
Wie Biodiversität, Kultur und Wissen zusammenhängen
Die Beteiligten am Max Planck–NTU Singapore Centre for Biocultural Worlding (CBCW) wollen herausfinden, wie eng biologische Vielfalt und kulturelles Leben miteinander verflochten sind
Das Max Planck–NTU Singapore Centre for Biocultural Worlding (CBCW), eine gemeinsame Initiative des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und des NTU Centre for Contemporary Art in Singapur bringt Forschende, Künstlerinnen und Künstler, Kuratorinnen und Kuratoren, Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler sowie Wissensgemeinschaften zusammen: Das Ziel: gemeinsam herauszufinden, wie eng biologische Vielfalt und kulturelles Leben miteinander verflochten sind, wie dieses Zusammenspiel die Zukunft unseres Planeten prägt und welche Formen des Wissens nötig sind, um auf diese Entwicklungen zu reagieren.
Anstatt Natur und Kultur als getrennte Bereiche zu betrachten, untersucht das Center, wie Ökosysteme, Biodiversität, kulturelle Praktiken und Wissenssysteme sich gegenseitig fortwährend prägen. Den Begriff „Biocultural Worlding“ versteht es als den aktiven und fortlaufenden Prozess, durch den Menschen und andere Lebewesen gemeinsam Welten schaffen, deuten und bewohnen – auf Grundlage eng miteinander verwobenen biologischen und kulturellen Wissens.
„Das CBCW soll eine reflektiertere und verantwortungsvollere Kultur der Wissensproduktion ermöglichen“, sagt Dagmar Schäfer, Direktorin am MPI für Wissenschaftsgeschichte und Co-Leiterin des CBCW. „Sein Kernbeitrag besteht darin, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen verantwortungsvoll darüber nachdenken zu lassen, wie Wissen entsteht, geteilt, zugeschrieben und über Gemeinschaften hinweg bewahrt wird.“
„Wem gehören Kultur und das in ihr verankerte Wissen, ihre Bedeutungen, Werte, Systeme und Objekte? Das Center will zudem den problematischen Begriff des ‚kulturellen Eigentums‘ hinterfragen, der unter anderem in aktuellen globalen Debatten über Rematriierung, Restitution, Bewahrung und den Erhalt von Kultur verankert ist“, ergänzt Ute Meta Bauer, kommissarische Direktorin des NTU Centre for Contemporary Art Singapore und Co-Leiterin des CBCW.
Das Center versteht sich nicht nur als Forschungsprogramm, sondern auch als neues institutionelles Modell. Es will die Grenzen zwischen Disziplinen überwinden, die die erkenntnistheoretischen, ethischen und politischen Dimensionen heutiger Herausforderungen oft voneinander trennen. CBCW bringt unterschiedliche Formen von Expertise und Wissensproduktion zusammen, um neue Formen der Forschung zu entwickeln, die keine einzelne Disziplin allein hervorbringen könnte.
Initiiert vom NTU Centre for Contemporary Art Singapore und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte baut die Partnerschaft auf den sich ergänzenden Stärken ihrer Gründungsinstitutionen auf: Das MPI für Wissenschaftsgeschichte bringt historische und archivbezogene Expertise, strukturelle Analysen und globale intellektuelle Netzwerke ein. Das NTU Centre for Contemporary Art ergänzt dies um kuratorische Praxis, experimentelle Ansätze und regional verankerte Forschungserfahrung in Asien, dem Pazifikraum und dem Globalen Süden. Gemeinsam wollen die Partner einen neuen Rahmen schaffen, um das Verhältnis von Biodiversität, Kultur und Wissen besser zu verstehen.