Brücken bauen für eine gerechtere Zukunft 

9. Februar 2026

Das Bridging Minds-Programm ermöglicht Promovierenden der Max-Planck-Gesellschaft, Workshops an afrikanischen Partnerinstitutionen zu gestalten. Im September 2025 haben Giacomo Costalunga, Mahalakshmi (Meera) Ramadas und Carlos Gómez-Guzmán vom Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz eine Summer School in Gambia veranstaltet – und erzählen hier, was sie dabei erlebt haben.

Was wir drei selbst aus internationalen Summer Schools mitgenommen hatten, wirkte lange nach – wissenschaftlich wie persönlich. Diesen Erfahrungsschatz wollten wir nun an andere weitergeben. Die Ausschreibung für das Bridging-Minds-Programm kam daher wie gerufen. Unabhängig voneinander wussten wir sofort: Da wollen wir mitmachen – und am besten gemeinsam. Wir arbeiten im selben Labor und ergänzen uns ideal: Giacomos Steckenpferd ist es, im Feld zu forschen, während Meera und Carlos Feld- und Labordaten mithilfe verschiedener Tools auswerten. Uns einte das Ziel, Wissen weiterzugeben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Giacomo wollte den Menschen, in deren Heimat er schon viel geforscht hatte, etwas zurückgeben; Meera und Carlos, die beide aus Entwicklungsländern stammen, wussten aus erster Hand, wie transformativ der Zugang zu Bildung und eine unterstützende Lerngemeinschaft sein können. Wir alle teilten die Begeisterung, ein eigenes Bildungs- und Outreach-Projekt auf die Beine zu stellen.

Der passende Ort war schnell gefunden: Gunjur, ein Dorf mit rund 20.000 Menschen im Westen Gambias, bietet alles, was wir für unsere Summer School brauchten. Denn neben theoretischen Sessions zur Bioakustik und Tierstimmenforschung wollten wir mit den afrikanischen Studierenden vor allem raus in die Natur: um Artenvielfalt zu erleben, Vogelstimmen aufzunehmen und anschließend die gewonnenen Daten mit verschiedensten Methoden in Kleingruppen auszuwerten. Gunjur liegt wie geschaffen dafür – nah am Wald, am Meer und an einer Lagune.

An unserem Workshop im September nahmen sieben Bachelorstudierende und drei Forschungsassistenten aus Gambia mit ganz unterschiedlichen Fachrichtungen teil: von Biologie über Umweltwissenschaften bis hin zu Physik. Manche brachten ein stärkeres theoretisches Fundament mit, andere mehr praktische Erfahrung. Sie alle teilten ein großes Interesse daran, die Geräusche der Umgebung zu verstehen – und eine beeindruckende Offenheit und Neugierde, wissenschaftliche Methoden zu erlernen, um diese zu untersuchen. Das zeigt sich auch an der Fülle neuen Wissens, das sich alle im Laufe der Woche aneigneten. Die Fragen der Teilnehmenden zwangen uns auch, über unseren eigenen Unterricht nachzudenken: Was erklären wir wie – und was setzen wir stillschweigend voraus.

Zwischen Projektarbeit und Stromausfall 

Das Leben in Gambia folgt einem eigenen Rhythmus. Sonnenlicht, Temperatur und Energielevel gaben unseren Tagesablauf vor: Am frühen Morgen begannen wir mit Vogelbeobachtungen, danach folgte ein langes, ruhiges Frühstück. Tagsüber arbeiteten wir unser Programm ab, unterbrochen von häufigen Pausen – nicht zuletzt wegen der Hitze. Gegen 14 Uhr war es meist zu heiß, um viel zu unternehmen. Dann saßen wir im schattigen Garten und führten Gespräche informell fort, auch über Bildungs- und Arbeitschancen. Das mag nach einer entspannten Zeit klingen. Das Gegenteil war der Fall: Trotz des ruhigen Rhythmus war die Woche intensiv. Unsere Tage waren voll, aber nie gehetzt.

Ein Herzstück des Workshops waren die Projekte in der zweiten Wochenhälfte: In Dreiergruppen nahmen die Studierenden Vogelstimmen im Garten oder in den nahe gelegenen Naturgebieten auf und durchliefen dabei alle grundlegenden Schritte eines wissenschaftlichen Projekts: von der Datenerhebung über die Analyse bis hin zur Präsentation einer kleinen wissenschaftlichen „Story“. Für einige, die an dem Workshop teilnahmen, war es sogar das erste Mal überhaupt, dass sie eine Präsentation vorbereiteten und vor einer Gruppe hielten. Diesen Fortschritt mitzuerleben, war absolut inspirierend.

Stromausfälle gehörten während der Summer School zum Alltag – mindestens einmal täglich, oft mitten in einer Präsentation: kein Beamer, keine Klimaanlage, kein Licht. Wir improvisierten, stiegen aufs Whiteboard um, skizzierten Ideen und diskutierten einfach weiter. Die Studierenden waren daran gewöhnt; auch im Uni-Alltag ist eine verlässliche Stromversorgung für sie nicht selbstverständlich. Wir machten gemeinsam Witze über die Situation, und selbst das ständige Öffnen und Schließen der Fenster wurde zur Routine – je nachdem, ob die Klimaanlage gerade funktionierte oder nicht.

Humor spielte die ganze Woche über eine große Rolle. In den heißesten Stunden spielten wir Karten oder Brettspiele. In diesen Momenten wurde die Gruppendynamik besonders deutlich: Die Studierenden waren ehrgeizig und humorvoll und neckten einander ständig – aber immer mit großem Respekt. Es war leicht, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Sie waren offen, herzlich und spontan. Dieser Eindruck bestätigte sich auch außerhalb des Workshops und setzte sich in vielen Begegnungen fort, die wir in Gambia hatten.

Während des gesamten Kurses betonten wir immer wieder, wie wichtig es ist, sich auszutauschen und zu vernetzen. Wir teilten unsere Kontaktdaten und boten Unterstützung auch über den Workshop hinaus an – etwa Feedback zu Bewerbungen, Beratung und weiteren Austausch. Denn für viele Studierende ist der Zugang zu solchen professionellen Netzwerken keine Selbstverständlichkeit, er ist aber in der Wissenschaft entscheidend für die nächsten Schritte.

Wir kamen nach Gambia, um andere zu unterrichten und unser Wissen zu teilen. Was wir im Gegenzug mit nach Hause nahmen, war weitaus mehr.

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