellation wird bis zu sechs Updates pro Tag von mit kleinsten Sensoren ausgestatteten Tieren liefern und damit nahezu Echtzeit-Beobachtungen ihrer Bewegungen und ihres Verhaltens ermöglichen. Dadurch wird die Datenerhebung künftig zuverlässiger, häufiger und unabhängiger. Dies bringt die Tierbeobachtung weiter voran und vertieft unser Verständnis, wie Ökosysteme auf Umweltveränderungen reagieren.

„Icarus 2.0 eröffnet neue Möglichkeiten, Tierverhalten und Umweltveränderungen mit einer Qualität und Kontinuität zu verstehen, die zuvor für Forschung und Naturschutz unerreichbar waren“, betont Projektleiter Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „Gerade die globale und regelmäßige Verfügbarkeit der Daten stellt einen entscheidenden Fortschritt für die Forschung dar – etwa um Migration, Biodiversität, Krankheitsausbrüche, Naturkatastrophen und ökologische Veränderungen auf globaler Ebene besser zu verstehen.“

Leistungsfähige Satelliteninfrastruktur

Die wissenschaftliche Mission wird vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie geleitet, das mit dem Icarus-Projekt seit Jahren Maßstäbe in der satellitengestützten Tierbeobachtung setzt. Als Technologiepartner spielt Talos eine zentrale Rolle beim Aufbau der Konstellation, der Missionsplanung, dem operativen Betrieb und der Weiterentwicklung der Tracking-Technologie. Auf dieser Grundlage überführt Talos die Technologie zunehmend in praktische Anwendungen. Das Ergebnis ist ein Instrument, das neben der globalen Umwelt- und Biodiversitätsforschung auch neue und lange benötigte Möglichkeiten für kommerzielle Anwendungen eröffnet – etwa in der globalen Landwirtschaft oder beim Tracking von Nutztieren in abgelegenen Regionen.

„Mit Raven bringen wir erstmals eine eigene Infrastruktur für Icarus 2.0 ins All – und damit eine neue Generation der satellitengestützten Tier- und Umweltbeobachtung“, sagt Gregor Langer, Mitgründer und CEO von Talos. „Der erfolgreiche Start des ersten operationellen Satelliten zeigt, dass Europa in der Lage ist, innerhalb weniger Jahre eine unabhängige und leistungsfähige Satelliteninfrastruktur für globale wissenschaftliche Missionen aufzubauen und zu betreiben. Diese Unabhängigkeit ist entscheidend, um einen langfristig verlässlichen Datenzugang sicherzustellen und gleichzeitig technologische sowie operative Souveränität zu wahren.“

Partnerschaften zur Weiterentwicklung der weltraumgestützten Beobachtung

Das Projekt wird von einem starken Partnernetzwerk unterstützt. Als Hersteller der Satellitenplattform leistet EnduroSat einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des ersten Satelliten und unterstützt als Industriepartner den Aufbau der Konstellation. Die umfassende Flugerfahrung des Unternehmens sowie seine End-to-End-Raumfahrtdienstleistungen beschleunigen den Aufbau der Infrastruktur, reduzieren Risiken und verringern die Komplexität. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR begleitet im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt die Weiterentwicklung des Icarus-Systems als zentraler Förder- und Unterstützungspartner und trägt so dazu bei, den Übergang von einer wissenschaftlichen Mission hin zu einer langfristigen Infrastruktur zu ermöglichen, die auch von öffentlichen Institutionen genutzt werden kann.

Auch die National Geographic Society spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Mission: Sie leistet zusätzliche Unterstützung für RAVEN und erhöht damit die internationale Sichtbarkeit und Reichweite der Mission. Gleichzeitig soll die Icarus-Technologie über das globale Explorer-Netzwerk der National Geographic Society einer internationalen Gemeinschaft von Forschenden und Naturschutzprojekten zugänglich gemacht werden.

Über Icarus

Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) ist ein weltraumgestütztes System, das von Martin Wikelski initiiert wurde. Es ermöglicht die kontinuierliche globale Beobachtung von Tieren und übertrifft damit traditionelle Methoden wie die Beringung von Vögeln. Während das ursprüngliche System – bestehend aus einem Bordcomputer und einer an der Internationalen Raumstation (ISS) angebrachten Antenne – im März 2022 eingestellt wurde, wird das neue System unabhängig über eine eigene Satellitenflotte betrieben. Es ermöglicht nahezu in Echtzeit ein 3D-Tracking von Tierwanderungen auf allen Kontinenten. Ziel der Initiative ist es, den Zugang zu Tracking-Technologie für die globale wissenschaftliche Gemeinschaft zu demokratisieren, sodass auch kleinere Forschungseinrichtungen an modernsten Naturschutzmaßnahmen teilnehmen können. Langfristig soll dieses globale Biodiversitäts-IoT-System zu einem Open-Source- und partizipativen Projekt für alle Nationen weiterentwickelt werden.

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