Niedrige NAD-Werte stören die innere Uhr während der Zellalterung
Sinkende NAD+-Spiegel im alternden Herzen schwächen den zirkadianen Rhythmus und die Gesundheit des Herzens
Auf den Punkt gebracht
- Zirkadiane Rhythmen: Diese Rhythmen regulieren wichtige Körperfunktionen und werden mit zunehmendem Alter schwächer, was zu chronischen Krankheiten führen kann.
- Forschungsbefunde: Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der NAD+-Spiegel des Herzens im Alter sinkt und dass dies die innere Uhr stört.
- Therapeutische Ansätze: Die Erhöhung des NAD-Spiegels durch Nahrungsergänzung könnte eine vielversprechende Strategie zur Vorbeugung altersbedingter Krankheiten darstellen.
Zirkadiane Rhythmen sind Verhaltensmuster, wie z. B. Nahrungsaufnahme/Fasten oder Schlaf-/Wachperioden, die in Abstimmung mit täglichen äußeren Reizen, wie z. B. dem Licht-/Dunkelzyklus, erfolgen. Die molekulare Basis dieser Rhythmen wird von den Zellen selbst aufrechterhalten, die dann aber innerhalb eines Organs zusammenarbeiten, um gewebespezifische Funktionen zu steuern. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auf den gesamten Organismus und synchronisiert die unzähligen Funktionen im gesamten Körper und mit der Umwelt. Mit zunehmendem Alter beginnen sowohl die molekularen Grundlagen als auch die physiologischen Prozesse sich zu verringern und zu verschieben, was zu einer Desynchronisation und damit zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für verschiedene chronische Krankheiten wie Herzversagen führt.
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim konnten nun wichtige Zusammenhänge zwischen der Herzgesundheit und der Regulation der Rhythmik im Alter aufklären. „Jeder Herzschlag ist mehr als nur ein mechanischer Impuls, er ist ein fein abgestimmter physiologischer Prozess, der von der inneren Uhr gesteuert wird“, sagt Pieterjan Dierickx, Leiter der Forschungsgruppe. Im kardiovaskulären System steuert die innere Uhr unter anderem den Energiestoffwechsel, die Herzfrequenz und die Ionensignalisierung. "Unsere Forschung konzentrierte sich daher auf NAD+. Das ist ein Molekül, das für den Energiestoffwechsel in den Zellen von zentraler Bedeutung ist", erklärt Bryce Carpenter, Erstautor der Studie. Die beiden Forscher hatten zuvor festgestellt, dass NAD+ auch im Herzen rhythmisch verfügbar ist, was darauf hindeutet, dass das Molekül als Dreh- und Angelpunkt zwischen Rhythmik und Stoffwechsel fungiert. Nun haben die Forscher jedoch festgestellt, dass der NAD+-Spiegel im Herzen mit zunehmendem Alter abnimmt, parallel zur Schwächung der Uhr.
Erhöhung des NAD+-Spiegels
Um den Grund für den Rückgang der oszillierenden Genexpression weiter zu untersuchen, behandelten die Wissenschaftler alte Mäuse mit einem NAD+-Vorläufermolekül. „Diese pharmakologische Erhöhung des NAD+-Spiegels stellte die oszillierende Genexpression in alten Mäusen wieder her und entsprach besser den bei jungen Mäusen beobachteten Mustern“, erklärt Dierickx.
Anschließend untersuchten die Bad Nauheimer Forscher die Auswirkungen auf die Herzgesundheit der Tiere: Es zeigte sich, dass ältere Mäuse mit erhöhten NAD+-Spiegeln nicht nur eine verbesserte rhythmische Genexpression aufwiesen, sondern sich auch krankhafte Veränderungen wie einen vergrößerten Herzmuskel zurückbildeten. „Durch die Erhöhung des NAD+-Spiegels kehrten die alten Mäuse in einen jugendlicheren Zustand zurück“, erklärt Dierickx. In weiteren Experimenten soll untersucht werden, wie NAD+ als Ansatzpunkt für eine Therapie dienen könnte. Die Forscher haben auch mögliche Zielmechanismen untersucht, die sich die erhöhten NAD+-Spiegel zunutze machen, wie etwa das Protein SIRT1. „Im Idealfall finden wir einen Weg, die innere Uhr im Alter stabil zu halten und damit die Entwicklung von altersbedingten Krankheiten aufzuhalten“, sagt Dierickx.












